Urkunde 1392 November 30
Graf Adolf von Kleve und von der Mark schließt am 20. November 1392 zusammen mit den märkischen Städten Hamm, Kamen, Unna und Iserlohn ein Bündnis mit der Stadt Dortmund, wofür Dortmund jährlich 150 rheinische Gulden an den Grafen zahlen muss.

Wortlaut
Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird hier nach Fahne (Band 2. S. 186-189) zitiert und um Einschübe aus der entsprechenden Urkunde vom 24. März 1391 ergänzt: [1]
Wy adolf greue tho cleue vnd to der marke doyn kundich allen luden, vnd betuget openbarliche in diesseni openen Breyue. dat wy vme gunst vnd vruntschap hebbet by Rade vnser Vrunde vnss verbunden vnd verbyndet tho der stat tho dem Rade vnd tho der gemeynen Borgeren tho Dorpmunde. (1.) dat wy ere vyend nynighe wys werden solen, und solen er lyff und ere ghud truweliken beschermen in unseme lande, de wile wy Engelbrecht greve vorg. levet, nae al unser maght, sunder arghelist, uythghenomen in diesem verbunde und vrunschopen van unser weghene dat Romesche ryke: also wert dat en Romesch keysere off en Romesch konine vyend worde der van Dorpmunde und mit sins selves live in Westfalen queme und unss dan hulpe thoy eschede op de stad van Dorpmunde, so moyghe wy em dan helpen oppe de stad van Dorpmunde, de wile hei in Westfalen were; und dar myde en sole wy thighen diese loffde und breyff nicht ghedan hebben, und wanner hei in Westfalen nicht enwere, so sal diese breyff in al siner maght bliven. 2) Vort wer yemant van unsen undersathen, de der van Dorpmunde vyend worde off de an de van Dorpmunde ghewalt kerde aene vede und van een nin recht nymen enwolde, queme dat dan tho veden thuschen den van Dorpmunde und den ghinen: wanner wy der van Dorpmunde mechtich weren tho rechte, dar op sole wy en truweliken helpen dar mit al unser maght op unse eyghene kost, win und vorluyss sunder arghelist binnen den nesten veirtheinnachten dar nae wanner de van Dorpmunde uns dat eschet byt alsolanghe dat en de ghewalt widerdan und gherichtet worde und recht van en nyme, id ensy mit willen der van Dorpmunde. Ok so ensole wy nogh unse undersathen der van Dorpmunde viende nicht husen nogh hoven mit unsem witene sunder arghelist; bethighen sei dar wene myde, de magh sine unschult dar vor doin; hedde dat ok wey ghedan, de sal en dar vor doin wes hei en mit rechte plichtich is. Hedde wy des nyne maght, worden de van Dorpmunde der vyende, dar sole wy en mit al unser maght op unse eghene kost, win und vorluyss truweliken ophelpen binnen den nesten veirthennachten dar nae, wan de van Dorpmunde unss dat eschet, byt alsolanghe dat dey den van Dorpmunde doin wes sei en mit rechte plichtich sint, as vorg. steit, (3.) Were ock sake dat ymand van vnsen vndersaten, dey in vnsen Landen wonachtich syn vyand worde der van dorpmunde, eff gewalt en sey kerde, ayne veyde, dey Er sloyte, gud eff er Erue vme behelpes willen ymande versath eff verkofft hedden, oppe dat sloyt, gud vnd Erue sole wy en helpen mit al vnser macht, op vns eghene kost, wyn vnd verlus sunder argelist, bynnen veyrteyndagen, wanner dey van dorpmunde vnss dat eysschet, it en were, dat dey man deme dat sloyt, guyd eder Erue gesat eff verkofft were, mit synen Eyde, sich aff nemen wolde bynnen den veyrteyndagen vorgt, dat dey sate, eder koep nicht ghescheyn en were vmme behelp des ghenes dey vyand were der van dorpmunde sunder argelyst. (4.) Vort vellet dat willich mensche in unsen landen off anders yemant hedde yenigherleye sake wider yenighen borghere van Dorpmunde, dey ensal nogh liff nogh ghud anderer borghere van Dorpmunde hinderen, bekummeren