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Urkunde 1521 Februar 2

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Das eiserne Halsband des Lambert von Oer

Berndt von Oer, Sohn des Lambert von Oer, beklagt am 2. Februar 1521 gegenüber den Landständen im Bistum Münster die Mißhandlung seines Vaters durch Goddert von Harmen, inbesondere seine in jüngster Zeit gemachten Fehdeankündigungen.

Wortlaut

Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 175) zitiert: [1]

Demna nochtant heft de g. H. van Gulich dorch ansoekent Goddert Harmens siner Supplikation j. w. und e. I. der errunge einen gutliken dach ernennet und angestalt up saterdach nest Assumptionis Mariae left vergangen, welken dach min vader allent na lude der schrift angenommen und togeschreven hevet. Na begerten und eischunge des forsten und juwer toschriften, des dan Goddert Harmen in sines landtfursten angestalten dagen sins ansekens und begerens minen vader up vrier strate tuschen siner kerspels kercken und huse vorgeholden unentfachter vorfolgeder vehede unferwaret siner eren binnen sodannen furstligen fruntligen dagen an em gefallen, jemmerlick gewundet, averweldiget, sins perdes berouvet, dar en boven mit einen uncristlicken halsbande beslotten der meinunge, em in sodaner behachtinge umme sin liff und levent to brengen, der boescheidt in dussen stande nicht gehordt, solcke snode ungeloflike mishandlunge de upgemelte Goddert an minen leven vader begangen, so he dar inne benachtet, hedde he den morgen nicht afleven mogen, welkes vorhandels to der tidt min leve vader sick jemmerlick beclaget an juwe werden, edelen, gestrengen frund festen, ersamen, vorsichtigen, guden frunde binnen Munster tom landtdage vorvermelten rades gebeden, dar up erkandt, welcken min vader gehorsam erschenen und genoch gedaen mit furstligen schriften to bewisen, vort ock to den tiden vor geredt angesein sodane ungutlike, unerlike mishandelunge Goddert an minen leven vader begangen …

ock vorgemelte Goddert in mennichfeldigen sinen schriften angetogen, minen vader, sine guder, kinder geistlick wertlick sampt alle der genen emme in dusser saken behulpe und bistandt gedaen und noch doende, vordann to vorfolgen mit fuer und brande und rove.

Übersetzung

Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:

Demnach hat dennoch der gnädige Herr von Jülich (van Gulich) durch das Ansuchen Goddert Harmens [und] dessen Bittschrift Euren Würden und ehrbaren Lieben zur Schlichtung der Streitigkeiten einen gütlichen Rechtstag ernannt und angesetzt, und zwar auf den Samstag nächsten nach Maria Himmelfahrt, der jüngst vergangen ist. Diesen Tag hat mein Vater ganz nach dem Laut der Schrift angenommen und dem zugestimmt – entsprechend dem Begehren und der Aufforderung des Fürsten und Eurer Zuschriften.

Daraufhin hat Goddert Harmen – während dieser von seinem eigenen Landesfürsten angesetzten Tage, die auf sein eigenes Ansuchen und Begehren hin stattfanden – meinen Vater auf freier Straße zwischen seiner Kirchspielskirche und seinem Haus abgefangen. Ohne eine Fehde anzusagen oder zu erklären, und unter Missachtung seiner eigenen Ehre, ist er während solcher fürstlichen, friedlichen Tage über ihn hergefallen, hat ihn jämmerlich verwundet, überwältigt und seines Pferdes beraubt. Darüber hinaus hat er ihn mit einem unchristlichen Halsband gefesselt in der Absicht, ihn in einer solchen Gefangenschaft um sein Leib und Leben zu bringen – eine Bosheit, von der man in dieser Form noch nie gehört hat!

Hätte mein lieber Vater in dieser schmählichen, unglaublichen Misshandlung, die der obengenannte Goddert an ihm begangen hat, die Nacht über gefesselt verbleiben müssen, so hätte er den nächsten Morgen nicht überlebt. Wegen dieses Vorfalls hat sich mein lieber Vater damals jämmerlich bei Euch – würdigen, edlen, gestrengen, festen, ehrsamen, vorsichtigen, guten Freunden binnen Münster beim Landtag – beklagt und um den vorgenannten Rat gebeten, woraufhin [auch] geurteilt wurde. Dem ist mein Vater gehorsam nachgekommen und hat Genüge getan, um dies mit fürstlichen Schriften zu beweisen, da man auch zu jener Zeit die ungebührliche, ehrlose Misshandlung, die Goddert an meinem lieben Vater begangen hat, bereits für erwiesen ansah …

… auch hat der vorgemerkte Goddert in seinen vielfältigen Schriften angekündigt, meinen Vater, seine Güter, seine Kinder – geistlich und weltlich – samt all jenen, die ihm in dieser Sache Hilfe und Beistand geleistet haben und noch leisten, fortan mit Feuer, Brand und Raub zu verfolgen.

Literatur

  • Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
  • Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142

Anmerkungen

  1. Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
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