Urkunde 1523 Dezember 17
Goddert von Harmen schreibt am 17. Dezember 1523 an die Stadt Münster. Es handelt sich dabei um eine ausführliche Rechtfertigung und Fehdeankündigung . Er erklärt darin dem münsterischen Adel und dem Rat der Stadt Münster, wie er durch die Heirat mit der Tochter Hermans von Ascheberg an Rechte auf Güter gelangte, die ihm von Lambert und Bernd von Oer vorenthalten wurden. Er schildert die Vorgeschichte, eine Gefangennahme Lamberts (eisernes Halsband), gescheiterte Schlichtungsversuche (u.a. in Osnabrück, Dortmund und Ahlen) und kündigt schließlich wegen Verweigerung des Rechts den offenen Krieg an.

Wortlaut
Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 181-185) zitiert: [1]
Ich foegen ju semptliken, und in sunderheit denjenigen, den mine sake suslange unkundich gewest, to wetten, wu dat ick mit Hermans van Ascheberg dochter Jaspare genant, na sate der hilligen kercken eelicken vertruwet sin, daer mi na naturlicher succession etliche erstalige guder mede to bruitschatte gegeven sint, welche guder Lambert van Oer in tit sins levens sunder alle billicheit undergehat, derhalven ich mit Lambert vorscreven in verfolge viantliche handelunge gekomen. Dar to den tiden etliche goitliche dage tuschen vorramet geholden (und wu wol ich mich na privilegien des stifts Munster vor einen utlendischen man genochsam allet erbodden hebbe) jdoch nicht nutz ingebracht, das ich mich up ander wege bedacht und heb Lambert van Oer als den rechten principail nicht umb sins lives noch gudes willen, dan allein der oirsake, dat he miner huisfrouwen und mine guder gegen godt, ere und alle billicheit under hadde, gebrukede und besitter was, derhalven enne gefenklich angenommen, des he mi to gode und sin hilgen ein gefenckniß gesworen und als ein from ritterman gelavet heft und des oick hantlastunge gedaen und soe heb ich enne geeischet, mi na sinen hogen eide und geloisten to holden, doe is he siner eide und geloiften vergetten und mi erlois, truwelois und meineidig geworden, dat doch genen in sunderheit van adel der maten getimet. Wu den all ich heb na verloep der tit ville schrifte dar umb gedaen und an den hoichgeboren fuersten bischop Erick sel. oick an domdechen und capittel to Munster geschreven und begert, dat se Lambert vorscreven underwisen und vermogen, dat he mi to gesachte gefenckniß halde, up dat ich de unschuldigen dar umb to beschedigen nicht georsaket werde, dat ick doch lever verlaten were, wan mi der billicheit na wederfaren mochte. So wort Lambert vurg. der gefenckniß und sick des halsbandes halven (den ich em sunder redelike oirsake nicht umbgeslagen hadde) an de hoichwerdigen durchluchtigen hoichgeboren fuersten min gnedige hern Erick van goz gnaden bischop to Oßenbrugge und Paderborn und Hertogen Philipp van Grubenhagen als unparteilice fuersten gewyst, wes de vorbenoempten fursten erkenten, oft se schuldich were to holden eder nicht, des folde he sich der beiden hoichgedachten fursten unpartiglicher erkentniß na schicken. Dat Lambert van Der so ingegangen und bewilliget heft. So hebben vorgerorten fursten erkent, Lambert van Oer solde to Oßenbrugge in eine erlike herberge riden und dar inne verbliwen, ehr furstliche gnaden wolden sick der saken vurder beleren laten und dan ein utsprache und entlich erkentniß dar over doin. Als men gemeint hedde, Lambert van Der solde na der fursten erkentniß in de herberge gereden sin, so heft he des ock utflucht gedain, villichte der orsaken, dat em leide was, he solde de guder verlaiten, oft he solde mi de gefenckniß holden, so is he wederumb na Kakesbecke getogen. So bolde ich dat vernommen, heb ich Lambert duck genant an kercken, klusen, anderen steden malen und upslaen laten, hedde gemeint, he folde sinen eide, glimp und ere bedacht hebben, is mi allet nicht batlich gewest. Mehr Lambert van Oer is in den verlopen durch den fursten van Munster selligen in sine f. g. schriften dor einen besonderen und getreuwen raidt angetogen. Dewyl ich fullicks vermerket, und dat Lambert vurg. mi durch genannten fursten, oic domdecken und capittel des stifts Munster sin gefenckniß to holden, mi vor entholden wert, so sin id georsaket worden und heb