nogh besetten mit unsme gherichte, mer allene des menschen lyff und ghud dar de sake thighen gheit; und van deme sal de kleghere nymen en unverthoghet recht. (5.) Vort worde dar enboven yemant besat off bekummert in unsen landen de nyn sakewolde enwere: wanner unss de van Dorpmunde dat kundich doit, so sal de besettinghe eder kummer quyd sin sunder thogh binnen. den nesten veirthennachten dar nae sunder arghelist. (6.) Vort were yemant de sin selves gherichte hedde binnen unsen herschopen off landen, dey de van Dorpmunde verunrechten wolde mit erem gherichte: wanner wi dan der van Dorpmunde mechtich weren tho rechte, so sole wy en dar truwelichen thoy helpen ayne vede, dat en dat unrecht widerdan werde. Enhedde wy des nyne maght, kerden de van Dorpmunde an de gicht, so ensole wy en nogh neyiaant van unser weghene sei daran hinderen nogh letten ninigherleye wys sunder arghelist, mer wy und de unse solen und willen ghehenghich en darthoe wesen sunder arghelist. Hedde ok yenich mensche in unsem lande yerleye sake tho der stad van Dorpmunde tho segghene und neymande bisundere an enghenghe, de ensal neynen borghere nogh neymande, de darbynnen wonachtich is, dar umme lyff nogh ghud besetten nogh bekummeren, sunder de sal nymen bynnen Dorpmunde vor den ghinen, de dar van unss und der stades weghene van Dorpmunde thoighevoyghet sint, nae ansprake und widerantwerde, so vyle as de wiset dat recht sy; und dat sal men den widerwaren lathen binnen den nesten dren veirthennachten dar nae, und wat de vorgheserivene vor recht wisen, en schee en des nicht bynnen dem nesten mande dar nae, so solen de van Dorpmunde twe van eren vrunden van dem rade dar thoi maken, de unverthoghet bynnen Dorpmunde in ene ersame herberghe komen, dar sei de ghene inwiset, dem de sake angheit, und lesten enen mand; und wan de mand ummekomen were, enwidervoyre em des dan nicht, so solen sei aver twe uythe dem rade van eren vrunden maken thoy den twen in de selven herberghe to lestene und de veire dan nicht uythe der herberghe thokomene nynigherleye wys, eme en sy widervaren so vile alse de van unss und der stades weghene van Dorpmunde darthoyghevoyghet sint, ghewiset hebbet, id ensy mit sinen willen. (7.) Vort so wille wy, dat de rad und ghemeinen borghere van Dorpmunde und de in erer stad wonachtich sint, moyghen mit erem ghude und mit erem ghesinde off en ytlich bisunder siker und vry in unsen landen, stede und veste komen, dar ynne wesen und dor unse land und herschope varen und thein und widerkomen aene yrhande hinder, id enwere dat wey breke, dat de betherde nae rechte off nae ghenaden. (8.) Vort wy, unse amptlude nogh neymant van unser weghene ensolen den ghinen, de dey stad van Dorpmunde vorsoyken willen,, aff of thoy tho voirene, nynigherleye wyss daran hinderen ofte letten, mer wy und de unse solen sei vredelichen aff und thoylathen thein; id en were dat unss selyen also gheleghen were, dat wy des karens, dat in unsme lande wesset, selber bedroften, sunder arghelist, off dat de ghine de Dorpmunde vorsochten, unse untsighede vyende weren off dat wey ghebroken hedde, dat he betherde, sunder arghelist (9.) Vart hedden dey van dorpmunde ynige vyande, nu ter tid, eff dey sey hirnamals kregen by vnsen leuedagen, dey vnse vndersaten nicht en weren, de en sal nyn behelp noch vordernisse scheyn in vnsen landen van Vnss eff van den vnsen eff van den ghenen, der wy macht hebben, mit vnsen wettene, vnd sey vnd er helpere mogen dey, in vnd dor vnse lande soken vnd schedigen, also dieke, as sey des to done hebbt, vngehindert van Voss vnd den