Urkunde 1335 März 26
Am 26. März 1335 legen Graf Adolf von der Mark, Bürgermeister Hermann Rode und der Rat der Stadt Hamm Statuten wegen der Einrichtung des Gottesdienstes in dem neugestifteten Hospitals beim Westentor zu Hamm fest.


Urkundentext
Die Urkunde ist in lateinischer Sprache verfasst und wird nach der unten genannten Quelle zitiert:
In nomine sanctae et individue Trinitatis. Amen. Nos Adolphus Comes in Marka, Hermannus dictus Rode proconsul et omnes consules opiddi Hammone, notum facimus universus praesentia visuris et audituris publice protestantes, quod praehabitis natura delibiracionis et conisilio peritorum, in fundatione novi hospitalis infra muros oppidi nostri praedicit apud portam occidentalem siti, facta est ordinatio talis ut sequitur, cum articulis infrascriptis. Primo, quod in dicto hospitali, ut ibidem divini cultus habeatur augmentum, dotatum est altare cum reditibus quinque marcarum prio presbytero ibi celebrante. Wilhelmus igitur rector ecclesiae Hammonensis, intuito retributionis aeternae, et ob reverentiam nostri videlicet Comitis antedicti, et ad petitiones nostras videlicet Consulum predictorum suorum, suum in his consensum adhibuit et expressit, consesum quoque quantum in es fuit, quod nos Comes et heredes nostri habeamus dus pratronatur altaris praedicti, et quod ad hoc praesentetur aliquis actur presbyter, vel qui fieri posset et fiat presbyter infra annum post praesentationem factam proxime subsequnetem. Item quod presbyter illius hospitalis praesentetur rectori matricis Ecclesiae per ipsum instituendus quod ille presbyter seu praesentatus jurabit rectori matricis Ecclesiae, quod in dicto hospitali personaliter deferviat, et quod fit fidelis matrici Ecclesiae et ejus rectori, nec quod procuret aut faciat aliquid per se vel per alium seu alios publice vel occulte, quod possit esse in praejudicium matricis Ecclesiae, vel detrimentum recotris ejusdem. Item quod oblationes, quae offeruntur hospitali, et omnes votivas, quas recipit presbyter hospitalis, pro medietati rectori matricis Ecclesiae vel ejus vices gerenti fideliter reportabit. Item quod in dicts hospitalis tantummodo una in die missa dicatur, et quod illa dicatur in hyeme ante ortum solis vel circiter, et in aestate post ortum solis immediate vel circiter, nisi in festis sollempnibus et in festis beatae virginis, apostolorum, et in alii festis, in quibus oblationes provenire consuetum est, et in diebus, quibus funera notabilia et reputanda habentur, sicut sunt homines bonae nationis, et homines utriusque sexus dicti hussittende lude, in quibus festis et diebus non nisi ossertoris ultimo in dicta matrice Ecclesiae presbyter illius hospitalis celebravit, nisi aliud de licentia et consensie rectoris Ecclesiae matricis procedat. Item quod in dicto hospitali non fiat praedicatio vel statio, nisi rector matricis Ecclesiae hoc concedat. Item quod presbyter hospitalis in festivitatibus teneatur interesse, vesperis, matutinis et summae missae, in Ecclesia matrice predicta, nisi illa horam missam suam dicere teneatur. Item quod omnes in hospitali praedicto degentes tam sani quam infirmi recipiant Ecclesiastica sacramenta ex ipsa matrice Ecclesia, a rectore ipsius vel capellanis suis, aut per presbyterum hospitalis, si hoc sibi commitatur. Et quod morientes in dicto hospitali semper in Cymiterio matricis Ecclesiae tumulentur. Item quod in recompensiam oblationum et aliorum solvatur annuatim recotri matricis Ecclesiae una marca denariorum Hammonensium legalium, medietas in festum Pasche, et alia mediatas in fest beati Martini. In horum omnium Testimonium Nos Comes et Consules antedicti sigilla nostra duximus praesentibus apponenda, rogantes discretum virum dominum Wilhelmum Rectorem matricis Ecclesiae praedictae, sigillum suum praesentibus applicare. Et ego Wilhelmus antedictus praemissa consertiens sigullum meum his literis apposui in evidens testimonium praemissorum. Datum anno domini Millesimo CCC XXX quinto. Dominica qua cantatur Laetare Jerusalem.
Übersetzung
Ins Deutsche übersetzt lautet der Urkundentext wie folgt:
Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Amen.
