Urkunde 1300 Dezember 1

Durch einen in Köln dokumentierten Schiedsspruch vom 1. Dezember 1300 verbleibt Graf Eberhard von der Mark im Lehensbesitz der Stadt Dortmund und der Reichshöfe in Brakel, Westhofen und Elmenhorst.
Regest
Walrave von Montjoie und Valkenburg und Johann von Kuik, Schiedsrichter in den Streitigkeiten des Erzbischofs Wicbold von Köln mit dem Grafen Eberhard von der Mark bestimmen unter anderem: da sowohl der Erzbischof als auch der Graf von der Mark offene Briefe vom König über die Belehnung mit der Stadt Dortmund und ihren Gütern und den Reichshöfen Brakel, Westhofen und Elmenhorst besitzen, so soll der Graf so lange in seinem dortigen Besitz bleiben, bis der König selbst eine Entscheidung getroffen hat. [1]
Wortlaut
Die Urkunde ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Lacomblet Band 2 (S. 627-628) zitiert: [2]
In Goz namen amen. Wir Walraue van Munsoge inde van Valkenburch, inde Johan van Kuch, heyren, dun kunt allen dengeynen, dey deysen breyf anneseynt ind horent, want der eyrwige vader unse here, Er Wichbolt der Erchebyschof van Kollen up eyns side, inde Er Euerat der Greue van der Marche inde sin helpere, dey in unseme sagen mit eyme willint begriffen sin, up anders side, up al sulge zueyinge, wermotgeyt inde klage, de under in upgelofin waren, danaue gros schade in irren luden inde deme lande moyt sin ervallen inde kome, up uns as seygere aue minlige iffenere under pinen van zeyn dusent marken Engilscher penninge gut inde geue, de ineynclich part deme andere vor uns gesuaren inde erkoren hayt inde burge davor gesat, as so, so wat wir tusseyn in sagen inde ordinere mit minne of na reythe, dat si dat steyde halden sollen inde voluoren, as in den breyuen der heyup sint gemacht an latine steyt geschreyuen, inde wir aldus don sagen up uns genamen hauen umbde beste des vreyde, inde wir de wareyt na der vordenrunge inde na der antverde van beyden partien an wisen luden, de darzů geschic waren, gevrocht inde vernamen hauen, darna dat wir gehort inde verstanden hauen; so sagen vir in Goz namen up unsen eyt inde vor eyn reyt alsus: so wat in der sonen, dey geschag tussen deme Byschof Syuarde inde deme gesteyt van Collen up eyns siden, inde deme Greuen van der Marke up anders side, geuorvort wart inde geloft, also as dey breyuen sprechgent, dey darup gemacht sint inde de mit ungeseygel des Bischof Syuartz inde des Capitelz vanme Důme ze Collen beseygilnt, sal man deme Greue van der Marke steyde halden. Eyuer wir Walraue here van Munsoge inde van Valkenburg bliuen mit me herre van Kůch darane, so wat hey inde her Crat van Griuensteyn, an dey unse here der Erzebischof de nu is gegangen was, as van deme hús van Volmuntsteyne weyder zo bůenne, vanme reythe van Buchgen, inde van deme wiltbande tussen Scheyde inde Witteme gesait hauent of gesagen mogen mit deme munde of mit breyfuen, dat man dat halden sal. Eyuer so sagen wir vor eyn reith, so wat unser heyre der Erchebischof ůuergangen hait in sinen offen brey fuen ind gelouit deme Greue van der Marken, dat hey eyme sal halden dat. Eyuer so sage wir vor eyn reyth, want unse herre der Erchebischof alrehande offen brifue hait vor sich, inde der Greue van der Marken oich offene breyue hait vor sich up leyninge der stat van Dirtmunde, des godes darzo gehort inde der houe van Brakle, Westhoue inde van Elmenhorst mit deme dat darzo gehoirt, dei dat Rige anne gehorent, in de were, dat man den Greue van der Marke vunden hait inde nu vint, halden sal inde in der weren bliuen sunder urlage, bis dat si vurme Konichge bischeydent na rethe. Eyuer so sagen wir vor eyn reyth, want der Erzchebischof van Collen isin bi Sinszege in de gewere des huses van Schnellenberch, danaue der Greue van der Marke dat halfscheide anespreycht alse vor sin eygen, want hey burchman danaue hat verleynit, dat der Ertzebischof in der gewere sal bliuen, inde reyth dun deme Greuen van der Marken dat dat hus eygen si des gesteytis. Eyuer so sage wir vor eyn reyth, dat des Ertzebischoffis ampamanne neit insolen duingen des Greuen deynstlude van der Marken weyder eren willen zo malen up des bischoffes molen zo Mendene. Eyuer so sagen wir vor eyn reycht, dat man zueyne berue man darzů scheyckin sal, de virneymen sålen, wat