Urkunde 1518 September 20

Hermann von Ascheberg schreibt am 20. September 1518 an den münsteraner Bischof Erich. ER schildert, wie Gysele von Gimbte von Lambert von Oer und Gerd von Beverförde um ihre Güter betrogen wurde, und dass nunmehr Goddert von Harmen und Evert von der Recke als seine Schwiegersöhne die Ansprüche an diese Güter als Brautschatz erhalten haben.
Wortlaut
Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 164-165) zitiert: [1]
Is verleden tiden Gysele van Gymmete an Corde van Mechelen mit einen brutschatte bestadet und dorch versterf dat guet an se gebleven, heben sick dan Lambert van Oer und Gert van Beverforde bi genannter Gyselen genoeget und mit er gehandelt und dorch behardicheit und große geloeften einen vermessen koep des gudz weder alle billicheit, recht, olde gewonheit, gebruech und landtrecht des lants und u. f. G. forstendom des stichts van Munster mit er gemaket und dar van vorsegelunge gegeven, doch nicht woll geholden. Wente als Lambert de gemelte Gyselen to sich krech, so hat er se to Kakesbecke in sin hues gefoert; er sachte, he wolte se laten brengen to Munster und so der lofte und versegelonge van em geschein dar versorgen und vermoegen. Des over angesein, hevet er se darna, als se blint was und nicht erkennen fonde, war men se henne forde, laten brengen to Gerde van Beverforde to Weryghes, daer se ein titlanck mit groten karmen und schryen was und sick altit beclagede, woe se jemerliken dorch gude geloewe und groiß bedroch umme er guet gebracht were und vermerkede nicht anders, dan se vortan umme er leven to brengen und alsdan alsulche clage und jammer upgedachte Gerdt van Beverforde und fine huisfrouwe nicht langeren haen mogen dulden, so hebben se dat guet Lamberte alleene togestadet, doch ein erve emme van zeligen Lodewege van der Sunger versaet beholden. Nach dem haet Lambert Gyselen weder an sick genommen to Kakesbecke und aldar int negente jaer up einen berchforde enthalden und oer kost gegeven nae sinen gutduncken und oer der segele und breve, de dar van emme gegeven waren, afhendich gemaket und also dat guet betalet. Ende wy wir twen unser dochteren haen moeßen bestaden, so hat min hußfrouw de noit dar to gedrungen, dat se all oer recht und ansprake, welche se an den genannten guderen in der warheit haet, in hillicks forwerde to einer bruytlichen medegave, als sie dat mit rechte haet mogen doen, Evert van der Recke und Godert Harmen hat moeßen mede geven.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
In vergangenen Zeiten wurde Gysele van Gymmete an Cord van Mechelen mit einer Mitgift (Brautschatz) verheiratet, und durch Erbfall blieb das Gut bei ihr. Danach haben sich Lambert van Oer und Gert van Beverforde bei der genannten Gysele eingeschmeichelt und mit ihr verhandelt. Durch Beharrlichkeit und große Versprechungen haben sie mit ihr einen vermessenen Kauf des Gutes abgeschlossen, der gegen alle Billigkeit, gegen das Recht, die alten Gewohnheiten, den Gebrauch und das Landrecht des Landes und des Fürstentums des Stifts Münster verstieß. Sie haben darüber zwar Siegelbriefe ausgestellt, diese jedoch nicht eingehalten. Denn als Lambert die besagte Gysele in seine Gewalt bekam, führte er sie nach Kakesbeck in sein Haus. Er sagte, er wolle sie nach Münster bringen lassen und sie dort gemäß der Versprechungen und Versiegelungen, die von ihm erfolgt waren, versorgen und unterhalten. Ungeachtet dessen hat er sie danach – da sie blind war und nicht erkennen konnte, wohin man sie führte – zu Gerdt von Beverforde nach Weryghes (Werries) bringen lassen. Dort verblieb sie eine Zeit lang unter großem Klagen und Schreien und beklagte sich unablässig, wie jämmerlich sie durch guten Glauben und großen Betrug um ihr Gut gebracht worden sei; sie vermutete nichts anderes, als dass man sie fortan um ihr Leben bringen wolle.
Da der besagte Gerdt von Beverforde und seine Hausfrau solches Klagen und Jammern nicht länger ertragen mochten, haben sie das Gut Lambert alleine überlassen, jedoch ein Erbe für sich behalten, das ihm vom seligen Lodeweg van der Sunger verpfändet (versetzt) worden war. Danach hat Lambert Gysele wieder zu sich nach Kakesbeck genommen und sie dort fast neun Jahre lang auf einer Berghalde (Berchforde) festgehalten. Er gab ihr Kost nach seinem Gutdünken und hat ihr die Siegel und Briefe, die von ihm ausgestellt worden waren, entwendet – und so das Gut „bezahlt“.
Da wir unsere zwei Töchter verheiraten mussten, hat die Not meine Hausfrau dazu gedrängt, dass sie all ihr Recht und ihren Anspruch, den sie an den genannten Gütern in Wahrheit hat, in den Ehevertrag als brautliche Mitgift eingebracht hat (wie sie es mit Recht tun durfte) und diese Ansprüche Evert van der Recke und Godert Harmen mitgeben musste.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193