nochmaels min genochsam verfolge gedaen und der furder dan up gestediget, dar mich kentliche noet to gedrungen, dar do ezliche daige tuschen verramet und ein deils der goitlichen daige to Dortmunde, ein deils to Alen angesat, welcher ich mit einen groten getaill miner frunde und mit groter unkost und swarheit geholden und mich up allen geholden dagen altit och bevorns hoichlighen erbodden heb, up minen naturligen lantfursten van Cleve, Gulich, Berghe und up de semptliche ritterschop, lantschop, stadt und stede des landes van der Marcke, oick up den hoichwerdigen fursten van Munster edelman, capittell, ritterschap, lantschap, stadt und stede des stifts Munster und heft mi allet nicht profitlichs ingebracht und de geholden daige sint allenthalven to minen unverwinckligen hinder und schaden unfruchtbar afgegangen, des ich mich in geines wech vertroistet hedde; doch nichts deweniger heb ich boven dit solftige fursten, hern, graven, ritteren und anderen minen guden frunden, de dusse sake gerne guidt gesein hedden, to sunderlingen eren und gefallen van einer tit to der anderen mannichfoldich bestant ingerumet und mich, mine knechte und perde mit groter unkost in fromden landen entholden, jedoch allet der gentzlicher toversicht gescheen, wan mi wedder ein ander guitlicher dach ernant worde, alsdan solden furstliche und ander hoichwisen reide mine sake to herten nemen und die up ander gude templike wege schicken. Is allet nicht dan swarheit und ander unnutlige dageleistonge af erwassen. Doch soe wort nemptlich up maendach na Visitationis Mariä neistvergangen to Alen mi ein guitlich dag ange- sath, den ich mit sampt miner dreplichen fruntschop mit groter unkost geleistet heb, dar do einen entlich receß gededingt, jdoch mit swarheit van mi erlangt, meher mi wort togesacht, min jegendeill solde dat receß dar hir copie biverwart, ock holden. Ut dussen receß hebben ju Erberheiden und Ersamheiden guidt und klerlichen to verstaen, dat ich min saken genzlichen an den hoichwerdigen nu tor tit elekt und confirmereten fursten van Munster und siner f. G. hoichwisen reede gestalt. Up dat solftige receß und up den dagbreef, den izgemelte hoichwerdige furst mi jungxt to gesagt, sin ich am dinxedage na Andree Ap. to Alen erschenen und in jegenwordicheit hoichbenompten fursten und anderer churfurstlichen, furstligen und capittell, ritterschap und landtschapp verordenten reeden mine clage gruntlichen entdeckt, wu und wat manere dusse ervingen guder an mi und min huisfrouwen geervet und angefallen. Dick is dan klerelichen mit guden besegelten bewise bekreftiget, wu snoitlich, wu bedreichlich mit der armen blinden frouwen van adel umgegangen is, dat jemerlich und klegelich is, soe dat billich heiden ketzer und türcke erbarmen solde, als dat jue geschickeden do woell verstanden hebben, dat vordreitlich were, schriftligen und noittroftigen to verhalen. Wu awer de dag am latesten to Alen unverfencklich unfruchtbar is afgegangen und wu der wolgeboren und edel min her van Benthem den lesten avescheit utgesacht, wu dat vilgedachte furst van Munster mit sampt den andern reeden vil vlites in der sake vurgewant hedden, soe stonde Bernt van Oer up sinen hoigen erboderen, mochtesfine f. G. en nicht verlaten. Meher sine f. G. wer begeren, dat ich ummetit be stant wolde liden und de solftige genommene avescheit is juwen geschickeden ock an twiwel noch in vrischen gedencken. Darup hebb ick mit sampt miner fruntschop tor antwort seggen laten, ich bedanke mi alles vlites und arbeits den sin f. G. mit sampt churfurftligen, furftligen, wollgeboren, edelen, erwerdigen, werdigen, erenvesten und erberen verordneten reeden in den gebisteren gewedder vorgewant und gedaen hedden und wer dat willich mins vermogens to verdenen. Besonder so de fursten van Munster durch den wollgeboren graven van Benthem und Stenforde heb vor ein avescheit seggen laten, van Bernts van Oer pleitsaken, besitte und hoigen erboderen und ich ein rume tit bestandt solde erliden und so heb ick Berndes vormetten pleitsacke nicht to done, sin dar och nicht up to daige erschenen, is oick lude des receß hir bigelacht klarlich afgekallet. Meher Herman van Ascheberge erbuyt sick