Urkunde 1520 September 9

Am 9. September 1520 schreibt Lambert von Oer an Bischof Erich von Osnabrück und Paderborn in seiner Auseinandersetzung mit Goddert von Harmen. Er erhebt den Vorwurf des schweren Rechtsbruchs durch Goddert von Harmen, erinnert an den Spruch der Landstände im Bistum Münster, sich zwei fürstlichen Schiedsherrn hinsichtlich der Rechtsfindung zu unterwerfen, fordert aber, dass Goddert von Harmen sich weiterer öffentlicher Klagen bis zur Klärung zu enthalten habe.
Wortlaut
Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 170-172) zitiert: [1]
Gnedige furst und herr. so nu Goddert Harmen schriftlige clagende an i. f. G. aver mi verfolgt, dat ick em lifligen ton hilligen gestavedes eides swerend eine gefencknisse gelovet solle hebben, vort hues to Patberge in to holden, aldar dan furder bescheidz to gewarden, in sinen schriften heb laten eischen, des ich vergeltlich gewest, he sich so nicht to mi versehen had na miner gestalt, J. f. G. darumb anropende, mi to undermisen, dat ick em noch holden solde und nicht nodich, wider aver mi to schriven und to clagen, und J. f. G. sine mannichsoldige erbeidinge ansehen, darumb disses handels em ein gnedich und gunstich forste to sin, so he mi nicht mins lifs und gudz halven dan, dat ich sins und siner huisfrouw gudz mi ungeborlichen kegen recht understanden, gefencklich gemacht heb, verners inholts, heb ich mit j. f. G. bischriften empfangen und Goddert meinonge verstanden. Bidde j. f. G. dar up to wetten, dat ich mi vertroiste, j. f. G. ane twivel wall erinnert, wat mate gedachte Goddert an mi unentsachter vehede und unverwaret siner ere binnen gutligen dagen, upneminge sin landtfurste, de durchlochtige hertoch to Gulich ut Harmens begerte angesat und van j. f. G. verwilligt und ick mir ock ergeven, mi up j. f. G. vrier strate geslagen, gewundet, beroifft, gefangen und nicht als einen olden rittermetigen geborde, dan mit unmanierliken, isernen halsbande behachtet, also ich umme min lif und levendt gekommen solde sin, so mi dorch Godz Almechtigen schickunge und verhencknisse dar nicht af und ut geholpen wer geworden, dan dat ich lifliken ton hilligen Goderde gesworen und mi siner huisfrouwen guidz kegen recht understanden solde hebben, schrift Goddert, want mi sodanich eidt van em nicht angelacht, dewile ich dan also mit dem halsbande beswerdt sin to Munster in ellendiger gestalt gekomen und dar des bandes buten Harmens und der sinen hulpe entleddiget geworden, heb ik verlop und gestalt des unerliken handels j. f. G. landtschap binnen Munster doe versammelt, vorge- stalt und raides geplogen, wo ich mi dusser gefencknisse halven holden solde, up dat ich miner eren genoich doen moge, mede angesehen, dat ich der gebrecke Harmen to mi vormeinst to hebben, vor zodaniger gefencknisse mi altidt in ere und recht up j. f. G. und stenden des Landes, ock up Harmens lantfursten erboden heb, heft mi j. f. G. Landtschaft togelowet, dat ich gestalt und verloep dusser sake und handels twen unparthielicken fursten, dar Harmen und ich nicht under besetten, salle to kennen geven und mi up deselven erbeden dusser gefencknisse halven, wes de fursten dan erkennen, ich mi darnach heb to richten, und dar mede den genoich gedaen, ock gedachten Harmen nicht er sy schuldich, to holden, sulx hebben, g. F. u. H., de werdigen heren domdecken und capittel der kercken und burgermester und raidt der stadt Munster na der landtschap in kentnis sodanigen handels den hoichwerdigen hern Erich, bischop to Ossenbrugge und Paderborn und den hoichwerdigen fursten Philips, izgemelten hern van Ossenbrugge und Paderborn broder, beide hertogen van Brunswick und Lunenborch, minen g. H., dorch ere schrivent und sende boden laten andragen und to erer beider f. G. claringe und erkentnisse sulx gestalt, der maten, wes upgemelten fursten erkennen, ich des handels to holden und to doen plichtich, will ich aen indracht uprichtigen holden, der vertroistinge, er genannter Harmen dan und bis jodaniger claringe er mit reden sich aver mi nicht to beclagen heb, so ich sint zodaniger gewalt, wo vorg. an mi gekart, nicht to minen huse to Kakesbecke gewest, noch vor der claringe ock nicht kommen werde, dan so fro ich riden kan, will ich mi foigen und entholden up eine stede, wo mi ock disser lantschaf doende to erkant und geraden heft, bis sodanige, der fursten erkentnisse geschein sin. -- Under minen segel geschreven am sonnendach na unser L. frouwen Nativitat. dage anno XX. Lambert von Oer.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Gnädiger Fürst und Herr! Goddert [Harmen] hat nun eine schriftliche Klage bei Eurer Fürstlichen Gnade (E. f. G.) gegen mich eingereicht und mich verfolgt. Er behauptet in seinen Schriften, ich hätte ihm bei einem leiblichen Stabeid auf die Heiligen versprochen, mich vor dem Haus zu Padberg in Gefangenschaft zu halten, um dort weiteren Bescheid abzuwarten. Er lässt fordern, ich solle dies einhalten, und behauptet, er habe so ein Verhalten angesichts meines Standes nicht von mir erwartet. Er ruft E. f. G. an, mich anzuweisen, das Versprechen zu erfüllen, damit er nicht weiter gegen mich schreiben und klagen müsse. Zudem bittet er E. f. G., seine vielfältigen Angebote zu berücksichtigen und ihm in diesem Handel ein gnädiger und günstiger Fürst zu sein. Er behauptet, er habe mich nicht an Leib und Gut schädigen wollen, sondern mich nur deshalb gefangen genommen, weil ich mich ungebührlich und gegen das Recht an seinem und seiner Ehefrau Gut vergangen hätte.
