Urkunde 1521 April 16

In einem Schreiben vom 16. April 1521 wendet sich Lambert von Oer in seinem Streit mit Goddert von Harmen erneut an den Bischof Erich von Münster.
Wortlaut
Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 177) zitiert: [1]
Heft sick Godert laten lusten, in sollicher furstlicher vertröstunge und angesatten gutlichen dage, mi up minen kerckwege vorgeholden und mi mit sinen hulpern geslagen, gewund und mi eine gevencknisse angedrungen, der solve gevenkenisse gedachter Godert mi up minen gelove nicht gelovet, wo einen frommen rittermatigen Manne gebort, dan mi geachtet und geholden als einen gebuer oder mißdeder, mit einen uncristliken slotte und halsbande behachtigs beslotten, dar mi godt, de hilligen und frunde raidt utgeholpen hebben, dar ick swerlickes perickel und faer mines lives und levens inne gestaen hebbe. - So mi dar enboven Godert Harmen noch umb eine gefencknisse fordert to holden, vertruwe ick gans und fast, gine lude van eren und redden unpartielich mit billicheit erkennen eder willen na ergenckenisse der zaken ich derwegen gedachten Godert, na sinen vermette, eine gevencknisse to holden schuldich solde sin und ock sulx nicht in miner frunde rait, dan so mi de vorg. Godert tovoren ungeloflich na minen live und gude weder godt, ere und recht gestaen, dat ennen de allmechtige nicht heft willen gehengen; nu emme sulx entstanden, soll he villichten mit siner snoden, unrechtverdigen desperaten saken und valschen, logentaligen und muntkallingen mi gerne an min ere und glimp besmitten, des he, will godt, nu noch nummer macht sall hebben, mi to overbrengen.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
[Es] hat sich Godert herausgenommen, trotz einer solchen fürstlichen Zusage und eines angesetzten gütlichen (Verhandlungs-)Tages, mir auf meinem Kirchwege aufzulauern und mich mit seinen Helfern zu schlagen, zu verwunden und mich in eine Gefangenschaft zu zwingen. In ebendieser Gefangenschaft gedachte besagter Godert, mir mein Ehrenwort nicht zuzugestehen, wie es einem rechtschaffenen, rittermäßigen (adligen) Mann gebührt, sondern er hat mich geachtet und gehalten wie einen Bauern oder Missetäter. (Er hat mich) mit einem unchristlichen Schloss und Halsband tückisch eingeschlossen, woraus mir Gott, die Heiligen und der Freunde Rat herausgeholfen haben, (und) worin ich in schwerer Gefahr und Furcht um mein Leib und Leben gestanden habe. Wenn nun darüber hinaus Godert Harmen von mir noch fordert, mich weiterhin in Gefangenschaft zu begeben, so vertraue ich ganz und fest darauf, dass keine ehrenhaften und rechtschaffenen Leute unparteiisch und mit Billigkeit – oder nach Erkenntnis der Sachlage – befinden werden, dass ich dem genannten Godert wegen seiner Vermessenheit eine Gefangenschaft schuldig sein sollte. Und dies liegt auch nicht im Rat meiner Freunde. Denn so wie der vorgenannte Godert mir zuvor treulos nach meinem Leben und Gut wider Gott, Ehre und Recht getrachtet hat, so hat der Allmächtige ihm dies nicht gewähren wollen. Nun, da ihm dies misslungen ist, will er mich vielleicht mit seiner schnöden, ungerechtfertigten, verzweifelten Sache und seinen falschen, lügenhaften Reden und seinem Gerede gerne an meiner Ehre und meinem guten Ruf beschmutzen; wozu er, so Gott will, nun und nimmermehr die Macht haben soll, es gegen mich durchzusetzen.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193