Sabine Zech


Prof. Sabine Zech (* 17. September 1940 in Berlin; † 18. Juli 2026 in Hamm) war eine Kommunalpolitikerin der SPD. Von 1984 bis 1994 amtierte sie als Oberbürgermeisterin der Stadt Hamm und war die erste Frau in der Stadtgeschichte, die dieses Amt bekleidete.
Leben
Sabine Zech wurde 1940 in Berlin geboren. Von 1959 bis 1964 studierte sie in Berlin und Tübingen. Anschließend absolvierte sie von 1965 bis 1969 ihr Referendariat im Land Nordrhein-Westfalen.
Ihren späteren Ehemann, den Rechtsanwalt und Notar Harald Zech, lernte sie während ihrer Studienzeit in Berlin kennen. Nach der Heirat zog das Paar 1965 nach Hamm und ließ sich im Hammer Süden nieder. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.
Ab 1970 war Zech in der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen tätig. Seit 1975 lehrte sie als Professorin an der Fachhochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen in Nordkirchen. Nach dem Ende ihrer politischen Laufbahn kehrte sie dorthin zurück. 2009 trat sie in den Ruhestand.
Auch nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Kommunalpolitik blieb Zech gesellschaftlich und kulturell engagiert. Unter anderem spielte sie Bratsche an der Musikschule.
Spätere Jahre und Tod
Nach dem Ende ihrer Amtszeit als Oberbürgermeisterin kehrte Sabine Zech an die Fachhochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen in Nordkirchen zurück. Bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2009 war sie dort als Professorin tätig.
Auch danach nahm Zech weiterhin am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teil. Der SPD blieb sie bis zu ihrem Tod verbunden. Mit früheren politischen Widersachern versöhnte sie sich im Laufe der Jahre.
Sabine Zech starb am 18. Juli 2026 im Alter von 85 Jahren in Hamm.
Politische Laufbahn
Im Jahr 1968 trat Sabine Zech in die SPD ein. Ein Grund für ihr politisches Engagement waren nach eigenen Angaben die damaligen Verhältnisse im Hammer Schulwesen. Insbesondere die in den 1960er Jahren noch bestehende Trennung von Jungen und Mädchen im Unterricht lehnte sie ab.
Bereits bei der Kommunalwahl 1969 wurde Zech in den Rat der Stadt Hamm gewählt. Sie war zu diesem Zeitpunkt die einzige Frau innerhalb der SPD-Ratsfraktion. Politisch engagierte sie sich insbesondere für die Belange der Menschen im Hammer Süden. Dem Rat gehörte sie insgesamt von 1969 bis 1994 an.
Von 1979 bis 1984 war Zech 2. Bürgermeisterin der Stadt Hamm. Im Jahr 1984 wurde sie zur Oberbürgermeisterin gewählt und war damit die erste Frau an der Spitze der Stadt Hamm. Sie folgte im Amt auf Werner Figgen. Nach ihrer Wiederwahl 1989 blieb sie bis 1994 Oberbürgermeisterin.
Von 1987 bis 1994 hatte Zech zudem den Landesvorsitz der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik inne. Seit 1995 gehörte sie dem Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen Nordrhein-Westfalen (ASJ NRW) an, seit 2002 als stellvertretende Landesvorsitzende.
Oberbürgermeisterin
Die zehnjährige Amtszeit von Sabine Zech als Oberbürgermeisterin war von zahlreichen kommunalpolitischen Veränderungen und teilweise kontroversen Entscheidungen geprägt. In ihre Amtszeit fielen unter anderem die Einrichtung der Gleichstellungsstelle, die Einführung der Woche der Brüderlichkeit, der Start von Radio Lippewelle Hamm, der Klassiksommer, der Neubau des Gustav-Lübcke-Museums sowie die Eröffnung des Allee-Centers. Mit der Zukunftsaktion Kohlegebiete (ZAK) beschäftigte sich die Stadt zudem mit den Folgen des Strukturwandels und neuen Entwicklungsmöglichkeiten für die Region.
Besondere Aufmerksamkeit erregte eine Entscheidung Zechs am 11. Dezember 1985. In einer entscheidenden Sitzung des Rates ging es um die Zukunft des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Die Schule sollte nach damaligen Planungen zugunsten einer Gesamtschule aufgegeben werden. Zech stimmte gegen die Position ihrer eigenen SPD-Fraktion und trug damit zum Erhalt des Gymnasiums bei. Ihre Entscheidung brachte ihr einerseits Anerkennung in Teilen der Bevölkerung ein, führte andererseits jedoch zu Konflikten innerhalb ihrer Partei.
Während ihrer Amtszeit setzte sich Zech außerdem für eine Reform der kommunalen Verwaltungsstruktur ein. Zu dieser Zeit war das Amt des Oberbürgermeisters in Nordrhein-Westfalen ehrenamtlich ausgestaltet, während der Oberstadtdirektor die Stadtverwaltung leitete. Zech befürwortete stattdessen das süddeutsche Modell mit einem hauptamtlichen Oberbürgermeister als Leiter der Verwaltung. Dieses Modell wurde in Hamm erstmals nach der Kommunalwahl 1999 mit Thomas Hunsteger-Petermann umgesetzt.
Anfang der 1990er Jahre kam es innerhalb der Hammer SPD zu erheblichen Auseinandersetzungen um Zech. Teile der Partei forderten ihre Ablösung als Oberbürgermeisterin und erklärten das Vertrauensverhältnis für beschädigt. Gegen Zech erhobene Vorwürfe erwiesen sich jedoch als nicht haltbar. Gleichzeitig erhielt sie weiterhin Unterstützung aus Teilen der Parteibasis. Bei der Kommunalwahl 1994 trat sie schließlich nicht mehr für das Amt der Oberbürgermeisterin an und schied aus der Kommunalpolitik aus. Ihr Nachfolger wurde der Sozialdemokrat Jürgen Wieland.
Bradford und die Städtepartnerschaften
In Zechs Amtszeit fiel die Brandkatastrophe im Stadion der Hammer Partnerstadt Bradford am 11. Mai 1985, bei der 56 Menschen ums Leben kamen. Das Ereignis prägte auch die Beziehungen zwischen den beiden Partnerstädten. Zech gedachte der Opfer regelmäßig und legte am Hammer Mahnmal zum Jahrestag der Katastrophe einen Kranz nieder.
Auch der Ausbau weiterer internationaler Beziehungen der Stadt fiel in ihre Amtszeit.
HAM-2000 und die Amtskette
Am 10. Juni 1991 reiste Oberbürgermeisterin Zech mit Fahrer und dem Dienstwagen HAM-2000 sowie der Amtskette im Gepäck nach Polen, um die Städtepartnerschaft zwischen Hamm und Kalisz zu besiegeln. Am Morgen der Rückreise, dem 12. Juni 1991, wurde der Dienstwagen mitsamt dem Gepäck Zechs und der Amtskette vor dem Hotel gestohlen.
Das Fahrzeug wurde knapp drei Wochen später schwer beschädigt bei Warschau sichergestellt. Die Amtskette aus dem Jahr 1952 blieb hingegen verschwunden. Sie wurde 1999 durch eine Kopie ersetzt.
Presseberichte
-
Westfälischer Anzeiger, 29.07.2009
-
Westfälischer Anzeiger, 11.09.2010