Urkunde 1426 April 25


Graf Gerhard von Kleve und von der Mark stellt am 25. April 1426 eine Urkunde über den Tausch seines Guts Neuenhaus (Nienhus) mit Hermann von Neheims Gut zu Norddinker aus. Das Gut Nienhaus wird durch den Tausch allodifiziert, d.h. von allen Pflichten der Hofgemeinschaft in Rhynern freigestellt.
Wortlaut
Die Urkunde ist in mittelniederdeutsche Sprache verfasst und als Kopie in einer Urkunde von 1648 überliefert. Das Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, stellt dazu ein Digitalisat zur Verfügung, das hier wiedergegeben wird:
Die Urkunde lautet transkribiert wir folgt:
Wy Gerart von Cleve ind van der Marcke doen kuondt allen
Lüden und bekennen in diesem Breive vor onß und vor onse Erven
und nakomelinge, dat wy na rade und gutdünckes onser Apmtlüde
vriende, ind onser Schulten in dem Ampte ton Hamme, ind vort mit
vulbart ind willes der Houeslüde deß houes to Rinern, mit Namen
(...) onses Schultes bi der tyd diederich (...)atebrirs, diederich ost-
hoff to Tünne, de Schulte van de (...) bi der tyd Brun van
drenhuses, Cort der Westene Hans Walrams, Henrich de Vole Bert
de Lente, Hartleff to Kerkerdinck, Gerlacs Bruns, Herms Brürge-
mas Johan Brürgemas, Lubbert to Riner, Brinckmas to Vreisich,
Bernt de ouene, Henrich Honemas und Herns Bels Houesfrohne,
und der anderes Houeslüde gemeinliche to Rinheren. Ind besonder
mit (...) ind gudes Willes Göbbeles, Johans und hinric
siner Söene, Elseke und (...) sinen döchter, und wißelo van dem Nien-
huß, de Erues von det hoves tom Nienhuß, hebt verweßel re-
delikes undrechtliches veste den houe to Rinerns tor handt to
behuff Hermans van Neihem seloigen Hermans sone, siner Eruen oft
helderen duses breives onsen hoff tom Nienhuse mit all siner to-
behöringe, so als de Schurhoff ein houesgudt was, horende in den hoff
to Rineren, und als de gelegen is in dem kerspele van Rineren, an holse,
an walde, an torue und tregge, an water und an weide, und mit
aller slachternürt, worein wey dorslachtig, eigen, ledigs, unbe-
swert mit geniges tinse deinte, oft mit (gleye pießten) oft Schul-
den ons, oft onsen Eruen, oft nakomelingen, dem hove to Rine-
ren, oft gemande daruas to done, utgescheiden Kerckrecht.
Ind si is och von utgescheiden drei hooues, dei in dem hove tom Ni-
enhuse plogen to horende mit Namens Roidemans hove, dei Hove
up den Linkamps, unde dei tyhove. Ind wy hebbe vor
den (...) Jost tom Nienhuß weder entfangen to einar veste
Widderweßele in den vorg. hoff to Rhinern na des houes (...)
den hoff to Nartdincker, so as dei gewesen ladde Hermans
van Neihem mit al sinen tobehoringe, so as dei gelegen is in dem
kerspele van dincker, an holte an Walde, an torue an twyge, an Wa-
ter und an Weide, ind dat Hövelinghhuse mit siner tobehorunge,
dat wy dem vorg. Herman von Neihem ver(...)at haddes ind gelegen
is in den kerspele tor Marcke, dar de hoveslude er recht op ent-
fangenhebt, also dat de hoff to Nartdincker und dat Hövelingh-
huß mit dem tobehoringes nu vart, na datum duses breives solle
houesgüde sin, deß vurg. houes to Rinheren, na deß houes Rechte, ind ons
ind onsen Erven ind nakomelinges in den hove rinern deine,
mit Rentes, tinsen, wedes, pachten, ind vort mit allen deinsten,
gelick deu hoff tom Nienhuse ons und onsen geminnede broder
hertoges Adolve van Cleve und van der Marcke, ind onsen Väteren
in dem hove Rinern glach to done, wint an datum duses breives.
Ind wy Gerrat van Cleve und van der Marcke onsen Eruen ind na-
komenlinge solen und wilt waren und rechte warschap doen Hermannus
van Neheim vorg. sinen Eruen oft Helderen dies briefs des vorg. ho-
ves tom Nienhuß mit siner tobehoringe, so als der vurg. ist vor ein dor-
slachtigen eigen und so vry als vurg., als (...)de und recht is, wanner
wair, und wowahr oen deß noet is, sonder argelist.
Ind dat to tüge der warheit, so hebbe wy Gerrat van Cleve ind (...)-
(...) van der Marcke onse Segell doen hanges an diesen breiff vor onße
onse Erues, und vor all onse nakömelinge, de dat mit ons solen hal-
den vast uns stede.