vnsen, mer wy vnd dey vnse solen vnd welt der stad dem Rade vnd den gemeynen Borgeren van Dorpmunde vnd eren helpe ren gehengich wesen sunder argelist. (10.) Wer ok sake, dat ymand in vnsen landen gheysschet worde vor dem gerichte to Dorpmunde, dey verbodynege vnd dey eyschinege sale men en vnsen landen entfaen als van aldes ghewontlich heuet gewesen. (11.) Vart weret dat dey Rad van Dórpmunde, eff ynige van eren Borgeren mit ynigen dey ere Borgeren weren, eff ere Borgere gewesen hedden, twist hedden, eff kregen hirnamals twist, in wat wyse, dat dey twist obgestanden were, eff opstonde, der lude vnd des gudes en sole wy noch en wellen Vnss, noch nymand van viser wegene nynigerwys vnderwynnen, noch verdegedinegen en thegen den Rad van Dorpmunde noch thegen yenigen ere Borgere sunder argelist, (12.) Vort so en welle wy na datum dis breyfs nynen lantvreden maken op dese syde ryns in westphalen, mit ynigen heren eff steden dey wyle wy leuet, dey van Dorpmunde en komen dar mede yn as vere as sey welt. (13.) Vart stonde yenigerleye sake op tuschen vns vnd vnsen vndersaten vnd den van Dorpmunde, dey vnuerbreyuet weren van vnss, dar hebbe wy veyre van vnsen vrunden van vnser wegene tho genoget, heren Ludolph van altena, ritter, Rekart van Boynen den alden, Herman Wanthoff, vnd Herman van Berghem. (14.) weliche veire (u. f. w. wie Nr. 10.) (15.) Vort weret dat wy dey herschap van der marke, eynigen vnser sone ouergheuen, vnd vth der hand leyten by vnsen leuedaghen, dey sone sal den van Dorpmunde so danen openen besighelden breyff gheuen, vnd dar sal hey yn ynne louen to haldene vnd to done, al also dane sake vnd puncte, as wy en in dissen Vnseme besigelden breyue gelouet hebbet. vnd wanner vnser Sone eynich den van Dorpmunde den breyff also besigelt heuet, so sole wy der vorgt. louede quyd vnd ledich wesen. (16) Vart were sake, dat dey grascap to der marke hyr na an vnss weder qweme in wat wyse dat ghesche, so welle wy dat disse breyff met allen den puncten dey dar ynne ghescreuen staen, weder in al syner macht bline. Vnd solen vnd welt den van Dorpmunde dey vorgt. lofte vnd breyue truwelike halden sunder argelis. (17.) Vart vme disser vruntschap vnd verbun des willen so wellen vnd solen vnss dey van Dorpmunde gheuen ilkes Jars op sunte Johannes baptisten dach tho myddesomere dey wile wy greue to der marke synt, an derthalfhundert rynsche guldene, kerde wy ok dey graschap to der marke an ynigen vnser Sone, as vorgt. is, dey sal dan dey anderthalfhundert guldene boren, dey wile wy leuet, vnd wy nicht, et en were dat dey graschap to der marke an vns weder qweme, as vorgt. is. (18.) Vart so welle wy, dat vnse amptlude solen komen tho Dorpmunde in die stad binnen den neysten veyrteynnachten, wanner dey van Dorpmunde vnss dat to cysschet, vnd mit opgerichteden vinegeren vnd mit gestaueden Eyden tho den hilligen sweren dem Rade van Dorpmunde alle vorgt. puncte tho haldene. 1 (19.) Vart so enkenne wy adolph dat wy alle puncte - in Eydes stat gelouet hebbt stede vnd vast vnd vnuerbrekelich to haldene. - (20.) Vart wy Borgermeystere vnd dey gemeynen Borgere der stad van Hamme - Camene - Vnna - Yserlonen - kennet, dat wy der van dorpmunde vyande nicht werden en solen dey wile vnse leyue genedige here her adolf leuet. Vnd hyr tho hebbe wy van deme Hamme thogeuoget Johanne morken, Euerde Vrydage geheyten dey Rutere, Sandere Lorinege vnd gherde meyncken vnd wy van Camene, gherde Kopman, gherde vnd Euerde de lore brodere vnd Diderich comes, vnd wy van Vnna Hunolde van Berdinch, Tydden van Vnna, hinrike Rumpe vnd Frederike Dystel vnd wy