Urkunde 1397 Juni 16
Die Brüder Graf Adolf von Kleve und Graf Dietrich von der Mark einigen sich am 10. Juni 1397 hinsichtlich des Gewinns, den sie in der Schlacht vor Kleve am 7. Juni desselben Jahres gemacht haben.
Wortlaut
Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Lacomblet (Bd. III) zitiert: [1]
Wy Adolph greue van Cleue end Diderich greue van der Marke gebroidere bekennen apenbaer, dat wy by rade onser vriende guetlich end lieflich under eynander gesatet ind geslicht syn, als van dem gewynne, dat wy nu op den donresdagh voir Pynxten van goids genaden voir Cleue in dem stryde gewunnen hebben, also dat wy all gewyn end verlues, dat sich an geuangenen dreget, gelyk staen soelen toe boeren, ende dyegene dye ons ter tyt op den velde affgeuangen wurden, gelyck quyt toe maeken, uytgescheiden off onser eynich sonderlingen eynchen synen hulperen off ymande, dye mit ons in den velde waren, eynich gelt off voirdedynge gelaeft off verbriefft hedde, dat dair dye ander van ons nyet mede toe schaffen ensal hebben, ind eyn igelich van ons sal voir sich seluen allene staen verlues van perden, mallich voir syne vriende, dye mit oen in den velde waren. Voirt soilen wy beyde greuen onse ondersaten gelyek verdedingen, durgh dat land van dem Berghe tholvry toe vaeren end toe komen toe water end toe lande. Voirt soilen wy beyde heren onse ondersaten, dye ons en oemen dem hertoigen van dem Berghe orueden gedaen hedden off noch geboirden toe done, also verdedyngen, dat sye deer orueden quyt werden. Voirt soilen wy Adolph greue van Cleue onsen lieuen broider den greuen van der Marke gunnen toevoeren in der scheidynge voir sich allene toe behailden dye vyr end twintich hondert guldene gelds uyt den tholle toe Keyserswerde, dair he omme georlaget heuet, end anders ensal onser engheyn eynich vordel hebben off soyken in der scheidinge mit onsen oemen vurschreuen, dan wy soilen alle sacken als vorschreuen is guetlichen ind gelyck saten den enen van ons als dem anderen. Ind omme die geuangenen tot onser beyder behueff wail toe verwaeren end dye toe schatten tot onsen orber, hebben wy Adolph greue van Cleue gesat vyer onser vriende mit naemen Rutger van dem Boytsler, Lubberte van Tylle, Otten van Camphusen end Diederich an gen Eynde, wilcher vriende twee mit namen Rutger van dem Boitsler end Diederich an gen Eynde wesen soilen in den lande van der Marke by vrienden onss lieuen broiders vorschreuen end by den geuangenen dye dair gelauet hebben, end die anderen twee onser vriende blyuen soilen in onsen lande van Cleue by vrienden onss lieuen broiders vorschreuen end by den geuangenen dye dair gelauet hebben; ind daertoe hebben wy greue van der Marke gesat vyer onser vriende mit naemen hern Herman van der Recke, ritter, Euerdt van Wickede, Diderich Vityngh van Home ende Herman van Berchen, der twee as mit naemen her Herman end Euerdt wesen soilen in den lande van Cleue by vrienden onss lieuen broiders des greuen van Cleue end by den geuangenen dye dair gelaefft hebben, ind die anderen twee soilen wesen in onsen lande van der Marcke by den geuangenen aldair, also dat dese acht onse vrunde off eynge anderen, dye wy in oer stede setten moigen, sich der genangenen gemeynlich onderwynden soilen, end soilen dye trulichen verwaren end tot onser beider behueff gelyck schatten tot allen onsen schoensten na oeren besten vyf synnen. Ind dyeseluen onse vriende ensoilen van den geuangenen noch van nymande van oerre wegen engheyn ghaue, lieffnisse noch myede soyken, nemen noch sich gelauen laten, dan wy soilen dye vorschreuen onse vriende also versyen, dat sye dat gerne doen, ind sowat gelds ind gueds van den geuangenen koemt, dat soilen sy vergaederen end keren dat, dair wy beyde oen dat heyten keren, tot guder bescheidener rekenynge end bewysynge, dairop sy ons gedaen hebben ede end huldynge van truwen als sich dat geboirt. Des wy achte onser heren vriende bekennen, ind wy hebben ons der saeken op onse ede dye wy dairop gedaen hebben aengenoemen endo underwunden, gelyck voir van ons geschreuen steet. Ind wy beyde heren vorschreuen hebben alle saeken vorschreuen, so woe ons dye aentreffen, onser een den anderen to hailden gelauet ind gesekert in guden truwen end mit gestaefden eden ten heilgen geswaren, vast, stede end unuerbreelich toe halden end toe voldoen, sonder alle argelist; ind des toe getuege hebben wy beyde heren end wy achte oyr vriende onse ingesegel sementlich doen hangen an desen brief, dye gegeuen is in den jaren onss heren Dusent dryehondert seuen end negentich, op den satersdagh neest na den heilgen Pinxtdaighe.