Dieses und den weiteren Inhalt habe ich durch E. f. G. Begleitschreiben erhalten und Godderts Absicht verstanden.
Ich bitte E. f. G. daraufhin zu wissen, dass ich darauf vertraue, dass E. f. G. sich ohne Zweifel gut daran erinnert, in welcher Weise der besagte Goddert mich überfallen hat: ohne Fehdeansage, unter Missachtung seiner eigenen Ehre und mitten während gütlicher Verhandlungstage, die sein eigener Landesfürst (der durchlauchte Herzog von Jülich) auf Harmans Wunsch hin angesetzt und die E. f. G. bewilligt hatte – und denen ich mich ebenfalls gefügt hatte.
Er hat mich auf E. f. G. freier Straße niedergeschlagen, verwundet, beraubt und gefangen genommen. Er hat sich mir gegenüber nicht verhalten, wie es sich für einen alten, rittermäßigen Mann gebührt, sondern mich mit einem ungebührlichen, eisernen Halsband versehen. Durch dieses wäre ich um mein Leib und Leben gekommen, wenn mir nicht durch Gottes des Allmächtigen Fügung und Zulassung davon und daraus geholfen worden wäre.
Was Goddert nun schreibt – dass ich leiblich auf die Heiligen geschworen und mich gegen das Recht an dem Gut seiner Ehefrau vergangen hätte –, so wurde mir ein solcher Eid von ihm gar nicht auferlegt.
Weil ich nun so schwer mit dem Halsband beladen in kläglicher Gestalt nach Münster gekommen bin und dort von dem Band ohne die Hilfe Harmans oder der Seinen befreit wurde, habe ich den Verlauf und die Umstände dieses unehrenhaften Handels E. f. G. Landschaft [den Landständen], die gerade in Münster versammelt war, vorgetragen und mit ihnen Rat gehalten, wie ich mich bezüglich dieser Gefangenschaft verhalten soll, damit ich meiner Ehre Genüge tun kann. Dies auch angesichts der Tatsache, dass ich mich wegen der Streitigkeiten, die Harman mir vorwirft, vor dieser Gefangenschaft jederzeit in Ehren und Recht vor E. f. G., den Ständen des Landes und auch vor Harmans Landesfürsten rechtfertigen wollte.
Die Landschaft hat mir zugesagt [und beschlossen], dass ich den Zustand und Verlauf dieser Sache und des Handels zwei unparteiischen Fürsten zur Kenntnis geben soll, deren Untertanen weder Harman noch ich sind. Ich soll mich diesen bezüglich der Gefangenschaft anvertrauen. Was diese Fürsten dann entscheiden, danach habe ich mich zu richten, und damit ist der Ehre Genüge getan; dem besagten Harman bin ich vorher nichts zu halten schuldig.
Dies haben, gnädiger Fürst und Herr, die würdigen Herren Domdekan und Kapitel der Kirche sowie Bürgermeister und Rat der Stadt Münster nach dem Beschluss der Landschaft den hochwürdigen Herren Erich, Bischof zu Osnabrück und Paderborn, und dem hochwürdigen Fürsten Philipp (dem Bruder des eben genannten Herrn von Osnabrück und Paderborn) – beide Herzöge von Braunschweig und Lüneburg, meinen gnädigen Herren – durch ihr Schreiben und durch Gesandte vortragen lassen. Es wurde der Klärung und dem Urteil der beiden Fürstlichen Gnaden in der Weise übergeben, dass ich das, was die obengenannten Fürsten in diesem Handel für Recht erkennen, ohne Einspruch aufrichtig einhalten und tun will.
Ich vertraue darauf, dass der genannte Harman dann und bis zu dieser Klärung kein Recht hat, sich über mich zu beklagen. Seit diese Gewalt, wie vorgenannt, gegen mich verübt wurde, war ich nicht mehr in meinem Haus zu Kakesbeck, und ich werde vor der Klärung auch nicht dorthin kommen. Sondern sobald ich reiten kann, will ich mich an einen Ort begeben und dort aufhalten, den mir diese Landschaft dafür zugewiesen und angeraten hat, bis die Entscheidung der Fürsten ergangen ist.
Unter meinem Siegel geschrieben am Sonntag nach dem Tag der Geburt unserer lieben Frau [Mariä Geburt] im Jahre [15]20. Lambert von Oer.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193