Epitaph des Pentling von Münster

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Das Epitaph aus Baumberger Sandstein und aus der Werkstatt der Münsteraner Bildhauerfamilie Lake ehrt den Knaben Pentlingk von Münster, † 15. August 1609 im Alter von 13 Jahren und begraben in der Pauluskirche zu Hamm.

Die Person des Verstorbenen

Pentlingk von Münster war der älteste Sohn des Bernhardt von Münster zu Meinhövel, * 1562 † 16.12.1625, Herr auf Meinhövel, Geisbeck, Bensink und Hilbeck und seiner 1. Ehefrau [∞ I 27.08.1595] Elisabeth von Pentling [1] , † vor 1611, Erbtochter zu Hilbeck. Bernhard von Münster hatte auch Haus-und Grundbesitz in der Stadt Hamm und ist bis zu seinem Tode in den Kirchenrechnungen der reformierten Gemeinde Hamm nachweisbar. Pentlingk von Münster erhielt seinen Vornamen, wie damals des öfteren praktiziert, nach der aussterbenden Familie seiner Mutter Elisabeth von Pentling.[2]

Die Familiengenealogie

Seine 16 in Wappen dargestellten adligen Ahnen sind bekannt. Entsprechend finden sich links die Wappen der Ahnen väterlicherseits: Münster (rote Münster), Ripperda, Raesfeld, Hackfort, Vos van Steenwyk, [Kankena] Dornum (nicht mehr zu entziffern), Haeften und Munster (blaue Münster). Rechts finden sich die Ahnenwappen mütterlicherseits: Pentling, Berninghausen, Galen, Krakerügge, Reck, Büren, Plettenberg und Oer.

Das Allianzwappen

Da in der Mitte das vereinigte Wappen Münster-Pentlingk wie ein Allianzwappen dargestellt ist, sollte Pentlinck von Münster vielleicht die Güter der Familie von Pentling erben und mit vereinigtem Wappen fortführen, weil die Familie von Pentling mit seiner Mutter, der Erbtochter auf dem Hause Hilbeck, und deren Schwester Anna von Pentling, die mit dem Hammer Drosten Johann von Hugenpoet im Gosewinckel zu Stockum verheiratet war, im männlichen Stamm erlosch.

Bezug zum Allianz-Eptiaph von Johann von Hugenpoet

Das Allianz-Epitaph seines Onkels Johann von Hugenpoet, Droste zu Hamm, und der Schwester seiner Mutter, eben der genannten Anna von Pentling, ebenfalls aus der Werkstatt Lake in Münster in Baumberger Sandstein, befindet sich in ähnlicher Ausführung wie das Pauluskirchen-Epitaph in der Dorfkirche St. Viktor in Herringen (heute Hamm). Die mütterlichen Ahnenwappen des Pentling von Münster stimmen entsprechend mit den Ahnenwappen seiner Tante auf dem Epitaph in Herringen überein.

Fehlerhafte Rekonstruktion der Epitaphinschrift

Die fälschlich ergänzte Inschrift des Epitaphs in der Pauluskirche war wohl Folge einer Fehlinterpretation. Nachweislich war die Schrift im Juli 1912 schon nicht mehr zu erkennen. Damals beauftragte die Familie der Grafen von Münster ein Foto des Epitaphs, das von dem Hammer Fotografen Hermann Sommer hergestellt wurde. Dieses Foto ist erhalten und beweist die lückenhafte Inschrift. Entsprechend finden sich irrige Deutungen auch in der Arbeit des Superintendenten Arnold Torhorst über die alten Epitaphien der Pauluskirche und die irrige Zuweisung des Grabstein an die Mutter Elisabeth v. Pentling bereits in der Beschreibung des Grabsteins in den Bau -und Kunstdenkmälern der Stadt Hamm von 1936, obwohl der Name Elisabeth nicht ausdrücklich erwähnt wird. So schrieb Torhorst auch: “Von den vier Distichen des Mittelfeldes ist nur das erste erhalten. Die wenigen lesbaren Zeilenschlußworte der drei anderen spotten jeder wiederherstellenden Konjektur“. Auch fielen Torhorst die teils weiblichen und teils männlichen Endungen im lateinischen Text auf. Vermutlich musste bei der letzten Restaurierung der Inschrift nach dem II. Weltkrieg von dem Hammer Bildhauer Petras und dem Sassendorfer Kunstmaler und Grafiker Göge weiteres erraten werden, sodass es zu den Irrtümern kam. Die restaurierte Inschrift ist bei Torhorst abgedruckt. Klärung brachte erst die Genealogie der Herren und Grafen von Münster von Ernst-Georg Graf Münster.

Literatur

1. Ossenberg, Heinrich u. Joseph Lappe, Stadt Hamm, Bau –und Kunstdenkmäler von Westfalen, 43. Bd, 1936 Münster, S. 63 - 64
2. Torhorst, Arnold, Die alten Epitaphien in der Pauluskirche zu Hamm, Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte, Bd 75, 1982, S. 185-187 und S. 194
3. Thümmler, Hans, Kreis Unna, Bau –und Kunstdenkmäler von Westfalen, Münster 1959, S. 212
4. Ernst-Georg Graf zu Münster, "Familienkundliche Notizen zur Gesamtfamilie der Grafen zu Münster von 1139 bis 1980", Eigenverlag 1981, S. 75.
5. Rudolf Preising: Hilbeck. Geschichte eines märkischen Dorfes vor den Toren von Werl, Münster 1981, S.

Anmerkungen

  1. Tochter des Hermann von Pentling zu Hilbeck und der Anna von Berninghausen aus dem Haus Eickelborn
  2. Der Name der Bauerschaft Pentling im Kirchspiel Hilbeck und der Familienname von Pentling gehen auf eine Verballhornung des Stiftes St. Pantaleon in Köln zurück, das Besitzungen im Kirchspiel Hilbeck (Stadt Werl) hatte.