Datum Anno domini millesimo cccc° vicesimo secto
ipso die Bti Marci Evangelistae
Übersetzung
Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Urkundentext wie folgt:
Wir, Gerhard von Kleve und von der Mark, tun kund allen Leuten und bekennen in diesem Brief für uns, für unsere Erben und Nachkommen:
Dass wir nach dem Rat und Gutdünken unserer Amtleute, Freunde und unserer Schulten im Amt zu Hamm, und zudem mit Zustimmung und Willen der Hofesleute des Hofes zu Rhynern (Rinern) – namentlich: unseres Schulten zu dieser Zeit, Dietrich (...), Dietrich Osthoff zu Tünnen, der Schulte von der (...) zur Zeit Brun von Dreinhusen, Cort von der Westene, Hans Walram, Heinrich de Vole, Bert de Lente, Hartleff zu Kerkerdinck, Gerlac Bruns, Hermen Brürgemas, Johan Brürgemas, Lubbert zu Rhyner, Brinckmas zu Freisich, Bernt de Ouene, Heinrich Honemas und Herns Bels, des Hofesfron, sowie der anderen Hofesleute zu Rhynern gemeinsam; und besonders mit dem guten Willen Göbbels, Johanns und Heinrichs, seiner Söhne, Elsekes und (...) seiner Töchter, und Wisels von dem Nienhaus, der Erben des Hofes zum Nienhaus – einen redlichen, rechtmäßigen und festen Tausch vollzogen haben.
An Hermann von Neheim (Sohn des seligen Hermann), seine Erben oder Inhaber dieses Briefes, (haben wir übertragen): unseren Hof zum Nienhaus mit allem Zubehör, so wie dieser 'Schurhof' ein Hofesgut war, das zum Hof zu Rhynern gehörte, gelegen im Kirchspiel Rhynern, mit Holz, Wald, Torf und Zweigen, Wasser und Weide und mit jeglicher Nutzung; (und zwar) als ein durchgehendes, eigenes, lediges (freies) Gut, unbeschwert von jeglichem Zins oder Dienst oder Schulden gegenüber uns, unseren Erben oder Nachkommen oder dem Hof zu Rhynern; ausgenommen bleibt allein das Kirchenrecht. Ausgenommen sind ebenfalls drei Höfe, die gewöhnlich zum Hof Nienhaus gehörten, namentlich: Rodemans Hof, der Hof auf dem Leinkamp und die Drenhofe.
Dafür haben wir von dem vorgenannten Hermann von Neheim wiederum als festen Gegentausch für den vorgenannten Hof zu Rhynern empfangen: den Hof zu Norddinker (Nartdincker), so wie Hermann von Neheim ihn besessen hatte, mit allem Zubehör, gelegen im Kirchspiel Dinker, mit Holz, Wald, Torf, Zweigen, Wasser und Weide; und zudem das Hövelinghaus mit seinem Zubehör, das im Kirchspiel Mark gelegen ist.
Die Hofesleute haben darauf ihr Recht (den Lehns- oder Hofeseid) empfangen, sodass der Hof zu Norddinker und das Hövelinghaus mit dem Zubehör von nun an, nach dem Datum dieses Briefes, Hofesgüter des vorgenannten Hofes zu Rhynern sein sollen nach dessen Hofesrecht. Sie sollen uns, unseren Erben und Nachkommen am Hof zu Rhynern dienen mit Renten, Zinsen, Abgaben und Pachten und zudem mit allen Diensten, genau so, wie der Hof zum Nienhaus es gegenüber uns, unserem geliebten Bruder Herzog Adolf von Kleve und von der Mark sowie unseren Vorfahren am Hof zu Rhynern bis zum Datum dieses Briefes zu tun pflegte.
Und wir, Gerhard von Kleve und von der Mark, unsere Erben und Nachkommen, sollen und wollen Hermann von Neheim, seinen Erben oder den Inhabern dieses Briefes, für den vorgenannten Hof zum Nienhaus mit seinem Zubehör Gewährschaft leisten (warschap doen), als ein freies Eigen, wie es Recht ist, wann und wo immer es ihnen nötig ist, ohne Arglist.
Und zum Zeugnis der Wahrheit haben wir, Gerhard von Kleve und von der Mark, unser Siegel an diesen Brief hängen lassen, für uns, unsere Erben und alle unsere Nachkommen, die dies mit uns fest und stetig halten sollen.
Gegeben im Jahre des Herrn 1426, am Tag des heiligen Evangelisten Markus.
Datierung
Die Urkunde datiert auf den Festtag des heiligen Evangelisten Markus, der am 25. April begangen wird. Die lateinische Jahreszahl ist zu 1426 aufzulösen.
Standort
Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen [1]
Anmerkungen
- ↑ D 002 / Kleve-Märkische Regierung, Landessachen, Nr. 98