Jüdische Schule

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Eine jüdische Schule bestand in Hamm spätestens im Jahr 1722. Es dürfte sich dabei um eine Religionsschule der jüdischen Gemeinde gehandelt haben.

Erster namentlich bekannter jüdischer Lehrer in Hamm war Isaak Rothschild (gestorben 1857), der ab 1800 Hebräisch und Religion in Hamm unterrichtete. Allerdings gab es zu dieser Zeit keine jüdische Elementarschule. Diese wurde erst auf Betreiben der jüdischen Gemeinde in Hamm im Jahr 1846 eingeführt. Als Lehrer wurde in diesem Jahr Elias Gans eingestellt. Er war in Personalunion Elementar- und Religionslehrer und gleichzeitig für die jüdische Gemeinde als Kantor und Schächter tätig. Gans blieb nur drei Jahre an der Schule. Ein Schullokal wurde in einem angekauften Gebäude an der kleinen Weststraße 5 (heute: Martin-Luther-Straße) genutzt. Vom 1849 bis 1867 war Isaak Steinweg sein Nachfolger. Von 1867 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1901 leitete Julius Mündheim die jüdische Schule. Bis ca. 1907 war Moritz Lorge Lehrer an der Schule, danach übernahm Moritz Weiler den Unterricht und auch die Aufgaben eines Kantors und Predigers in der jüdischen Gemeinde. [1]

1923 musste die jüdische Gemeinde aus finanziellen Gründen den Unterricht einstellen. Lehrer Weiler wurde von der Stadt Hamm übernommen und fand als technischer Lehrer an der Berufsschule Verwendung. Im Jahr 1929 konnte die jüdische Schule aber reaktiviert werden. Moritz Weiler hat auf Antrag der jüdischen Gemeinde bei der Stadt Hamm den Unterricht wieder übernommen. Ab 1932/33 übernahm Josef Reinhold das Amt des jüdischen Schullehrers bis zur Schließung der Schule unter der NS-Herrschaft.[2]

Bis zum 15. November 1938 wurden jüdische Kinder in den allgemeinbildenden Schulen in Hamm unterrichtet. Danach war unter der NS-Herrschaft nur noch ein Unterricht in einer jüdischen Einrichtung geduldet. Der Unterricht fand nicht mehr im alten Schullokal statt, sondern im neuen Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde in der Hohestraße 59 (die ehemaligen Kanzlei des Rechtsanwalts Dr. Alfred Michaelis). Ab Mitte 1939 musste für den Unterricht auf das Privathaus von Josef Rosenberg in der Stiftstraße 6 zurückgegriffen werden. Dort wurde im Hinterhof aus Garage und Kutschenraum eine provisorische Unterbringung der Schule ermöglicht. Die Schule wurde 1942 mit Beginn der Osterferien aufgelöst.[3]

In der NS-Zeit haben Kurt Radt und ab 1939 auch Adolf Tint an der jüdischen Schule unterrichtet. [4]

Literatur

  • Diethard Aschoff: Hamm. In: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Hrsg. v. Frank Göttmann. E-Book: Münster 2021. S. 391-410

Anmerkungen

  1. Diethard Aschoff: Hamm. In: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Hrsg. v. Frank Göttmann. E-Book: Münster 2021. S. 402
  2. Diethard Aschoff: Hamm. In: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Hrsg. v. Frank Göttmann. E-Book: Münster 2021. S. 403
  3. Diethard Aschoff: Hamm. In: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Hrsg. v. Frank Göttmann. E-Book: Münster 2021. S. 403
  4. Diethard Aschoff: Hamm. In: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg. Hrsg. v. Frank Göttmann. E-Book: Münster 2021. S. 403