Die heutige Adresse Ostenwall 2 ist nicht identisch mit der Vorkriegsadresse Ostenwall 2. Unter den Nummern 1 bis 6 finden wir bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs eine Häuserzeile vor, die aus einer Gadumbebauung hervorgegangen ist. Das Areal dieser Häuserzeile dürfte zur großen bürgerlichen Hausstätte Oststraße 58[1] gehört haben, die auf dem Foto ganz rechts gut zu erkennen ist.

Geschichte der Hausstätte

 
Ostenwall 1-6 (um 1930)

Das ehemalige Haus Ostenwall 2 befand sich auf der alten Hausstätte Nro 308 in der Osthofe. Es grenzte links unmittelbar an das Haus Ostenwall 3 und rechts an das Haus Ostenwall 1. 1751 wird es als Gadum, 1800 als Häusgen bezeichnet. Aufgrund einer für Hamm recht umfangreichen Quellenlage lassen sich die Besitzverhältnisse recht gut nachzeichnen. So ist es 1733 das Ehepaar Glasmacher Johann Diedrich Witpage und Anna Maria geb. Schütte - bereits an der Oststraße 27 ansässig -, das das Häusgen am Ostenwall käuflich erwarb. Die Witwe Witpage heiratete 1743 Henrich Voss. Nach deren Tod erbten die Töchter Elisabeth und Sophia Witpage[2] das Haupthaus an der Oststraße und das Gadum am Ostenwall. Elisabeth Witpage heiratete 1780 den Schirrmeister Christoph Timmerbeul, 1787 Sergeant, 1792 Unteroffizier im IR 9.[3] 1815 inserierten die Erben das Haus zum Verkauf. Nach Justizkommmissar Keller, der 1815 zunächst das Haus für 200 Taler erwarb, finden wir ab 1817 die Schreinerfamilie Fuhrmann im Hause vor. 1871 kaufte Fabrikarbeiter Gosewinkel aus Bönen das Haus, dessen Witwe noch 1899 als Eigentümerin ausgewiesen ist. 1903 weist das Adressbuch den Arbeiter Wilhelm Rennemeier als Eigentümer aus. Zwischen 1903 und 1908 kaufte die Stadt Hamm das Gebäude auf. Mieter sind seit dieser Zeit nicht mehr verzeichnet.

Eigentümer

  • 1733/1743: Johann Diedrich Witpage (1741†), Glasmacher
oo 1729[4] Anna Maria Schütte
oo 1743[5] Anna Maria Schütte Wwe Witpage
  • 1758[6]/1799: Elisabeth Witpage und Sophia Witpage
  • 1799/1815: Christoph Timmerbeul, Sergeant (1787), Unteroffizier (1792), Schirrmeister (1800)
oo 1780[7] Elisabeth Witpage
oo Anna Sophia Sibilla Klothmann
  • 1851/1871: Heinrich Fuhrmann (1869†), Schreiner
  • 1871/1886: Wilhelm Gosewinkel (* 1820; 1899†) aus Bönen, Fabrikarbeiter
oo Christine (* 1817) aus Unna

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Anmerkungen

  1. Vorkriegsstand; heute befindet sich dort das Haus Oststraße 56 und 56a.
  2. Sophia Witpage (ca. 1738-1826) heiratete hingegen 1763 Metzger Gerhard Stricker; siehe Nro 44; Nro 357.
  3. Die Testamente von 1787 und 1792 und 1807 haben sich erhalten; die im Testament von 1792 genannte Nummer des Hauses (sub No 108 auf dem Ostenwall) ist irrig. Vielmehr handelt es sich um die Nro 308.
  4. Vgl. 1729 (Trauregister)
  5. Vgl. 1743 (Trauregister); dort: Vos / Schutte
  6. 1758 als Erbe der Mutter
  7. Vgl. 1780 (Trauregister)
  8. Es dürfte sich um Friedrich Wilhelm Keller - genannt Keller I - handeln, den Sohn des Hammer Bürgermeisters Johann Heinrich Arnold Keller.
  9. 1817 Kauf für 210 Taler
  10. AB 1899: Wwe Christine Gosewinkel

Literatur

  • Andreas Schulte: Häuserbuch der Stadt Hamm, unveröffentlichtes Manuskript, Nro 308.