van Yserenlon Claweze wasmode, Bertolde van der porten, Tydemann Wynmanne vnd Hinrike der megede den alden, van welken juwilichen veyren bysunder van ers stads vnd erer gemeyner Borgere wegene gesworen, truwelike, stede vnd vast tho haldene alle puncte. (21) Ok so enkenne wy Adolf - wert dat dey sesteyne vorgt, willich afflyuich worden bynnen vnsen leuedagen, wanner dey van Dorpmunde vns darvme manen dot, so sole wy dat also verwaren, dat dey stad, dar des ghebreck ane were, eynen anderen guden man vyth erme Rade dar tho vogen (22.) Ok were sake dat ynich vngelucke ghesche an dessen breyue, also dat der sigele ynich to quesset eder to breken worde, off dat dey hoel kreyge off gekrenket worde, dar mede en sal desse breyff" nicht ghedeleget) syn, nynegewys, vnd sal al lyke wal in al syner macht bliuen, sunder argeylst. (23) In orkunde hebbe wy adolf vnd stede vnser Inghesegel an dessen breyff ghehanegen. Datun anno domini millesimo trecentesimo nonagesimo secundo ipso die beati andree apostoli.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet die Urkunde wie folgt:
Wir, Adolf, Graf zu Kleve und von der Mark, tun kund allen Leuten und bezeugen öffentlich in diesem offenen Brief: Dass wir uns um Gunst und Freundschaft willen, nach dem Rat unserer Freunde, uns verbunden haben und verbinden mit der Stadt, dem Rat und den gemeinen Bürgern zu Dortmund.
1. Dass wir in keiner Weise ihre Feinde werden wollen, und wir sollen ihr Leben und ihr Gut getreulich beschützen in unserem Lande, solange wir und Graf Engelbert (Vorgänger)* leben, nach all unserer Macht, ohne Arglist. Ausgenommen in diesem Bund und den Freundschaften ist von unserer Seite das Römische Reich: Das bedeutet, wenn ein Römischer Kaiser oder ein Römischer König Feind derer von Dortmund würde und mit eigener Person nach Westfalen käme und uns dann um Hilfe anriefe gegen die Stadt Dortmund, so dürfen wir ihm dann gegen die Stadt Dortmund helfen, solange er in Westfalen ist; und damit sollen wir dieses Gelöbnis und diesen Brief nicht gebrochen haben. Und wann immer er nicht in Westfalen ist, so soll dieser Brief in all seiner Kraft bleiben.
2. Ferner: Wenn jemand von unseren Untertanen derer von Dortmund Feind würde oder wer gegen die von Dortmund Gewalt anwendete ohne Fehdeankündigung und von ihnen kein Recht annehmen wollte, und es dann zur Fehde zwischen denen von Dortmund und jenen käme: Wenn wir mächtig genug wären, die von Dortmund zu ihrem Recht zu bringen, daraufhin sollen wir ihnen getreulich helfen mit all unserer Macht auf unsere eigenen Kosten, Gewinn und Verlust, ohne Arglist, binnen den nächsten vierzehn Tagen danach, wenn die von Dortmund uns darum bitten; und zwar so lange, bis ihnen die Gewalt vergolten und gerichtet wird und sie ihr Recht erhalten, es sei denn mit dem Willen derer von Dortmund. Auch sollen wir noch unsere Untertanen die Feinde derer von Dortmund nicht beherbergen noch ihnen Hof gewähren mit unserem Wissen und ohne Arglist; bezichtigen sie [die Dortmunder] jemanden dessen, mag derjenige seine Unschuld davor beweisen; hätte das aber jemand getan, der soll ihnen dafür tun, wozu er ihnen von Rechts wegen pflichtig ist. Hätten wir dazu keine Macht [die Untertanen zu zwingen] und die von Dortmund würden deren Feinde, da sollen wir ihnen mit all unserer Macht auf unsere eigenen Kosten, Gewinn und Verlust getreulich helfen binnen den nächsten vierzehn Tagen danach, wenn die von Dortmund uns darum bitten, so lange, bis jene denen von Dortmund tun, was sie ihnen von Rechts wegen pflichtig sind, wie vorstehend geschrieben steht.