und heft sick uf lesten gehalden daige erboiden, wan em der pleitsaken halven ein dach angesat wert, so wil he Berndt vurg. dar temerlicher antwort nicht up weigeren, dat allet buten minen wege is, wan aver Lambert van Oer vurheve und nu Berndt sin soen in unbillichen ungotlichen gebruyke der semptligen guder gesetten und noch sitten is genoichsam gehoret und mit segel und breven bewest. Wu sick oick Berndt vurg. erboden heft, heb ich mich hir bevorens in allen minen schriften oick up geholden dagen erbodden uf minen naturlichen landtfursten van Cleve, Gulich Berge, uf den hoichwerdigen bischof Erich und uf izigen fursten van Munster, ander fursten, hern edelman, capittel ritterschop, landescop, stadt und stede des stifts Munster und des landes van der Marcke solden miner tor billicheit mechtich syn. - Mehr Berndes von Oer erbodere werden nhu angenommen und mine overfleißigen erboder werden versmehet. - Nu konnen ju Ex. wol erkennen, dat mi armen gesellen de kentlike uterste noet drengt. - De churfurstlichen reede heft minen frunden tor antwort gegeven, sin f. G. (von Münster) hebben vil moeheniß, vlites und arbeits darinne gedaen, sin f. G. willen up dat mail nicht meher van den sachen horen. - Meher ich fan ut dusser antwort nicht anders vermerken, dan min widerparth insfinen ungotlichen, ungegrunthen, unbillichen gebruike und besitte der twidrechtigen guder behanthavet und boven ehre und recht beholden wert. Mins bedunckens gener anderer oirsacke, dan dat umb dusse vorfolgeden sachen noch nicht schadens genoch geschein sy, dan ich vort meher durch anstrengende noet to georsaket und will liff eder leven to erfoerderonge miner rechtferdigen saken nicht sparen und oft hinfurder meher doetslage moertbrant eder sust anders, wy die krigeshandelonge eischent, geschegen, dat die unschuldigen swerlicker dan sust lange gescheen, bedrangt worden, des ick lever vorlaten gewest were, dair will ich ton reden nemants van to antworden plichtich sin und will mich und min tostenders und hulpershulper hie mede tom overfloißigen ton eheren genoichsam als vurheyen oich geschein, genoichsam vorclaigt, vorwart und vorfolgt haven und ich will alle dusse vnrg. puncte genoichsam na brengen, heb des den hern van capittell (wante sie tom deil der sachen ganz partigelich sint) nicht willen to schriven, willen ju Erberheiden und Ersamheiden den dit solftige vorniggen, stellen ich tot juwen walgefallen, dat ich ju Erberheiden und Ersamheiden sampt und besunder angeseen mi de uterste noit hir to reißt in betrachtonge der billicheit nicht heb willen entholden und begeren, dat dusse schrifte semptlige gemeinheit nicht vorentholden werde, up dat ein der vormerken moge, wat oirsake mich to forderen steden gedrungen. Hir mede gode bevollen. Datum Donnerstaig na Lucie anno XVc.XXIII. Goddert Harmen.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Ich bringe euch allen, und insbesondere denjenigen, denen meine Sache bislang unbekannt war, zur Kenntnis, wie ich mit Hermans von Ascheberg Tochter, namens Jaspara, nach den Satzungen der heiligen Kirche ehelich verheiratet bin. Dadurch sind mir nach natürlicher Erbfolge etliche erstmalige Güter als Mitgift gegeben worden, welche Güter Lambert von Oer zu seinen Lebzeiten ohne alle Billigkeit innehatte, weshalb ich mit dem besagten Lambert in der Folge in feindliche Auseinandersetzungen geraten bin.
Dazu wurden zu jener Zeit etliche Schlichtungstermine vereinbart und abgehalten. Und obwohl ich mich nach den Privilegien des Stifts Münster als ein ausländischer Mann für alles hinreichend bereit erklärt habe, brachte dies jedoch keinen Nutzen. Deshalb habe ich mich auf andere Wege besonnen und habe Lambert von Oer als den eigentlichen Hauptgegner nicht um seines Lebens oder Gutes willen angegriffen, sondern allein aus der Ursache, dass er die Güter meiner Hausfrau und mir gegen Gott, die Ehre und alle Billigkeit innehatte, nutzte und besaß. Deshalb habe ich ihn gefangen genommen, woraufhin er mir zu Gott und seinen Heiligen eine Urfehde (den Eid, sich nach der Freilassung nicht zu rächen) geschworen und als ein frommer Rittersmann gelobt und dies auch mit Handschlag bekräftigt hat.