zu der heyrschaf van Arnberch inde zo Nurenberch van der vischerie up ter Aren van rechte sulin gehoren; inde datselue sal man din van den wingarden inde deyme artlande zo Hunnephe inde van deme dorpe van Molenheym. Eyuer so sagen wir vor eyn recht, oft dey vrowe van Hollte mach zobrengen dat si eyrren lifzuct sal hauen ain des burchgreue houe van Colle, dat man eyre sal lasen, man inmogen dat zonen, dat si darůp verzeygen haue. Euer so sagen wir vor eyn recht, dat man den Erchebischof van Collen weyder sal sezzen in geweren des vorburges des huses van Holte, da sine vorenvaren inne saitzen, inde dat dey vrowe van Holte irre recht mach danaue vorderen, dat sit van reche vorderen sal inde nemen. Euer so sage wir vor eyn recht, diewile dat man den Erchebischof sal weyder insezzen in dat vorbůrge des husis van Holte, dat hey de vrowe van Holte sal důn user deme banne. Euer so sage wir vor eyn recht, het des byschof ampman van Collen iemanne van des Greuen luden van der Marche geschat binnen vreyden dat kenlich is, dat sal hey weyder keren, heyt hey og eymanne binnen vreyde gevangen, den sal hey quit lassen. Eyuer van deme erue dat der Greue vorderit an deme Erchenbischoffe van Kollen, alse van der Graschaffe van Seyne, so sage wir dat man darzů byrue lude scheycken sal, de de wareyt danaue vernemen sollen, de si uns weyder brengen sålen, up dat wir si darna můgen scheyden. Eyuer so sagen wir vůr eyn recht, want unse here van Collen schůlt geit deme Greuen van der Marken, as van rofe so wa hey ofte sine dat gedan hant, dat si dat gelden sålen na minnen oue na rethe, datselue sal der Erchebyschof inde de sine weyder důn deme Greuen, oue hey in schult geyt. Inde up dat alle deyse punt gehalde werden inde volvort up den Eyt inde de pine de vor genůment sint, so han wir unse Ingeseggele an důsen breyf dun hangen.
Dit is gescheyt, gesacht inde gekundiget zu Collen, na Godes gebůrde dusent inde druhundert Jar, des neysten dages sente Andreses dage des Apostels.
Übersetzung
Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Urkundentext wie folgt:
Im Namen Gottes, Amen.
Wir, Walram von Munsoge und von Valkenburg (Valkenburch), und Johann von Kuch, Herren, tun kund allen, die diesen Brief ansehen und hören, dass der ehrwürdige Vater, unser Herr, Herr Wicbold, der Erzbischof von Köln auf der einen Seite, und Herr Everhard, der Graf von der Mark und seine Helfer, die in unserer Entscheidung mit einem Willen erfasst sind, auf der anderen Seite, wegen all der Streitigkeiten, Fehden und Klagen, die zwischen ihnen entstanden waren, aus denen großer Schaden in ihrem Volk und im Land entstanden ist und entstehen konnte, uns als Schlichter oder freundliche Schiedsrichter unter der Strafe von zehntausend Mark englischer Pfennige, die gut und gangbar sind, gewählt und dafür Bürgen eingesetzt haben. Die einzelnen Parteien haben vor uns geschworen, dass, was immer wir zwischen ihnen nach Freundschaft oder nach Recht entscheiden und anordnen, sie das stetig halten und ausführen sollen, wie es in den Hauptbriefen auf Latein geschrieben steht.
Wir haben diese Entscheidung auf uns genommen um des Friedens willen, und wir haben die Wahrheit nach der Befragung und der Antwort beider Parteien von weisen Leuten, die dafür geeignet waren, erfragt und vernommen. Danach, was wir gehört und verstanden haben, sprechen wir im Namen Gottes auf unseren Eid und als ein Recht wie folgt: Was in der Sühne, die zwischen dem Bischof Siegfried und dem Stift zu Köln auf der einen Seite und dem Grafen von der Mark auf der anderen Seite geschah, befördert und versprochen wurde, so wie die Briefe, die darüber gemacht sind und die mit den Siegeln des Bischofs Siegfried und des Domkapitels zu Köln besiegelt sind, sprechen, soll man dem Grafen von der Mark beständig halten.
Ferner, was wir, Walram, Herr von Monschau und von Valkenburg, mit dem Herrn von Cuyk dazu sagen, und was er und Herr Cuno von Grevenstein, zu dem unser Herr der jetzige Erzbischof gegangen war, wie vom Haus Volmarstein (Volmuntsteyne), das wieder aufgebaut werden soll, vom Recht der Bochumer (Buchgen) und vom Wildbann zwischen Scheidt und Witten gesagt haben oder mit dem Mund oder mit Briefen sagen mögen, das soll man halten.
