Urkunde 1521 Mai 6 a
Franz von Ascheberg beklagt in einem Brief vom 6. Mai 1521 an den münsteraner Bischof die Übergriffe Bernd von Oers auf seine Güter in Ichterloh, Eweting und Herbern. Die Überfälle stehen im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen Goddert von Harmen und Lambert von Oer.

Wortlaut
Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 180-181) zitiert: [1]
… is Berndt von Oer sampt de van Halteren unde ander to voete und to perde ton Jchterloe up min hus unde woninge gekomen, ingenommen unde mi dat so jemmerlichen boisligen unde vereitlichen berovet und afgebrannt und allent, dat dar was, mede genommen und de maget uppen hus gestot unde geslagen unde dar allent nicht bi gelaten, dan tor selviger tidt miner hoeve ein, genant de hoef to Evetynck ock berovet und afgebrant und den schulten mit den knecht, deselvigen knecht dem praveste to Cappenberge behorich is, sampt dat semptlige guidt geplundert unde mede genommen unde de frouwe uppen selvigen hove, wo wall se swanger was, sampt ore dochter jemmerlichen geslagen unde gewundet, und gelt unde kleinodige, oere unde oerer dochteren to behorich, mede genomen - unde dar allent nicht bi gelaten und vorder einen man, dem provest van Cappenberge behorich, darto gedrungen unde mit sick genomen, de ennen to Herberen mine guyder wisen solde. So deselvige to Herberen gekomen is, heft he up den kerckhoff gesprungen, unde so se an min hof to Herberen gekomen sint, is dar ein vrouwe in den hilgen ampt gewest unde dar durch verbleven, se den hoef nicht verbrant hebben, und wolden mi so jemmerlichen boislichen vorder umme dat mine brengen, dat doch nu in gines fursten lande beheischet und gehoert is, dat de eine undersaten den anderen so jemmerlichen, verrethlichen, unverfolgt und klagt unensachter vehede unde unverwaert siner ere berovet und gebrant heb.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
... ist Berndt von Oer mitsamt den von Haltern und anderen zu Fuß und zu Pferde nach Ichterloh auf mein Haus und meine Wohnung gekommen, hat sie eingenommen und mich so jämmerlich, böswillig und unter Bruch des Eides beraubt und abgebrannt. Sie haben alles, was dort war, mitgenommen, die Magd auf dem Haus gestoßen und geschlagen und dort überhaupt nichts zurückgelassen. Zudem haben sie zur selben Zeit einen meiner Höfe, genannt der Hof zu Eveting, ebenfalls beraubt und abgebrannt. Den Schulten mitsamt dem Knecht – welcher Knecht dem Propst zu Cappenberg gehört – haben sie samt dem gesamten Gut geplündert und mitgenommen. Die Frau auf demselben Hof haben sie jämmerlich geschlagen und verwundet, obwohl sie schwanger war, ebenso ihre Tochter. Auch Geld und Schmuck, die ihr und ihrer Tochter gehörten, haben sie mitgenommen – und dort überhaupt nichts zurückgelassen. Darüber hinaus haben sie einen Mann, der dem Propst von Cappenberg gehört, dazu gedrängt und mit sich genommen, damit er ihnen zu Herbern meine Güter zeigen sollte. Als derselbe nach Herbern gekommen ist, ist er auf den Kirchhof gesprungen (um Asyl/Schutz zu suchen). Und als sie an meinen Hof zu Herbern gekommen sind, war dort eine Frau beim Gottesdienst, und dadurch ist es dazu gekommen, dass sie den Hof nicht verbrannt haben. Sie wollten mich so jämmerlich und böswillig um das Meine bringen, wie es doch nun in keines Fürsten Lande gefordert und gehört worden ist: dass die einen Untertanen die anderen so jämmerlich, verräterisch, ohne Vorankündigung und Klage, ohne angesagte Fehde und unter Missachtung ihrer Ehre beraubt und abgebrannt haben.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193