Wir, Adolf, Graf von der Mark, Hermann, genannt Rode, Bürgermeister, und alle Ratsherren der Stadt Hamm, tun allen, die dieses Schreiben sehen und hören, kund, indem wir öffentlich bezeugen:
Nach reiflicher Überlegung und nach dem Rat von Sachkundigen ist bei der Gründung des neuen Hospitals innerhalb der Mauern unserer Stadt, gelegen beim Westtor, folgende Ordnung getroffen worden, zusammen mit den unten stehenden Artikeln:
Zuerst wurde, damit der Gottesdienst in diesem Hospital zunehmen möge, ein Altar mit einer Rente von fünf Mark für den dort zelebrierenden Priester ausgestattet. Wilhelm, der Rektor (Pfarrer) der Hauptkirche von Hamm, hat im Hinblick auf die ewige Vergeltung und aus Ehrerbietung uns, dem vorgenannten Grafen, sowie auf Bitten von uns, den vorgenannten Ratsherren, seine Zustimmung hierzu erteilt und ausgesprochen.
Er stimmte auch zu, soweit es in seiner Macht stand, dass wir, der Graf und unsere Erben, das Patronatsrecht für den vorgenannten Altar haben. Und dass hierzu ein Priester präsentiert werden soll, der bereits ordiniert ist oder der innerhalb eines Jahres nach der erfolgten Präsentation zum Priester geweiht werden kann und wird.
Ferner soll der Priester dieses Hospitals dem Rektor der Mutterkirche präsentiert und von ihm eingesetzt werden. Dieser Priester oder Präsentierte wird dem Rektor der Mutterkirche schwören, dass er persönlich in dem besagten Hospital dient, dass er treu gegenüber der Mutterkirche und deren Rektor ist und dass er weder durch sich selbst noch durch andere, weder öffentlich noch heimlich, etwas veranlasst oder tut, das zum Nachteil oder Schaden der Mutterkirche oder deren Rektor gereichen könnte.
Ferner soll der Priester des Hospitals die Opfergaben, die dem Hospital dargebracht werden, und alle Votivgaben, die er empfängt, zur Hälfte dem Rektor der Mutterkirche oder seinem Stellvertreter treu übergeben.
Ferner soll in dem besagten Hospital nur eine Messe pro Tag gelesen werden. Diese soll im Winter vor Sonnenaufgang oder um diese Zeit und im Sommer unmittelbar nach Sonnenaufgang oder um diese Zeit gelesen werden. Ausgenommen sind feierliche Feste, Feste der seligen Jungfrau, der Apostel und andere Feste, an denen üblicherweise Opfergaben dargebracht werden, sowie an Tagen, an denen ansehnliche und beachtenswerte Begräbnisse stattfinden, wie etwa bei Personen aus gutem Geschlecht und bei Leuten beiderlei Geschlechts, die "Hussittende Lude" (sesshafte Bürger) genannt werden. An diesen Festen und Tagen darf der Priester des Hospitals nur zuletzt zelebrieren, d. h. nach der Opfermesse in der besagten Mutterkirche, es sei denn, es geschieht etwas anderes mit Erlaubnis und Zustimmung des Rektors der Mutterkirche.
Ferner soll in dem besagten Hospital keine Predigt oder Prozession stattfinden, es sei denn, der Rektor der Mutterkirche gestattet dies.
Ferner ist der Priester des Hospitals an Festtagen verpflichtet, am Vesper, der Matutin und der feierlichen Messe in der vorgenannten Mutterkirche teilzunehmen, es sei denn, er muss zu dieser Stunde seine eigene Messe lesen.
Ferner sollen alle, die sich in dem vorgenannten Hospital aufhalten, sowohl Gesunde als auch Kranke, die kirchlichen Sakramente von der Mutterkirche empfangen, entweder vom Rektor selbst oder seinen Kaplänen, oder vom Priester des Hospitals, wenn ihm dies übertragen wird. Und die im besagten Hospital Sterbenden sollen stets auf dem Kirchhof der Mutterkirche beigesetzt werden.
Ferner soll als Ausgleich für die Opfergaben und anderes dem Rektor der Mutterkirche jährlich eine Mark in rechtmäßigem Hammer Geld gezahlt werden, zur Hälfte am Osterfest und zur anderen Hälfte am Fest des heiligen Martin (11. November).
Zum Zeugnis all dessen haben Wir, der vorgenannte Graf und die Ratsherren, unsere Siegel an dieses Schreiben anbringen lassen und den verständigen Herrn Wilhelm, den Rektor der vorgenannten Mutterkirche, gebeten, sein Siegel hier anzubringen.
Und ich, der vorgenannte Wilhelm, habe, diesen Punkten zustimmend, mein Siegel an diesen Brief gehängt, zum sichtbaren Zeugnis der vorgenannten Dinge.
Gegeben im Jahre des Herrn 1335, am Sonntag, an dem man „Laetare Jerusalem“ (4. Fastensonntag) singt.
Quelle
Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, Nichtstaatliches Schriftgut, Archivalische Sammlungen, Manuskripte, MSC VI (Neue Archivalische Sammlung), A 10 Bd. VI, Abschriften von Urkunden aus der Grafschaft Mark und der Reichsstadt Dortmund, Bd. 3
Bemerkungen
Die Urkunde ist u.a. wegen der Erwähnung des Bürgermeisters Hermann Rode (Hermannus dictus Rode) von stadtgeschichtlicher Bedeutung.