Ferner sprechen wir als ein Recht, was unser Herr der Erzbischof in seinen offenen Briefen versprochen und dem Grafen von der Mark gelobt hat, dass er ihm das halten soll.
Ferner sprechen wir als ein Recht, dass, da unser Herr der Erzbischof allerlei offene Briefe für sich hat, und der Graf von der Mark ebenfalls offene Briefe für sich hat über die Belehnung der Stadt Dortmund, der zugehörigen Güter und der Höfe von Brakel (Brakle), Westhofen (Westhoue) und von Elmenhorst (Elmenhorst) mit dem, was dazu gehört, die dem Reich zustehen, so soll man den Grafen von der Mark in der Gewalt halten und in der Gewalt bleiben ohne Krieg, bis dass sie vor dem König nach Recht entschieden haben.
Ferner sprechen wir als ein Recht, da der Erzbischof von Köln in Besitz des Hauses Schnellenberg (Schnellenberch) ist, wovon der Graf von der Mark die Hälfte als sein Eigentum beansprucht, weil er dort Burgmannen belehnt hat, soll der Erzbischof in der Gewalt bleiben, und man soll dem Grafen von der Mark zu Recht zusprechen, dass das Haus Eigentum des Stifts sei.
Ferner sprechen wir als ein Recht, dass die Amtleute des Erzbischofs die Dienstleute des Grafen von der Mark nicht gegen ihren Willen auf den Mühlen des Bischofs zu Menden (Mendene) mahlen lassen sollen.
Ferner sprechen wir als ein Recht, dass man zwei erfahrene Männer dazu bestimmen soll, die feststellen sollen, was zur Herrschaft von Arnsberg und zu Nürenberg von der Fischerei auf der Aar von Rechts wegen gehören soll. Dasselbe soll man von den Weingärten und dem Ackerland zu Honnef (Hunnephe) und von dem Dorf Monheim (Molenheym) tun.
Ferner sprechen wir als ein Recht, wenn die Frau von Holte beweisen kann, dass sie ihre Leibzucht am Hof des Burggrafen von Köln haben soll, dass man ihr das belassen soll, es sei denn, man kann beweisen, dass sie darauf verzichtet hat.
Ferner sprechen wir als ein Recht, dass man den Erzbischof von Köln wieder in den Besitz des Vorburgs des Hauses Holte setzen soll, worin seine Vorfahren saßen, und dass die Frau von Holte ihr Recht darauf, das sie von Rechts wegen fordern soll, fordern und nehmen soll.
Ferner sprechen wir als ein Recht, solange man den Erzbischof wieder in den Vorburg des Hauses Holte setzt, dass er die Frau von Holte aus dem Bann tun soll.
Ferner sprechen wir als ein Recht, hat der Amtmann des Bischofs von Köln jemanden von den Leuten des Grafen von der Mark innerhalb des Friedens geschützt und es ist kundbar, so soll er es wiederherstellen. Hat er auch jemanden innerhalb des Friedens gefangen genommen, so soll er ihn freilassen.
Ferner, was das Erbe betrifft, das der Graf vom Erzbischof von Köln fordert, nämlich von der Grafschaft Sayn (Seyne), so sprechen wir, dass man dazu erfahrene Leute bestimmen soll, die die Wahrheit darüber feststellen sollen, die sie uns wieder bringen sollen, damit wir sie danach entscheiden können.
Ferner sprechen wir als ein Recht, da unser Herr von Köln dem Grafen von der Mark die Schuld gibt, als von Raub, so sollen er oder die Seinen, die das getan haben, das nach Freundschaft oder nach Recht vergelten. Dasselbe soll der Erzbischof und die Seinen dem Grafen wieder tun, wenn er ihnen die Schuld gibt.
Und damit alle diese Punkte gehalten und ausgeführt werden, auf den Eid und die Strafe, die vorgenannt sind, so haben wir unsere Siegel an diesen Brief hängen lassen.
Dies ist geschehen, gesprochen und kundgetan zu Köln, im Jahre des Herrn eintausend und dreihundert, am nächsten Tag nach dem Tag des Apostels Andreas (1. Dezember).
Literatur
- Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark, und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden. 2, Von dem Jahr 1201 bis 1300 einschließlich. Elberfeld 1846
- Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band I. Erste Hälfte. Dortmund 1881
Siehe auch
Anmerkungen
- ↑ vgl. Karl Rübel: Dortmunder Urkundenbuch. Band I. Erste Hälfte. Dortmund 1881, S. 188
- ↑ Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark, und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden. 2, Von dem Jahr 1201 bis 1300 einschließlich. Elberfeld 1846