Lippe von der Heidemühle bis Stockum (Karte)

Die vorliegende Karte des Lippeverlaufs zwischen Haus Heidemühle und Haus Stockum liegt im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen. Sie wird als Digitalisat online zur Verfügung gestellt und auf Ende des 16. Jahrhunderts datiert.
Die Zeichnung ist im Original 30 cm breit und 82,5 cm hoch und enthält vor allem Eintragungen zu Mühlen, Brücken und den zugehörigen adeligen Häusern entlang der Lippe. Zudem sind einige Flurbezeichnungen und im Bereich nördlich der Lippe vor Hamm Landwehren und deren Durchlässe (sogenannte "Bäume") in die Karte aufgenommen worden.
Bezüglich der Heidemühle im Osten und der ehemaligen Siedlungsstätte Nienbrügge enthält die Karte zusätzlich kurze textliche Erläuterungen.
Im folgenden wird die Karte in acht Abschnitten detailliert vorgestellt. Dabei wird geografisch von Ost nach West bzw. in der Karte von oben nach unten vorgegangen.
Abschnitt Heidemühle
Der Text zur linken Seite lautet:
her ist gezeret (?) dan das idle
haus zur Heidemolle lecht im Lande von Marcke dan noch der rechte
und olde Lipstrom dahinder
her gehet
was übersetzt etwa wie folgt lautet:
Hier ist das adelige Haus Heidemühle gezeichnet, das in der Grafschaft Mark liegt, zusammen mit dem rechten und alten Lippestrom, der dahinter herfließt.
Auf dem Bildabschnitt sehen wir den Adelssitz Haus Heidemühle, gegliedert in Ober- und Niederheidemühle, samt der Kornmühle (links, also am Nordufer) und der Ölmühle (rechts, also am Südufer). Oberheidemühle lag auf einer Lippeinsel und besaß einen Turm, weshalb auch manchmal von Burg Heidemühle gesprochen wird. Sie wird als Heydemolen erstmals 1345 in einer Tauschurkunde vom Stift Freckenhorst an das Bistum Münster erwähnt. Auf Grund eines Erbstreites wurde 1541 Haus Niederheidemühle am linken Lippeufer erbaut, welches im Jahr 1590, als die Karte gezeichnet wurde, im Besitz der Familie von Neheim (Nehem) war. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Besitzer durch Schenkung, Tausch, Heirat und Erbe regelmäßig, darunter finden sich Namen wie Vollenspit, von der Recke und von Vincke. Im Laufe des 18. und 19.Jahrhunderts zerfielen die Burg und die Wirtschaftshäuser allmählich und heute sieht man in den Lippewiesen nichts mehr von den einstigen Gebäuden. Beim LIFE-Projekt Lippeaue wurden jedoch Holzbalken des Mühlenwehrs gefunden [1], und die Gräftenanlage der beiden Bauten sind als Bodendenkmal erhalten.
Unten rechts im Bild sieht man die Munne, ein kleiner Bach, der bei Haus Uentrop in die Lippe mündet.
Abschnitt Uentrop
In diesem Abschnitt wird durch die Bezeichnungen "Dat Stifft von Münster" auf der Nordseite der Lippe und "Dat Lant van der Mark" deutlich, dass die Lippe in dem gesamten dargestellten Abschnitt als Grenzfluss zwischen dem Bistum Münster und der Grafschaft Mark zu sehen ist.
Die Karte zeigt in diesem Abschnitt eine mehrfach verzweigte Lippe, wodurch drei Lippeinseln entstehen. Auf der südlichen und größten Insel befindet sich am östlichen Ende eine Walkmühle. Auf der nördlichen Insel befindet sich an der nördlichen Seite eine Kornmühle und auf dem gegenüber liegenden Ufer eine Ölmühle. Zwischen den beiden großen Inseln verzweigt die Lippe nochmals und bildet eine kleine Insel, die mit "Reck" bezeichnet ist und damit das Haus Reck in Uentrop meint.
Im südlichen Lippearm ist die Mündung der Munne eingezeichnet, ebenso die "lange Uentropsche Brücke", die eine Verbindung von Haus Reck nach Uentrop darstellt. Uentrop selbst ist durch einen Kirchenbau symbolisiert.
Abschnitt Haaren
Auf dem linken Bildrand sehen wir Dolberg (mit einer Kirche markiert) und Ostdolberg (mit einem Haus markiert). In der Bildmitte, auf der Lippeinsel unter dem Namen der ersten Besitzer Horn, sehen wir das ehemalige Haus Haaren, von dem Johann Dietrich von Steinen 1757 in seinem Buch über die Kirchspiele des Kreises Hamm schreibt, dass es ein köstlicher Rittersitz sei. Es diente den Grafen von der Mark zur Sicherung der Grenze gegen das Bistum Münster. Nach mehreren Besitzerwechseln verfiel das Haupthaus im Laufe des 19.Jahrhunderts und verschwand schließlich vollständig. Allein die Wirtschaftsgebäude blieben erhalten. An dieser Stelle steht auch heute noch ein Haus.
