Erlebensraum Lippeaue

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Erlebensraum Lippeaue
PLZ 59065 Hamm
Bezirk Mitte
Stadtteil City
Straße Hausnr. Münsterstraße
Typ Naherholungsgebiet
Gebäudetyp Flussaue
existiert seit 2022
Webseite Erlebensraum Lippeaue auf hamm.de

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Stand: 06.09.2021

Als Erlebensraum Lippeaue bezeichnet die Stadt Hamm ein derzeit in der Ausführung befindliches Naturschutz- und Tourismusprojekt in den Lippeauen nahe des Flugplatzes.

Anstelle des Baus des 2006 an einem Votum der Bürger gescheiterten Lippesees wird seit 2018 die Lippeaue renaturiert und in diesem Zuge der Hochwasserschutz verbessert. Für Touristen entstehen neue Wander- und Radwege, ein Aussichtsplateau und eine Aussichtsplattform, ein öffentlicher Auenpark mit Veranstaltungsflächen sowie Informationstäfelchen zur Flora und Fauna.

Das Projekt ist eine Kooperation des Lippeverbands mit der Stadt Hamm. Die Gesamt-Investitionssumme beträgt ca. 38,4 Mio €, wovon die Stadt Hamm 7,4 Mio. € trägt. Der Eigenanteil der Stadt beläuft sich jedoch lediglich auf 10 % dieser Summe (740.000 €), der Rest wird durch europäische Förderfonds und das Land NRW kofinanziert.[1] Die Fertigstellung ist für Ende 2022 avisiert.

Geschichte

Das Projekt umfasst etwa 195 Hektar zwischen der Fährstraße im Osten der Stadt und der Römerstraße im Westen. Es reicht damit vom Bezirk Mitte in den Bezirk Bockum-Hövel. Mit der Schaffung des „Erlebensraumes“ werden u. a. eine Lipperenaturierung, die Verbesserung des Hochwasserschutzes sowie eine naturschonende Erschließung des Areals zur Freizeitnutzung verfolgt.

Der symbolische erste Spatenstich erfolgte im Beisein von Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann am 18. Dezember 2018. Als erste Maßnahme wurde ein neuer Abwasserkanal von der Kläranlage Mattenbecke zur Münsterstraße verlegt, der u. a. den Abfluss aus einem Regenrückhaltebecken in die Lippe ermöglichen soll.[2]

Anschließend wurde der Verlauf der Lippe durch den Aushub einer neuen Schleife renaturiert. In den Armen des Flusslaufs entstanden dadurch Mulden als Überflutungsflächen bzw. Feuchtwiesen. Zudem wurde ein neuer Deich errichtet. Mit dem Aushub der Renaturierungsarbeiten wurde ferner ein Plateau aufgeschüttet, das eine bessere Aussicht über die Auen gewährleisten soll.

Im Jahr 2022 sollen zudem ein Auenpark, eine Aussichtsplattform und neue Rad- und Wanderwege angelegt werden.

Projektbestandteile

Hochwasserschutz und Renaturierung

Durch den Einbau natürlich geformter Schleifen in der Lippe wurde deren Flusslauf in den Jahren 2018 und 2019 um 800 Meter verlängert und verlangsamt.[3] Außerdem wurden ergänzende Flutmulden ausgebaggert, die im regenreichen Sommer des Jahres 2021 erstmals, wie geplant, geflutet wurden. Beim Ausbaggern der Mulden hinterlassene Sandbänke wurden als Dünen bewusst beibehalten.[4]

Deich

Seit Juli 2020 wurde durch Versenkung von Spundwänden und Aufschüttung des Erdreichs auf 1,3 km Länge[5] ein neuer Lippedeich errichtet.[6][7] Er hat eine Länge von 1,3 km und umfasst 85.000 m³ Erde.[8]

Auf dem Deich wurde ein Kronenweg angelegt, der ab der Überführung an der Münsterstraße bis zum Klärwerk verläuft. Mit seiner sandfarbenen Asphaltdecke setzt der neue Weg nunmehr einen optischen Akzent in der Landschaft.[9]

