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Martin-Luther-Straße 12/14

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Martin-Luther-Straße 12/14 (2024)

Der vor 1957 entstandene Nachkriegsbau Martin-Luther-Straße 12/14 befindet sich auf der Hausstätte Nro 396 in der Westhofe. Bis zum Stadtbrand von 1741 befand sich hier die Steinhaus-Stiftung. Zudem ermöglichen die zahlreichen Veränderungen in der Besitzabfolge hier einen interessanten Einblick in die Hammer Sozialstruktur des 18. und 19. Jahrhunderts.

Geschichte der Hausstätte

Anzeige W. Baucks (1903)

1547 bestimmten Bürgermeister Bonaventura Drove und seine Ehefrau Anna geb. Brünninghaus, da sie selbst kinderlos geblieben waren, testamentarisch, dass nach ihrem Tode ihr Besitz dem Blutsverwandten Heinrich Brünninghaus zufallen solle, der aus den Einkünften 6 Arme beköstigen und in ihrem Hause geheiten datt Steinhauß, belegen an der Lutticken Westraßen, an dem Orde der Soggestraten Wohnrecht (darinne thom Ewigen Daege) gewähren solle. 1558 erfolgte durch die Witwe die Zustiftung des Schürmann-Hofes in Wambeln und eine jährliche Rente von 26 Goldgulden. Diesen Sachverhalt ließ sie sich durch Bürgermeister und Rat der Stadt Hamm bestätigen.[1] 1560 wurde die Stiftung durch den testamentarischen Erben Heinrich Brüninghaus (Ich Heinrich Bruninghaus Bürger thom Hamme) bestätigt.[2]. Bis zum Stadtbrand von 1741 konnte die Stiftung aufrecht erhalten werden. Nach dem Stadtbrand von 1741 wurden nach Schillupp die verbliebenen Armen bei Privatpersonen bzw. im Rödinghauser Armenhaus untergebracht[3] und die Brandstelle blieb zunächst unbebaut liegen. 1749 stellte der Magistrat der Stadt Hamm die Steinhaus-Armen-Brandstelle öffentlich zum Verkauf. 1759 finden wir den Metzger Hermann Brüninghausen als Eigentümer vor, der für 550 Reichstaler das hauß in der Lutherischen Strassen auf dem Steinhaus-Armen platz erworben hatte.[4] 1774 erwarb er außerdem das Nachbargrundstück Martin-Luther-Straße 10. Aus der Konkursmasse erwarb 1785 Friedrich Wilhelm Brüninghausen aus Uentrop das Haus, der es 1791 an den Bürger und Bäcker Johann Wickel veräußerte, und zwar im Namen seiner Schwägerin Clara Dieckmann, Ehefrau Hermann Koch. Diese heiratete 1802 den Lohgeber Heinrich Holtmann, der 1812 ebenfalls eine zweite Ehe mit Clara Maria Langhoff gen. Grohane aus Lünern einging. 1834 übertrug das Ehepaar das Haus ihrer gemeinsamen Tochter Luise, die mit Lohgerber Ferdinand Davidis einen Sohn des lutherischen Predigers Johann Wilhelm Davidis, der an der Weststraße 7 ansässig war, verheiratet war. 1837 erwarb Schmied Hermann Heermann, der an der Martin-Luther-Straße 16 wohnte, das Haus für 1360 Taler. Nach seinem frühen Tode ist Theodor Wolfshohl, von Beruf Schreiner, ab 1840 als Eigentümer nachgewiesen. Er war mit Johanna Wilhelmine Juckenack aus dem Hause Weststraße 16 verheiratet. Sie war eine Tochter des Metzgers Diedrich Juckenack. Auch Theodor Wolfshohl starb in jungen Jahren. Seine Witwe ging aber aber erst 1852 eine weitere Ehe mit Heinrich Borbein in Dortmund ein. Der aus Lüdenscheid stammende Kupferschläger Friedrich Wilhelm Schulte ist als nächster Eigentümer zu nennen. Er hatte 1855 eine jüngere Schwester der Vorbesitzerin geheiratet und erwarb 1860 das Haus für 3800 Taler.[5] Der an der Martin-Luther-Straße 13 ansässige Tischlermeister Wilhelm Steimann erwarb in den 1870er Jahren das Haus und vermietete es. 1890 erfolgte der nächste Eigentumswechsel: Die Familie Baucks führte seit dieser Zeit bis in die 1940er Jahre im Hause ein Korbwarengeschäft.

Eigentümer

  • 1558/1741: Steinhaus-Stiftung
  • 1759/1785: Hermann Brüninghausen, Schlächter
  • 1785/1791: Friedrich Wilhelm Brüninghausen gen. Grävinghoff in Uentrop
  • 1791/1802: Clara Dieckmann (ca. 1755-1811)
  • 1802/1834: Heinrich Holtmann (1775- ), Lohgerber
1. oo 1802[6] Clara Dieckmann
2. oo 1812[7] Clara Maria Langhoff gen. Grohane
  • 1834/1837: Ferdinand Davidis (1807- ), Lohgerber
oo 1834[8] Luise Holtmann (1815- )
  • 1837/1840: Hermann Heermann (* 1803; 1840+), Schmied (→ Nro 402)
  • 1840/1860: Theodor Wolfshohl (* 1816; 1844+), Schreiner
oo 1840[9] Johanna Wilhelmine Juckenack (1819- ); sie 2. oo 1852 Heinrich Borbein in Dortmund
  • 1860/1866: Friedrich Wilhelm Schulte (1825- ) aus Lüdenscheid, Kupferschläger (→ Nro 63)
oo 1855[10] Christiane Juckenack (1826- )

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  • 1899/1908: Wilhelm Baucks (1846-1911) aus Hilbeck, Korbmacher
  • 1912/1942: Heinrich Baucks, Korbmacher

Spätere Nutzung

Anmerkungen

  1. Vgl. Urkunde 1558 Februar 21
  2. Vgl. Urkunde 1560 Februar 15
  3. Vgl. 700 Jahre Stadt Hamm (Buch), S. 284
  4. Wer auf der Brandstelle den Neubau errichtet hat, konnte bislang nicht ermittelt werden.
  5. ab 1877 ist Friedrich Wilhelm Schulte an der Oststraße 8 ansässig.
  6. 1802 (Trauregister)
  7. 1812 (Trauregister)
  8. 1834 (Trauregister)
  9. 1840 (Trauregister)
  10. 1855 (Trauregister)

Literatur

  • Heimatkalender 1925, S. 155 (Firmengeschichte Baucks)
  • Andreas Schulte, Häuserbuch der Stadt Hamm, unveröffentlichtes Manuskript, Hausstätte Nro 396.
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