Und als ich ihn aufforderte, sich an seinen hohen Eid und seine Gelöbnisse zu halten, da hat er seine Eide und Gelöbnisse vergessen und ist mir ehrlos, treulos und meineidig geworden, was doch sonst keinem vom Adel in dieser Weise geziemt. Wie dem auch sei, ich habe nach Ablauf der Zeit viele Schreiben deswegen verfasst und an den hochgeborenen Fürstbischof Erich (von Münster), seligen Angedenkens, sowie an den Domdechanten und das Kapitel zu Münster geschrieben und begehrt, dass sie den besagten Lambert unterweisen und dazu bewegen, dass er mir die die Bedingungen der Urfehde erfüllt, damit ich nicht Ursache erhalte, Unschuldige deswegen zu schädigen – was ich doch lieber unterlassen hätte, wenn mir nach der Billigkeit Recht widerfahren wäre.
Daraufhin wurde der vorgenannte Lambert wegen der Gefangenschaft und des Halsbandes wegen (das ich ihm nicht ohne redliche Ursache umgelegt hatte) an die hochwürdigen, durchlauchten, hochgeborenen Fürsten, meine gnädigen Herren Erich von Gottes Gnaden, Bischof zu Osnabrück und Paderborn, und Herzog Philipp von Grubenhagen als unparteiische Fürsten verwiesen. Was die vorbenannten Fürsten urteilen würden, ob er (den Eid) zu halten schuldig wäre oder nicht, danach sollte er sich dem unparteiischen Urteil der beiden hochgedachten Fürsten fügen. Dem hat Lambert von Oer zugestimmt und eingewilligt.
Die vorgenannten Fürsten haben entschieden: Lambert von Oer sollte nach Osnabrück in eine ehrliche Herberge reiten und darin verbleiben, bis Ihre Fürstlichen Gnaden sich in der Sache weiter hätten informieren lassen, um dann einen Spruch und ein endgültiges Urteil darüber zu fällen. Als man nun meinte, Lambert von Oer sei nach dem Urteil der Fürsten in die Herberge geritten, da hat er stattdessen die Flucht ergriffen – vielleicht aus dem Grund, weil es ihm leidtat, dass er die Güter verlieren oder mir den Eid halten sollte – und ist stattdessen wieder nach Kakesbeck (Burg Kakesbeck bei Lüdinghausen) gezogen.
Sobald ich das vernommen hatte, habe ich den oft genannten Lambert an Kirchen, Klausen und anderen Orten öffentlich als Ehrlosen und Meineidigen steckbrieflich angeprangert. Ich hatte gemeint, er würde seinen Eid, sein Ansehen und seine Ehre bedenken, doch es hat mir alles nichts genützt. Vielmehr wurde Lambert von Oer in der Zwischenzeit durch den seligen Fürsten von Münster in dessen fürstlichen Schriften durch einen besonderen und getreuen Rat geschützt.
Da ich dies nunmehr bemerkt habe, und da mir von dem vorgenannten Lambert durch den genannten Fürsten sowie den Domdechanten und das Kapitel des Stifts Münster die Erfüllung seines Eides vorenthalten wird, bin ich dazu gezwungen worden und habe nochmals meine hinreichende Rechtsdurchsetzung betrieben und weiter darauf beharrt, wozu mich spürbare Not gedrängt hat. Dazu wurden etliche Schlichtungstage anberaumt, ein Teil der gütlichen Tage in Dortmund, ein Teil in Ahlen angesetzt, welche ich mit einer großen Anzahl meiner Freunde und unter großen Unkosten und Beschwerlichkeiten wahrgenommen habe. Und ich habe mich auf allen abgehaltenen Tagen stets und auch im Voraus hochheilig bereit erklärt, mich dem Urteil meines natürlichen Landesfürsten von Kleve, Jülich, Berg und der gesamten Ritterschaft, Landschaft und den Städten des Landes von der Mark zu unterwerfen, ebenso dem hochwürdigen Fürsten von Münster, den Edelleuten, dem Kapitel, der Ritterschaft, Landschaft und den Städten des Stifts Münster. Doch es hat mir alles keinen Nutzen gebracht, und die abgehaltenen Tage sind überall zu meinem unersetzlichen Nachteil und Schaden fruchtlos verlaufen, womit ich in keiner Weise gerechnet hätte.