Im Deichseitengraben werden zwei neue Vogelbeobachtungshütten öffentlich zugänglich sein.[10]

Wiesen

Für die Beweidung der durch den Einbau der Lippeschleifen neu geschaffenen Wiesen werden seit Juli 2021 ganzjährig schottische Hochlandrinder eingesetzt.[11]

Aussichtspunkte

Im Projektgebiet entstehen insgesamt drei neue Aussichtspunkte:

Aussichtsplateau

Mit ca. 110.000 Kubikmeter Abraum der Renaturierungsarbeiten wurde zwischen Flugplatz und Lippedeich ein Aussichtsplateau errichtet. Es ist ca. 450 m lang und 70 m hoch und wurde 2021 vollendet. Die Nutzung des Aushubs als Aussichtsplateau machte nach Angaben der Projektverantwortlichen knapp 18.000 LKW-Fahrten durch die Stadt überflüssig.[12]

Das Plateau wird von einer geteerten Straße durchkreuzt, die den Kanuten des Wassersportzentrums als Zubringer auf den Kanal dient.[13]

Aussichtsplattform

Über der Trafostation südlich des Hamtec-Gebäudes soll eine Aussichtsplattform in Lochblech-Optik errichtet werden. Das Gebäude wird so teilweise ummantelt und versteckt. Die Aussichtsplattform soll den Blick auf die südliche „Schweinemersch“ und den späteren Auenpark ermöglichen. Die Höhe beträgt circa 5 Meter.

Die Planung übernahm das Büro Berghaus Architekten Hamm, die Finanzierung der knapp 140.000 € Investitionssumme stammt zu 90 % aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes NRW. Baubeginn sollte Februar 2022 sein,[14] dieser Termin verzögerte sich jedoch aufgrund Materialmangels.

Archäologischer Aussichtspunkt Nienbrügge

Im Westen des Areals (nahe der Bahnbrücken bzw. an der Kornmersch) plant die Stadt, einen Erdhügel aufzuschütten, von dem aus der Blick auf das Gelände der 1225 zerstörten Burg Nienbrügge ermöglicht werden soll. Hierzu werden weitere Ausgrabungen erfolgen. Die Maßnahme wird mit einer Förderung von 156.000 € bezuschusst, die 2020 durch die Bezirksregierung Arnsberg erteilt wurde.[15]

Freizeitangebote

Das Freizeitangebot wird aus einem Auenpark, einem naturnahen Lippestrand sowie Rad- und Wanderwegen bestehen. Die Erschließung erfolgt von der Brücke über die Münsterstraße her. Nördlich der Brücke wird ein Eingangsplatz entstehen, der mit Lauftreppen und Sitzstufen ausgestattet sein wird.[16]

Auenpark

Im Auenpark, der von der Stadt Hamm allein gestaltet werden soll, wird es neben Veranstaltungsflächen für 400 Gäste auch eine temporäre Gastronomie sowie Sportangebote wie Bouldern, Disc Golf und verschiedene Fitnessgeräte geben. Die konkreten Pläne hierzu wurden im September 2021 vorgestellt.[17]

Der Park wird von der Münsterstraße aus zugänglich sein. Im Zuge seiner Errichtung werden 500 m neue Wege angelegt und 1,6 km alte Wege ertüchtigt.[18]

Baubeginn sollte zunächst Anfang Mai 2022, Fertigstellung im März 2023 sein.[19] Nachdem sich die Vergabe des Auftrags im Zuge der verpflichtenden europaweiten Ausschreibung verzögert hatte, erhielt Ende Mai das Hammer Gartenbauunternehmen Mennigmann den Zuschlag. Baubeginn sollte nun Juni 2022 sein.[20]

Lippestrand

Als Teil des Auenpark-Areals wird außerdem ein Lippestrand geschaffen.[21] Dieser wird aufgrund der allgemeinen Wasserqualität der Lippe jedoch ausdrücklich nicht als Badestrand ausgewiesen sein. Für die Aufschüttung des Strandes wird lehmhaltiger Sand zum Einsatz kommen, der vor Ort bereits von der Lippe abgelagert wurde. [22]

Nachweise


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