3. Wäre es auch die Sache, dass jemand von unseren Untertanen, die in unseren Landen wohnhaft sind, Feind derer von Dortmund würde oder Gewalt gegen sie anwendete ohne Fehde, und diese ihre Schlösser, Güter oder ihr Erbe zur Unterstützung an jemanden versetzt oder verkauft hätten: Auf dieses Schloss, Gut und Erbe bezogen sollen wir ihnen [den Dortmundern] helfen mit all unserer Macht, auf unsere eigenen Kosten, Gewinn und Verlust ohne Arglist, binnen vierzehn Tagen, wenn die von Dortmund uns darum bitten; es sei denn, dass der Mann, dem das Schloss, Gut oder Erbe versetzt oder verkauft war, mit seinem Eide sich selbst reinwaschen wollte binnen den vierzehn Tagen vorab, dass dieser Versatz oder Kauf nicht geschehen ist zur Unterstützung desjenigen, der Feind derer von Dortmund war, ohne Arglist.
4. Ferner: Wenn ein Mensch in unseren Landen oder sonst jemand irgendeine Sache [einen Rechtsstreit] wider irgendeinen Bürger von Dortmund hat, der soll weder Leib noch Gut anderer Bürger von Dortmund hindern, bekümmern [pfänden] noch besetzen durch unser Gericht, sondern allein des Menschen Leib und Gut, gegen den die Sache geht; und von dem soll der Kläger unüberzogenes [unverzügliches] Recht nehmen.
5. Ferner: Würde darüber hinaus jemand in unseren Landen besetzt oder bekümmert [gepfändet], der an der Sache schuldlos wäre: Wann immer uns die von Dortmund das kundtun, so soll die Besetzung oder der Kummer [die Pfändung] quitt [aufgehoben] sein ohne Verzug binnen den nächsten vierzehn Tagen danach ohne Arglist.
6. Ferner: Wäre jemand, der seine eigene Gerichtsbarkeit innerhalb unserer Herrschaften oder Lande hätte, der die von Dortmund mit seinem Gericht unberechtigt belangen wollte: Wenn wir dann mächtig genug wären, denen von Dortmund zu ihrem Recht zu verhelfen, so sollen wir ihnen darin getreulich beistehen ohne Fehde, damit ihnen das Unrecht vergolten werde. Hätten wir dazu keine Macht und wendeten sich die von Dortmund an das Reichsgericht [bzw. an die Selbsthilfe], so sollen weder wir noch sonst jemand von unserer Seite sie daran hindern oder hindern in irgendeiner Weise ohne Arglist, sondern wir und die Unseren sollen und wollen darin einwilligen ohne Arglist. Hätte auch irgendein Mensch in unserem Lande irgendeine Sache gegen die Stadt Dortmund vorzubringen, die niemanden Besonderen [persönlich] anginge, der soll keinen Bürger noch niemanden, der darin wohnhaft ist, darum an Leib noch Gut besetzen noch bekümmern, sondern der soll niemanden [belangen] binnen Dortmund als vor denjenigen, die dort von unserer und der Stadt Dortmund wegen dazu bestellt sind, nach Ansprache und Erwiderung, so viel wie das Recht es weist; und das soll man geltend machen lassen binnen den nächsten drei vierzehn Tagen danach; und was die Vorgeschriebenen als Recht weisen – geschähe ihnen das nicht binnen dem nächsten Monat danach, so sollen die von Dortmund zwei von ihren Freunden aus dem Rat dazu bestimmen, die unverzüglich binnen Dortmund in eine ehrbare Herberge kommen, wohin sie denjenigen einweisen, den die Sache angeht, und verbleiben einen Monat; und wenn der Monat umgekommen wäre und ihm das Recht dann nicht widerfahren wäre, so sollen sie abermals zwei aus dem Rat von ihren Freunden zu den zweien in dieselbe Herberge schicken zum Verbleiben; und die vier dürfen dann nicht aus der Herberge herauskommen in irgendeiner Weise, es sei denn, ihm ist so viel widerfahren, wie die von uns und der Stadt Dortmund wegen dazu Bestellten gewiesen haben, es sei denn mit seinem Willen.