Nichtsdestoweniger habe ich darüber hinaus ebendiesen Fürsten, Herren, Grafen, Rittern und anderen meinen guten Freunden, die diese Sache gerne im Guten beigelegt gesehen hätten, zu besonderen Ehren und Gefallen von einer Zeit zur anderen vielfach Waffenstillstand eingeräumt und mich, meine Knechte und Pferde unter großen Unkosten im fremden Land aufgehalten. Dies geschah jedoch alles in der gänzlichen Zuversicht, dass, wenn mir wieder ein neuer gütlicher Tag benannt würde, alsdann die fürstlichen und anderen hochweisen Räte meine Sache ernst nehmen und diese auf andere gute, zeitnahe Wege leiten würden. Es ist daraus aber nichts als Beschwerlichkeit und anderes unnützes tägliches Herauszögern erwachsen.
Dennoch wurde mir namentlich auf den Montag nach Mariä Heimsuchung jüngst vergangen zu Ahlen ein gütlicher Tag angesetzt, den ich mitsamt meiner stattlichen Freundschaft unter großen Unkosten wahrgenommen habe. Dabei wurde ein endgültiger Rezess (Vergleich) ausgehandelt, der mir jedoch unter schweren Bedingungen abverlangt wurde; immerhin wurde mir zugesagt, meine Gegenpartei sollte diesen Rezess, von dem hier eine Kopie beigefügt ist, ebenfalls einhalten. Aus diesem Rezess könnt ihr, eure Ehrbarkeiten und Ersamkeiten, gut und klar ersehen, dass ich meine Sachen gänzlich in die Hände des hochwürdigen, nun zur Zeit gewählten und bestätigten Fürsten von Münster [des Bischofs] und seiner Fürstlichen Gnaden hochweisen Räte gelegt habe.
Aufgrund ebendieses Rezesses und aufgrund des Einladungsschreibens, den der besagte hochwürdige Fürst mir jüngst zugesagt hatte, bin ich am Dienstag nach St. Andreas zu Ahlen erschienen. In Gegenwart des hochbenannten Fürsten und anderer kurfürstlicher, fürstlicher und vom Kapitel, der Ritterschaft und Landschaft verordneter Räte habe ich meine Klage gründlich dargelegt: wie und auf welche Weise diese erblichen Güter an mich und meine Hausfrau vererbt und gefallen sind. Dies wurde dann klar mit guten, besiegelten Beweisen bekräftigt, wie schändlich, wie betrügerisch mit der armen, blinden Frau von Adel (Jaspara) umgegangen worden ist – was jämmerlich und beklagenswert ist, sodass es billigerweise Heiden, Ketzer und Türken erbarmen sollte, wie es eure Gesandten dort wohl verstanden haben, was aber verdrießlich wäre, hier schriftlich und ausführlich zu wiederholen.
Wie aber der Tag am Ende zu Ahlen völlig ergebnislos und fruchtlos ausgegangen ist, und wie der wohlgeborene und edle Herr von Bentheim den letzten Bescheid verkündet hat – nämlich dass der vielgenannte Fürst von Münster mitsamt den anderen Räten zwar viel Fleiß in der Sache aufgewandt hätten, Bernd von Oer aber auf seinen hohen Forderungen beharre, weshalb Seine Fürstliche Gnade ihn nicht davon abbringen könne. Vielmehr begehrten Seine Fürstliche Gnade, dass ich für eine Zeitlang stillhalten und den Stillstand dulden solle. Dieser verkündete Bescheid ist euren Gesandten ohne Zweifel noch in frischer Erinnerung.