Bemerkenswert sind die zwei Brücken zur Lippeinsel bei Haus Haaren sowie eine weitere Brücke über die Lippe kurz nach dem Zusammenfluss der beiden Lippearme unterhalb von Haaren. [2] Dort ist ein Haus mit der Namensbeschriftung "Schryver" eingezeichnet
Abschnitt Werries
Der Ausschnitt zeigt die Lippeinsel bei Werries, wobei das Haus Oberwerries auf der Insel eingezeichnet ist, ab mit dem Vermerk versehen ist "Das Huss legt an dieser Seiten der Lippe", was darauf hindeutet, dass Haus Oberwerries nicht auf der Insel, sondern nördlich der Lippe gelegen ist. Die Namensbeziechnung "Bevervuort" weist auf die Besitzer hin, nämlich die Familie von Beverförde.
Am nördlichen Lippearm liegen eine Kornmühle (auf dem Nordufer) und eine Ölmühle (auf dem Südufer).
Auf Höhe von Haus Oberwerries ist eine Brücke vom Nordufer auf die Insel angedeutet. Am südlichen Lippearm ist auf gleicher Höhe ein Boot mit zwei Personen eingezeichnet. Dies weist auf einen möglichen Fährstandort hin.
Unterhalb des Zusammenflusses der beiden Lippearme ist eine weitere Brücke über die Lippe eingezeichnet, am südlichen Lippeufer zudem ein Haus mit der Namensbezeichnung "Nehem". Hierbei handelt es sich um das Haus Niederwerries, das im Besitz der Familie von Neheim stand.
Abschnitt Heessen
Auf dem Abschnitt begegnen uns eine Menge Details. Links oben sehen wir durch eine Kirche symbolisiert das Dorf Heessen. Daneben, an der Lippe gelegen, Schloss Heessen. Auf der Höhe des Schlosses befinden sich auch zwei Wehre in der Lippe.
Weiter flussabwärts stoßen wir auf eine Kornmühle (links, somit auf der Nordseite der Lippe) und eine Ölmühle (rechts, somit auf der Südseite der Lippe). Auf der Lippeinsel wird durch das halbrunde Buschwerk die Landwehr angedeutet, die die Grafschaft Mark vom Bistum Münster trennte. Am oberen Ende der Insel befindet sich der sogenannte Schlagbaum, der Grenzübergang. Unten rechts auf der Insel, nach Hamm hin, befindet sich eine Brücke, die dem Haus Kentrop gehört.
Das Landstück am unteren Ende der Insel wird als Bosmar Kamp bezeichnet.
Im unteren Bildabschnitt befindet sich linkerhand (also nördlich der Lippe) ein alter Seitenarm der Lippe, als de olde lip markiert. Und auch hier gibt es weiteres Buschwerk, das die Landwehr der Nordenfeldmark darstellt, also wieder die Grenze zwischen der Grafschaft Mark und dem Bistum Münster. Und ebenfalls befindet sich hier ein Schlagbaum.
Abschnitt Hamm
Auch dieser Kartenabschnitt steckt voller Details. Vom oberen Bildrand schlängelt sich de olde lip runter bis zur Stadt Hamm, die sich rechterhand, also südlich der Lippe, befindet. Dort eingezeichnet sind nicht nur (vermutlich) die Pauluskirche, sondern auch eine Roggenmühle und (Korn)Mühle. Nach Norden hin quert eine Brücke die Lippe. Sie führt zum Hospital, das inmitten der sogenannten Nordenfeldmark steht. Obwohl nördlich der Lippe gelegen, gehörten diese Wiesen und Felder zur Grafschaft Mark. Daher ist sie auch komplett von einer Landwehr umgeben, dargestellt durch das umlaufende Buschwerk.
In der Landwehr befinden sich mehrere Schlagbäume, also Durchgänge, die sogar namentlich genannt werden. Im linken Bildrand, also am nördlichsten Punkt der Karte, steht ein Haus mit Namen Hardinghausen. Nach jenem Hof ist die Hardinghausstraße benannt. Er gehörte dem Nordenstift, obwohl er jenseits der Landwehr, also im Bistum Münster lag.
Der mit einem * Sternchen markierte Bereich unterhalb von Hamm an der Lippe kennzeichnet die Lage von Burg Nienbrügge, die im Jahre 1225 zerstört wurde.
Weiter flussabwärts, am unteren Ende der Landwehr, steht das Haus Geinegge und weitere Schlagbäume. Die werden im nächsten Absatz eingehender behandelt.
Abschnitt Geinegge/Herringen
Abschnitt Stockum
Anmerkungen
Literatur
- Essellen 1851,
- Heimatbuch Kreis und Stadt Hamm, Hamm 1922
- Dr.Nordhoff: "Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Kreises Hamm", Leipzig 1881
- Johann Dietrich von Steinen: „Historie der Kirchspiele im Amt Hamm“, Lemgo 1757