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Gut Neuenhaus

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Das Gut Neuenhaus war ein freier Adelssitz an der Ahse in Westtünnen. Ende des 19.Jahrhunderts verschwand das Herrenhaus, übrig blieben die Wirtschaftsgebäude, aus denen der Biolandhof Damberg hervorging.

Geschichte

Der Hof Neuenhaus taucht erstmals in einer Urkunde von 1426 auf [1]. Gerhard von Kleve und von der Mark (Bruder des Grafen Adolf von Kleve und von der Mark) tauscht mit Herman von Neheim den Hof Nienhaus mit einem Hof zu Norddinker und dem Hövelinghaus. Aus der Urkunde geht hervor, dass der Hof Nienhaus seit alters her ein Hofgut des (Schulten)Hofes Rhynern war und diesem mit Renten, Zinsen, Abgaben und Pachten und den üblichen Hand- und Spanndiensten verpflichtet war.

Im Zuge des Tausches erfährt der Hof Nienhaus jedoch eine Aufwertung, er wird allodifiziert, d.h. von allen Pflichten der Hofgemeinschaft in Rhynern freigestellt. Während die ehemaligen Abgabenpflichten mit dem Tausch an den Hof zu Norddinker übergehen, gilt der Hof Nienhaus nun als freies Gut, ist also frei von jeglichen Abgaben (ausgenommen dem Kirchenzehnten) und besitzt Rechte an Holz, Wald, Torf und Zweigen, Wasser und Weide.

Die frühesten Besitzer sind nicht bekannt. Erst 1642 [2] und 1647 [3] taucht ein Name auf: Philipp Buttel zum Nyenhaus. Die Familie (von) Buttel gehörte zu Hamms Oberschicht, aus ihr stammen die Bürgermeister Werner Buttel und Herman Buttel, sowie Unnas Bürgermeister Evert Buttel. Sie besitzen mehrere Güter, u.a. das Haus Niederhaus in Wiescherhöfen [4].

1648 lässt Philipp Buttel die Tauschurkunde, die die Abgabenfreiheit des Gutes bescheinigt, vom Grafen von Kleve/Mark, bzw Fürst von Brandenburg/Preußen bestätigen.

Im Jahre 1700 heiratet Clara Anna Buttel zum Niederhaus (Wiescherhöfen) den Johann Rüdiger Hammerschmidt. Vermutlich sind sie es, spätestens ihre Kinder, die das Gut Neuenhaus übernehmen, denn schon 1721 nennt sich der Advokat Dr. Hammerschmidt zu Neuenhaus[5]. Weitere hundert Jahre bleibt das Gut in Familienbesitz, bis 1833 die Erben des Friedrich Hammerschmidts das Gut Neuenhaus versteigern [6]. Neuer und kurzer Besitzer wird Elias Ludwig Beyer, Ende des 19.Jahrhunderts geht das Gut in Besitz der Familie Loeb-Caldenhof über, die es Mitte des 20.Jahrhunderts an Familie Damberg verkaufen.

Auf der Special Charte von Hamm aus dem Jahre 1799 ist der Hof als adeliges Gut Budlen Platz eingetragen. Um 1826 tauchen dann die ersten preußischen Kataster- und Landkarten auf. Dort heißt die Hofstelle, die an beiden Seiten der Ahse liegt, Neuenhausen und Hammerschmidts Platz. Auf einer topographischen Karte von 1897 sind die Gebäude auf der rechten Ahseseite verschwunden. Nur noch die Wirtschaftsgebäude auf der linken Seite stehen noch. Auf dem Meßtischblatt von 1927 wird der Hof nicht mehr namentlich erwähnt. Er ist zu einem gewöhnlichen Bauernhof ohne besondere Stellung „herabgesunken“.

Was seltsam erscheint: Trotz der verbrieften Abgabenfreiheit taucht der Hof 1486 im Schatzbuch der Grafschaft Mark auf und muss mit 6 Gulden den Steuerhöchstsatz zahlen. Auch 1705 taucht der Hof trotz Bestätigung der Abgabenfreiheit im Güterverzeichnis der Grafschaft Mark auf, und wird mit 136 Reichstalern sehr hoch bewertet. Der Wert ist der höchste in Westtünnen, was zeigt, dass es der größte Hof zu jener Zeit war. Dieser vermeintliche Widerspruch Abgabenfreiheit – Steuerlast lässt sich damit erklären, dass der Hof zwar freier Besitz und damit frei von Abgaben in Form von Diensten und Ertragsabgaben war, jedoch die üblichen Steuern an den Landesherren zahlen musste.

Der Name Neuenhaus weist darauf hin, dass es einen älteren Hof an jener Stelle an der Ahse gab, da Höfe in der Regel nach Landschaftsmerkmalen oder besonderen Umständen benannt wurden.

Die Mühle

Südlich des heutigen Biolandhofs Damberg befinden sich die Flurstücke Mühlenmersch (rechte Uferseite) und Mühlenbreite (linke Uferseite). Zudem ist in der Umlegungskarte von 1924 ein Mühlenweg eingezeichnet, der vom Dorf Westtünnen hinunter zur Ahse führt, direkt zum Flurstück Mühlenbreite. Obwohl in keiner Karte eingetragen, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass dort einmal eine Mühle gestanden hat. In einer öffentlichen Anzeige vom 15.4.1840 heißt es auch, dass Herr Beyer beabsichtige, eine Kornmühle unweit des Gutes Neuenhausen zu bauen. Wann sie tatsächlich gebaut wurde, ist bisher nicht bekannt.

Literatur & Quellen

  • Willy Timm (Herausg.): Kataster der kontribuablen Güter in der Grafschaft Mark, 1705. Münster 1980
  • Willy Timm (Bearb.): Schatzbuch der Grafschaft Mark, 1486. Unna 1986.
  • Katasteramt Hamm: diverse Karten von Westtünnen aus unterschiedlichen Jahren
  • Landesarchiv NRW: diverse Karten von Westtünnen aus unterschiedlichen Jahren
  • Landesarchiv NRW: diverse Urkunden aus verschiedenen Jahrhunderten, vgl. Verweise

Verweise

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