Darauf habe ich mitsamt meinen Freunden zur Antwort sagen lassen: Ich bedanke mich für allen Fleiß und die Arbeit, die Seine Fürstliche Gnade mitsamt den kurfürstlichen, fürstlichen, wohlgeborenen, edlen, ehrwürdigen, würdigen, ehrenfesten und ehrbaren verordneten Räten in diesen stürmischen Zeiten aufgewandt und getan haben, und ich wäre bereit, dies nach meinem Vermögen zu vergelten. Da aber der Fürst von Münster durch den wohlgeborenen Grafen von Bentheim und Steinfurt als Bescheid hat sagen lassen, dass wegen Bernd von Oers Prozessen, Besitz und hohen Forderungen ich einen langen Waffenstillstand erdulden solle, so habe ich mit Bernds vermessenen Prozessen nichts zu tun, bin dazu auch nicht auf dem Verhandlungstag erschienen, was auch laut des hier beigefügten Rezesses klar abgewiesen wurde.
Vielmehr bietet sich Herman von Ascheberg an und hat sich auf den letzten abgehaltenen Tagen bereit erklärt: Wenn ihm wegen der Prozesse ein Tag angesetzt wird, so will er dem vorgenannten Bernd eine rechtzeitige Antwort darauf nicht verweigern. Das alles betrifft mich nicht direkt. Dass aber Lambert von Oer zuvor und nun Bernd, sein Sohn, im unbilligen, ungöttlichen Gebrauch der gesamten Güter eingesetzt wurde und noch sitzt, ist hinreichend dargetan und mit Siegel und Briefen bewiesen.
So wie sich auch der vorgenannte Bernd bereit erklärt hat, so habe ich mich hier zuvor in all meinen Schriften und auch auf den Verhandlungstagen bereit erklärt: dass mein natürlicher Landesfürst von Kleve, Jülich, Berg, der hochwürdige Bischof Erich und der jetzige Fürst von Münster, andere Fürsten, Herren, Edelleute, das Kapitel, die Ritterschaft, Landschaft, die Stadt und die Städte des Stifts Münster und des Landes von der Mark mich zu meinem Recht kommen lassen sollten.
Mehr noch: Bernds von Oer Angebote werden nun angenommen, und meine überaus bereitwilligen Angebote werden verschmäht! Nun könnt ihr, eure Exzellenzen, wohl erkennen, dass mich armen Gesellen die offenkundige äußerste Not drängt. Die kurfürstlichen Räte haben meinen Freunden zur Antwort gegeben, Seine Fürstliche Gnade (von Münster) habe viel Mühe, Fleiß und Arbeit darin aufgewandt, und Seine Fürstliche Gnade wolle für dieses Mal nicht mehr von der Sache hören.
Ich kann aber aus dieser Antwort nichts anderes entnehmen, als dass meine Gegenpartei in ihrem ungöttlichen, ungegründeten, unbilligen Gebrauch und Besitz der strittigen Güter geschützt und gegen Ehre und Recht darin behalten wird. Meines Erachtens aus keinem anderen Grund, als dass in dieser verfolgten Sache noch nicht Schadens genug geschehen ist. Daher werde ich fortan durch die drängende Not dazu gezwungen und will Leib oder Leben zur Förderung meiner rechtfertigen Sache nicht sparen. Und falls hinfort noch mehr Totschlag, Mordbrand oder sonstiges, wie es die Kriegshandlung erfordert, geschieht, und die Unschuldigen schwerer bedrängt werden, als es ohnehin schon lange geschehen ist – was ich lieber unterlassen hätte –, dafür will ich vor den Gerichten niemandem zu antworten verpflichtet sein.
Ich will mich und meine Unterstützer und Helfershelfer hiermit im Überfluss und zur Wahrung der Ehre hinreichend – wie es auch zuvor geschehen ist – als im Recht befindlich, gewarnt und die Sache verfolgend erklärt haben. Und ich will all diese vorgenannten Punkte hinreichend beweisen. Ich habe den Herren vom Kapitel (da sie zum Teil in der Sache ganz parteiisch sind) nicht schreiben wollen. Wenn eure Ehrbarkeiten und Ersamkeiten diesen dieses Schreiben zur Kenntnis bringen wollen, stelle ich das in euer Wohlgefallen. Ich habe mich vor euch, Euren Ehrbarkeiten und Ersamkeiten insgesamt und im Besonderen, da mich die äußerste Not hierzu treibt, in Betrachtung der Gerechtigkeit nicht zurückhalten wollen und begehre, dass dieses Schreiben der gesamten Allgemeinheit nicht vorenthalten werde, damit ein jeder bemerken möge, welche Ursache mich zu weiteren Schritten gedrängt hat. Hiermit Gott befohlen. Gegeben am Donnerstag nach St. Lucia im Jahre 1523. Goddert Harmen.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193