Urkunde 1520 August 30

Das Domkapitel von Münster und der Rat der Stadt Münster schreiben am 30. August 1520 in Sachen Goddert von Harmen gegen Lambert von Oer an den Bischof Erich von Osnabrück und Paderborn sowie an den Herzog Philipp zu Braunschweig und Lüneburg. Sie bitten beide nach eigenem Beschluss, als Schiedsrichter in dem Konflikt aufzutreten.
Wortlaut
Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 170) zitiert: [1]
Als dan ein lantdach lestverledden vridage na sunte Jakobi apost. dage binnen Munster gewest, is Lambert van Oir vor stenden des stichtz in jemerlicher gestalt gekommen, den halsbandt vorgebracht und verloep der sake, wo vorg. angedragen mit demodiger bede, em inredich to sin, wo he sick nu holden solde der loefte halven em afgedrungen, wo vorg. na gestalt der sake, dar mede he siner eeren genoich und nicht to kort doe, is em van dusser lantschaf eindrechtichlick gesacht, und wie verhoppen nicht unbilligen to erklaert, dat, wanner he siner wundinge und anderer ungestalt in dussen averfall gekregen, so mechtig und mogich geworden, he weder riden und reisen fonne, salle he in eins unparthielichen fursten, (dar) he noch sin wederparth nicht undergesetten, stadt eder vlecken riden und sick erbeiden up twe unpartiegliche fremde fursten, de na ergencknis des handels erkennen sollen, was Lambert dusser siner afgedrungener loefte un entsachter vehede in sulken guitligen dagen upgenommen, schuldich sy to holden, dar em de halsband umme geslagen men billix einen olden frommen rittermetigen man baven siner loeste, als he gefangen, nicht solde umbgeslagen hebben, und wes em dar upp af oder to erkandt worde, dem so gehorsam und volgich to sin und vor sodaniger erkenntnis nicht ut der stadt eder vlecken, so he ingereiset, to scheiden, dar mede solle he siner eren genoich gedaen hebben. Heft sick Lambert vorg. sodaniger disses landes rade und erkenntnis na erboden und erbott sick des allet up u. f. G. und den erluchtigen fursten Philipp, hertogen to Brunszwyck und Luneburg, u. f. G. frentligen leven broder, up desses handels verloep to erkennen und claren, oft Lambert vorg. der afgedrungenen loefte na schuldich sy, to folgen und holden. Na dan he dorch godz hulpe und nicht sins wederpartz des unmanerliken uncriftligen halsbandes verloist is worden. So dan Lambert vurg. disses landes undersate und ein gefangen man, bedde wi u. f. G. dusse anstellinge gnediglichen an sick to nemmen und dar up so balde als mogelick to erkennen und claren, wo sik Lambert in dussen valle solle holden dar mede he siner eren nicht afbrocken werde.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Als nun am vergangenen Freitag nach dem Tag des heiligen Apostels Jakobus ein Landtag in Münster stattfand, ist Lambert von Oer vor den Ständen des Stifts [Münster] in jämmerlicher Gestalt erschienen. Er hat das Halsband vorgelegt, den Verlauf der Sache wie vorgenannt vorgetragen und demütig darum gebeten, ihm einen Rat zu erteilen, wie er sich nun bezüglich des ihm erzwungenen Versprechens verhalten solle. Dies im Hinblick auf die Umstände der Sache, damit er seiner Ehre Genüge tue und keinen Schaden an ihr erleide.
Daraufhin ist ihm von dieser Landschaft einträchtig gesagt und – wie wir hoffen – nicht unbillig erklärt worden: Sobald er aufgrund seiner Wunden und der sonstigen körperlichen Beeinträchtigungen, die er bei diesem Überfall erlitten hat, wieder so kräftig und fähig geworden ist, dass er reiten und reisen kann, soll er sich in die Stadt oder den Flecken eines unparteiischen Fürsten begeben, dessen Untertan weder er noch sein Gegner ist.
Dort soll er sich bereit erklären, sich dem Urteil zweier unparteiischer, fremder Fürsten zu unterwerfen. Diese sollen nach Prüfung des Vorfalls entscheiden, ob Lambert verpflichtet ist, sein erzwungenes Versprechen einzuhalten – da es ihm inmitten von Tagen einer gütlichen Verhandlung und ohne Fehdeansage abgepresst wurde, und man ihm zudem ein Halsband umgelegt hat, das man billigerweise einem alten, frommen, rittermäßigen Mann (zumal er sich bereits in Gefangenschaft befand) niemals hätte anlegen dürfen.
Was ihm von diesen Fürsten daraufhin zu- oder abgesprochen wird, dem soll er gehorsam und folgsam sein. Bis zu dieser Entscheidung darf er die Stadt oder den Flecken, in den er gereist ist, nicht verlassen. Damit habe er seiner Ehre Genüge getan.
Zu diesem Rat und Beschluss des Landes hat sich der vorgenannte Lambert bereit erklärt. Er bietet an, Eure Fürstliche Gnade (E. f. G.) sowie den durchlauchten Fürsten Philipp, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg – den freundlichen, lieben Bruder Eurer Fürstlichen Gnaden –, über den Verlauf dieses Handels entscheiden und aufklären zu lassen, ob der vorgenannte Lambert dem erzwungenen Versprechen Folge leisten und es einhalten muss. Dies gilt umso mehr, da er durch Gottes Hilfe, und nicht durch das Zutun seines Gegners, von diesem ungebührlichen, unchristlichen Halsband befreit wurde.
Da der vorgenannte Lambert ein Untertan dieses Landes und ein gefangener Mann ist, bitten wir E. f. G., dieses Schiedsverfahren gnädig anzunehmen und so bald wie möglich darüber zu entscheiden und aufzuklären, wie sich Lambert in diesem Fall verhalten soll, damit seine Ehre keinen Abbruch erleidet.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193