7. Ferner so wollen wir, dass der Rat und die gemeinen Bürger von Dortmund und die in ihrer Stadt wohnhaft sind, mit ihrem Gut und mit ihrem Gesinde oder ein jeder besonders sicher und frei in unsere Lande, Städte und Festen kommen, darin sein und durch unser Land und unsere Herrschaft fahren, ziehen und wiederkommen dürfen ohne jegliche Behinderung; es sei denn, dass jemand straffällig würde, was derjenige nach Recht oder nach Gnaden auszugleichen hat.
8. Ferner: Weder wir, unsere Amtleute noch jemand von unserer Seite sollen diejenigen, die die Stadt Dortmund aufsuchen wollen, um dorthin oder von dort weg zu fahren, in irgendeiner Weise daran hindern oder aufhalten, sondern wir und die Unseren sollen sie friedlich hin- und herziehen lassen; es sei denn, dass es um uns selbst so stünde, dass wir des Korns, das in unserem Lande wächst, selber bedürften, ohne Arglist, oder dass diejenigen, die Dortmund aufsuchten, unsere abgesagten Feinde wären oder dass jemand gefehlt hätte, was er auszugleichen hat, ohne Arglist.
9. Ferner: Hätten die von Dortmund einige Feinde zur jetzigen Zeit oder bekämen sie diese hiernach zu unseren Lebzeiten, die unsere Untertanen nicht wären, denen soll keine Hilfe noch Förderung geschehen in unseren Landen von uns oder von den Unseren oder von denjenigen, über die wir Macht haben, mit unserem Wissen. Und sie [die Dortmunder] und ihre Helfer dürfen diese in und durch unsere Lande suchen und schädigen, sooft wie sie das zu tun haben, ungehindert von uns und den Unseren; sondern wir und die Unseren sollen und wollen der Stadt, dem Rat und den gemeinen Bürgern von Dortmund und ihren Helfern beistehen ohne Arglist.
10. Wäre auch die Sache, dass jemand in unseren Landen vorgeladen würde vor das Gericht zu Dortmund, diese Vorladung und die Forderung soll man in unseren Landen annehmen, wie es von alters her gewöhnlich gewesen ist.
11. Ferner: Wäre es, dass der Rat von Dortmund oder einige von ihren Bürgern mit einigen, die ihre Bürger wären oder ihre Bürger gewesen wären, Zwist hätten oder hiernach Zwist bekämen – in welcher Weise auch immer der Zwist bestanden hätte oder entstünde –, der Leute und des Gutes wollen und werden wir uns, noch jemand von unserer Seite, in keiner Weise annehmen noch sie verteidigen gegen den Rat von Dortmund noch gegen einige ihrer Bürger, ohne Arglist.
12. Ferner so wollen wir nach dem Datum dieses Briefes keinen Landfrieden machen auf dieser Seite des Rheins in Westfalen mit einigen Herren oder Städten, solange wir leben, in den die von Dortmund nicht mit eintreten, sofern sie es wollen.
13. & 14. Ferner: Stünde irgendeine Sache offen zwischen uns und unseren Untertanen und denen von Dortmund, die von uns nicht verbrieft [vertraglich geregelt] wäre, dafür haben wir vier von unseren Freunden von unserer Seite ernannt: Herrn Ludolf von Altena (Ritter), Richard von Boenen den Älteren, Herman Wanthoff und Herman von Berghem. Welche vier (u.s.w. [entscheiden sollen]).
15. Ferner: Wäre es, dass wir die Herrschaft von der Mark an einen unserer Söhne übergäben und aus der Hand ließen zu unseren Lebzeiten, dieser Sohn soll denen von Dortmund einen ebensolchen offenen, besiegelten Brief geben, und darin soll er geloben zu halten und zu tun all die Sachen und Punkte, wie wir sie ihnen in diesem unserem besiegelten Brief gelobt haben. Und wann immer ein Sohn von uns denen von Dortmund den Brief so besiegelt hat, so sollen wir von dem vorgenannten Gelöbnis quitt und ledig sein.