Übersetzung
Ins Hochdeutsche übersetzt lautet der Urkundentext wie folgt:
Wir, Adolph, Graf von Kleve, und Diderich, Graf von der Mark, Brüder, bekennen öffentlich, dass wir durch den Rat unserer Freunde gütlich und freundschaftlich untereinander übereingekommen und übereingestimmt sind bezüglich der Beute, die wir nun am Donnerstag vor Pfingsten von Gottes Gnaden vor Kleve in der Schlacht gewonnen haben. Und zwar so, dass wir allen Gewinn und Verlust, der sich auf Gefangene bezieht, gleichmäßig tragen und teilen sollen, und diejenigen, die uns zu der Zeit auf dem Feld abgenommen wurden, gleichermaßen auslösen sollen. Ausgenommen, wenn einer von uns für sich allein oder einigen seiner Helfer oder jemandem, der mit uns auf dem Feld war, irgendein Geld oder ein Zugeständnis versprochen oder verbrieft hätte – damit soll der andere von uns nichts zu tun haben. Und jeder von uns soll für sich allein für den Verlust an Pferden einstehen, jeder für seine Freunde, die mit ihm auf dem Feld waren.
Weiter sollen wir beide Grafen unsere Untertanen gleichermaßen verteidigen, zollfrei durch das Land von dem Berg zu fahren und zu kommen zu Wasser und zu Lande. Weiter sollen wir beide Herren unsere Untertanen, die uns und unserem Oheim, dem Herzog von dem Berg, Urfehde geschworen hatten oder noch zu tun gebührte, so verteidigen, dass sie dieser Urfehde ledig werden. Weiter sollen wir, Adolph, Graf von Kleve, unserem lieben Bruder, dem Grafen von der Mark, zugestehen, vorab in der Teilung für sich allein die vierundzwanzighundert Gulden Geld aus dem Zoll zu Kaiserswerth zu behalten, um die er Krieg geführt hat; und sonst soll keiner von uns irgendeinen Vorteil haben oder suchen in der Teilung mit unserem besagten Oheim, sondern wir sollen alle Sachen, wie oben geschrieben steht, gütlich und gleich regeln, der eine von uns wie der andere.
Und um die Gefangenen zu unser beider Nutzen wohl zu verwahren und sie zu unserem Vorteil einzuschätzen [bzw. Lösegeld festzusetzen], haben wir, Adolph, Graf von Kleve, vier unserer Freunde bestimmt, mit Namen Rutger van dem Boytsler, Lubberte van Tylle, Otte van Camphusen und Diederich an gen Eynde. Von diesen Freunden sollen zwei, nämlich Rutger van dem Boitsler und Diederich an gen Eynde, im Lande von der Mark sein bei den Freunden unseres besagten lieben Bruders und bei den Gefangenen, die dort im Wort stehen [gelobt haben]; und die anderen zwei unserer Freunde sollen in unserem Lande von Kleve bleiben bei den Freunden unseres besagten lieben Bruders und bei den Gefangenen, die dort im Wort stehen. Und dazu haben wir, Graf von der Mark, vier unserer Freunde bestimmt, mit Namen Herr Herman van der Recke, Ritter, Euerdt van Wickede, Diderich Vityngh van Home und Herman van Berchen, von denen zwei, nämlich Herr Herman und Euerdt, im Lande von Kleve sein sollen bei den Freunden unseres lieben Bruders, des Grafen von Kleve, und bei den Gefangenen, die dort im Wort stehen; und die anderen zwei sollen in unserem Lande von der Mark sein bei den Gefangenen allda. So dass diese acht unsere Freunde oder sonstige andere, die wir an ihrer statt einsetzen mögen, sich der Gefangenen gemeinsam annehmen sollen, und sie sollen diese treulich verwahren und zu unser beider Nutzen gleichmäßig schätzen zu all unserem besten Vorteil nach ihrem besten Wissen und Gewissen.
Und dieselben unsere Freunde sollen von den Gefangenen noch von niemandem in ihrem Namen irgendeine Gabe, Vergünstigung noch Lohn suchen, nehmen noch sich versprechen lassen, sondern wir sollen diese unsere besagten Freunde so entschädigen/versorgen, dass sie das gerne tun. Und was an Geld und Gut von den Gefangenen kommt, das sollen sie sammeln und dahin wenden, wohin wir beide es sie wenden heißen, zu guter, ordentlicher Rechnung und Nachweisung, worauf sie uns Eid und Huldigung der Treue geleistet haben, wie sich das gebührt.
Das bekennen wir, acht Freunde unserer Herren, und wir haben uns der Sachen gemäß unseren Eiden, die wir darauf geleistet haben, angenommen und unterwunden, so wie es vorstehend von uns geschrieben steht.
Und wir beide besagten Herren haben alle vorstehenden Sachen, soweit sie uns betreffen, einer dem anderen zu halten gelobt und zugesichert in guten Treuen und mit gestaffelten Eiden zu den Heiligen geschworen, fest, stetig und unverbrüchlich zu halten und zu erfüllen, ohne alle Arglist. Und zu Urkunde dessen haben wir beide Herren und wir acht ihre Freunde unsere Siegel gemeinsam an diesen Brief hängen lassen, der gegeben ist in den Jahren unseres Herrn eintausenddreihundertsiebenundneunzig, am Samstag nächst nach dem heiligen Pfingsttag.
Literatur
- Krumbholtz, Robert: Urkundenbuch der Familien von Volmerstein und von der Recke bis zum Jahre 1437. Münster 1917. Seite 244
- Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark, und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden. 3, von dem Jahr 1301 bis 1400 einschliesslich. Düsseldorf 1853. S. 915-916
Siehe auch
Anmerkungen
<references>
- ↑ Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark, und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden. 3, von dem Jahr 1301 bis 1400 einschliesslich. Düsseldorf 1853. S. 915-916