Das heutige Haus Weststraße 24, das links an die Weststraße 26 (Haus Dabelow) und rechts an die Einhorn-Apotheke grenzt, dürfte in den 1930er Jahren entstanden sein.

Weststraße 24 (2018)

Im Vorgängerbau begegnen wir zwei jüdischen Familien, die als „vergleitete Schutzjuden“[1] in Hamm ansässig waren. Ab 1791 sind mit dem Hause einige der bekannten Hammer Familiennamen verbunden (z. B. Borberg, Hötte, Klönne, Pröpsting).

Geschichte der Hausstätte

Das Haus Weststraße 24 befindet sich auf der alten Hausstätte Nro 103 in der Nordhofe. Zwischen 1715 und 1722 ist der Jude Jordan Simon als Eigentümer des Hauses nachgewiesen. Nach dem Stadtbrand von 1734 ließ dessen Sohn Schutzjude Philipp Jordan, das Haus auf der alten Hausstätte neu errichten. 1751 verkaufte es dessen Witwe an den Schutzjuden und Pfandleiher Aron Marcus. Dessen Witwe wiederum verkaufte das Haus 1791 an den an der Nordstraße 3 ansässigen Bäcker und Brauer Johann Diedrich Hötte (1735-1799). Sein Sohn Henrich Wilhelm, dem es bei der Erbteilung 1799 zugesprochen worden war, verkaufte das Haus 1802 für 1000 Reichstaler an Kaufmann Nathanael Klönne, der 1801 seine jüngere Schwester Clara Elisabeth Hötte geheiratet hatte.[2] Dr. med. Hermann Joseph Böddicker erwarb 1816 das Haus bei einer vom Land- und Stadtgericht Hamm anberaumten Zwangsversteigerung. Ab 1854 finden wir mit dem Konditor Franz Borberg (* 1828) einen Sohn des Stadtverordnetenvorstehers Franz Borberg im Hause vor.

Eigentümer

 
Weststraße 24 (1950)
 
Anzeige Zwangsversteigerung (1816)
  • 1715/1722: Jordan Simon, Jude
  • 1734/1751: Philip Jordan, Schutzjude
  • 1751/1791: Aron Marcus, Schutzjude, Pfandleiher
  • 1791/1800: Johann Diedrich Hötte (1735-1799), Bäcker und Brauer (→ Nro 189)
  • 1800/1802: Henrich Wilhelm Hötte (1775- ), Kaufmann
  • 1802/1816: Nathanael Klönne (* 1775; † nach 1833) aus Altena, Kaufmann
oo 1801[3] Clara Elisabeth Hötte (1778-1823), T des Johann Diedrich Hötte (→ Nro 189)
  • 1816/1837: Hermann Joseph Böddicker (ca. 1776-1828), Dr. med.
2. oo 1815[4] Dorothea Laar (1789- ), T des Heinrich Laar (→ Nro 87)
1. oo 1853[5] Wilhelmine Pröpsting (1830-1861), T des Johann Pröpsting (→ Nro 268)
2. oo 1862[6] Julie Middendorf (1828-1907) aus Hemmerde

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(M) 1903: Wilhelm Kassen, Drogist – Emil Goebel, Kaufmann
(M) 1908: Wilhelm Kassen, Drogist
(M) 1910: Emil Dogge, Modewarenschäft
(M) 1912: Carl Döbbe, Kaufmann
(M) 1914: Maria Hahn, Modistin
(M) 1922/1936: Wilhelm Hannes, Kaufmann
(M) 1938: Eugen Grügelsiepe, Herren- und Knabenkleidung – Dyckerhoff & Widmann AG, Bauunternehmen, Zweigstelle
(M) 1942: Eugen Grügelsiepe, Herren- und Knabenkleidung – NSKK der NSDAP, Motorsturm 18/M/67
(M) 1951: Eugen Grügelsiepe, Herrenkonfektionsgeschäft – Fritz Fleige, Lebensmittel- und Feinkostgeschäft – Anneliese Braun, Kosmetikerin
(M) 1956/1976: Anneliese Braun, Kosmetikerin[7]
(M) 1956/1960: Grügelsiepe, Herren- und Knabenbekleidungsgeschäft
(M) 1964/1976: Helmut Grothaus, Gardinenfachgeschäft

Spätere Nutzung

Im rechtsseitigen Ladenlokal befindet sich seit 2016 die Galerie Helbing. Ab Ende der 1980er Jahre war an dieser Stelle die Fleischerei Rotzoll ansässig, bis diese Filiale im April 2007 geschlossen wurde.

Im linksseitigen Ladenlokal ist heute der Friseur Notaufnahme ansässig. Der Friseur folgte an dieser Stelle auf den Videospiel-Händler XGames, zuvor befanden sich in diesem Ladenlokal u. a. Hussel Süßwaren, SUSI Süßwaren und Gardinen Grothaus (1970er).

Anmerkungen

  1. Vergleitete Schutzjuden waren jüdische Personen in der Frühen Neuzeit, die vom Landesherrn einen Schutz- oder Geleitbrief erhielten. Damit besaßen sie das rechtliche Privileg, sich an einem bestimmten Ort niederzulassen und Handel zu treiben. Sie unterschieden sich von den „unvergleiteten“ Juden, die nur geduldet waren oder kein Wohnrecht hatten.
  2. (Johann Friedrich) Nathanael war ein Sohn des Pfarreres Caspar Ludwig Klönne in Rhynern; die Herkunftsangabe (aus Altena) erklärt sich daher, dass der Vater ab 1767 reformierter Adjunkt in Altena war, bevor er 1777 zum Pfarrer in Rhynern gewählt wurde.
  3. Vgl. 1801 (Trauregister)
  4. Vgl. 1815 (Trauregister)
  5. Vgl. 1853 (Trauregister)
  6. Vgl. 1862 (Trauregister)
  7. ab AB 1964: Kosmetik-Institut

Literatur

  • Andreas Schulte: Häuserbuch der Stadt Hamm, unveröffentlichtes Manuskript, Nro 103.