16. Ferner: Wäre es Sache, dass die Grafschaft zur Mark hiernach an uns wieder zurückkäme, in welcher Weise das auch geschähe, so wollen wir, dass dieser Brief mit allen den Punkten, die darin geschrieben stehen, wieder in all seiner Kraft bleibe. Und wir sollen und wollen denen von Dortmund das vorgenannte Gelöbnis und den Brief getreulich halten ohne Arglist.
17. Ferner: Um dieser Freundschaft und dieses Bündnisses willen wollen und sollen uns die von Dortmund geben jedes Jahr auf St.-Johannes-des-Täufers-Tag zur Mittsommerzeit, solange wir Graf zur Mark sind, zweieinhalbhundert [250] Rheinische Gulden. Übertrügen wir auch die Grafschaft zur Mark an einen unserer Söhne, wie vorgenannt ist, der soll dann die zweieinhalbhundert Gulden einziehen, solange wir leben (und wir nicht), es sei denn, dass die Grafschaft zur Mark an uns wieder zurückkäme, wie vorgenannt ist.
18. Ferner so wollen wir, dass unsere Amtleute nach Dortmund in die Stadt kommen sollen binnen den nächsten vierzehn Tagen, wann immer die von Dortmund uns darum bitten, und mit erhobenen Fingern und mit aufgestelltem Eid [auf den Richterstab] zu den Heiligen schwören, dem Rat von Dortmund alle vorgenannten Punkte zu halten.
19. Ferner so erkenne ich, Adolf, an, dass ich alle Punkte an Eides statt gelobt habe, stetig und fest und unverbrüchlich zu halten.
20. Ferner bekennen wir, Bürgermeister und die gemeinen Bürger der Städte Hamm, Kamen, Unna, Iserlohn, dass wir derer von Dortmund Feinde nicht werden wollen, solange unser lieber, gnädiger Herr, Herr Adolf, lebt. Und hierzu haben wir von Hamm beigeordnet: Johann Morken, Everd Vrydag genannt „die Rutere“, Sander Lorinege und Gerd Meyncken; und wir von Kamen: Gerd Kopman, Gerd und Everd die Lore-Brüder und Diderich Comes; und wir von Unna: Hunold von Berdinch, Tydden von Unna, Hinrik Rumpe und Frederik Dystel; und wir von Iserlohn: Clawes Wasmode, Bertold von der Porten, Tydemann Wynman und Hinrik der Megede den Älteren; von welchen jeweils vieren besonders von ihrer Stadt und ihrer gemeinen Bürger wegen geschworen wurde, treulich, stetig und fest alle Punkte zu halten.
21. Auch so erkenne ich, Adolf, an: Sollte es geschehen, dass die sechzehn Vorgenannten [die Bürgen aus den Städten] zu unseren Lebzeiten versterben, wann immer die von Dortmund uns darum mahnen, so sollen wir dafür Sorge tragen, dass die Stadt, der es daran mangelt, einen anderen guten Mann aus ihrem Rat dazu ordnet.
22. Auch wäre es Sache, dass irgendein Unglück an diesem Brief geschähe, so dass das Siegel beschädigt oder zerbrochen würde, oder dass er Löcher kriegte oder beschädigt würde, damit soll dieser Brief in keiner Weise getilgt [ungültig] sein, und er soll gleichermaßen in all seiner Kraft bleiben, ohne Arglist.
23. Urkundlich haben wir, Adolf, und die Städte unsere Siegel an diesen Brief gehängt. Gegeben im Jahre des Herrn 1392, am Tag des seligen Apostels Andreas [30. November].
Literatur
- Fahne, Anton: Urkundenbuch der freien Reichsstadt Dortmund. 2. Abtheilung. Köln 1857. S. 186-189
- Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band II. Erste Hälfte. Dortmund 1890. S. 306-308
Siehe auch
Anmerkungen
- ↑ Fahne, Anton: Urkundenbuch der freien Reichsstadt Dortmund. 2. Abtheilung. Köln 1857