Graf Engelbert von der Mark schließt am 24. März 1391 auf Lebenszeit ein Bündnis mit der Stadt Dortmund. Mit dem Grafen siegelt u.a. die Stadt Hamm.

Wappen der Grafen von der Mark

Wortlaut

Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Rübel (S. 281-286) zitiert:[1]

Wy Engelbrecht, greve tho der Marke, doin kundich allen luden und bethughet openberlichen in diesem openen breive, dat wy um ghunst und vrunschop hebbet by rade unser vrunde unss verbunden und vorbindet tho der stad, tho dem rade und tho den ghemeinen borgheren tho Dorpmunde, dat wy ere vyend nynighe wys werden solen, und solen er lyff und ere ghud truweliken beschermen in unseme lande, de wile wy Engelbrecht greve vorg. levet, nae al unser maght, sunder arghelist, uythghenomen in diesem verbunde und vrunschopen van unser weghene dat Romesche ryke: also wert dat en Romesch keysere off en Romesch konine vyend worde der van Dorpmunde und mit sins selves live in Westfalen queme und unss dan hulpe thoy eschede op de stad van Dorpmunde, so moyghe wy em dan helpen oppe de stad van Dorpmunde, de wile hei in Westfalen were; und dar myde en sole wy thighen diese loffde und breyff nicht ghedan hebben, und wanner hei in Westfalen nicht enwere, so sal diese breyff in al siner maght bliven. 2) Vort wer yemant van unsen undersathen, de der van Dorpmunde vyend worde off de an de van Dorpmunde ghewalt kerde aene vede und van een nin recht nymen enwolde, queme dat dan tho veden thuschen den van Dorpmunde und den ghinen: wanner wy der van Dorpmunde mechtich weren tho rechte, dar op sole wy en truweliken helpen dar mit al unser maght op unse eyghene kost, win und vorluyss sunder arghelist binnen den nesten veirtheinnachten dar nae wanner de van Dorpmunde uns dat eschet byt alsolanghe dat en de ghewalt widerdan und gherichtet worde und recht van en nyme, id ensy mit willen der van Dorpmunde. Ok so ensole wy nogh unse undersathen der van Dorpmunde viende nicht husen nogh hoven mit unsem witene sunder arghelist; bethighen sei dar wene myde, de magh sine unschult dar vor doin; hedde dat ok wey ghedan, de sal en dar vor doin wes hei en mit rechte plichtich is. Hedde wy des nyne maght, worden de van Dorpmunde der vyende, dar sole wy en mit al unser maght op unse eghene kost, win und vorluyss truweliken ophelpen binnen den nesten veirthennachten dar nae, wan de van Dorpmunde unss dat eschet, byt alsolanghe dat dey den van Dorpmunde doin wes sei en mit rechte plichtich sint, as vorg. steit. 3) Vort vellet dat willich mensche in unsen landen off anders yemant hedde yenigherleye sake wider yenighen borghere van Dorpmunde, dey ensal nogh liff nogh ghud anderer borghere van Dorpmunde hinderen, bekummeren nogh besetten mit unsme gherichte, mer allene des menschen lyff und ghud dar de sake thighen gheit; und van deme sal de kleghere nymen en unverthoghet recht. 4) Vort worde dar enboven yemant besat off bekummert in unsen landen de nyn sakewolde enwere: wanner unss de van Dorpmunde dat kundich doit, so sal de besettinghe eder kummer quyd sin sunder thogh binnen. den nesten veirthennachten dar nae sunder arghelist. 5) Vort were yemant de sin selves gherichte hedde binnen unsen herschopen off landen, dey de van Dorpmunde verunrechten wolde mit erem gherichte: wanner wi dan der van Dorpmunde mechtich weren tho rechte, so sole wy en dar truwelichen thoy helpen ayne vede, dat en dat unrecht widerdan werde. Enhedde wy des nyne maght, kerden de van Dorpmunde an de gicht, so ensole wy en nogh neyiaant van unser weghene sei daran hinderen nogh letten ninigherleye wys sunder arghelist, mer wy und de unse solen und willen ghehenghich en darthoe wesen sunder arghelist. Hedde ok yenich mensche in unsem lande yerleye sake tho der stad van Dorpmunde tho segghene und neymande bisundere an enghenghe, de ensal neynen borghere nogh neymande, de darbynnen wonachtich is, dar umme lyff nogh ghud besetten nogh bekummeren, sunder de sal nymen bynnen Dorpmunde vor den ghinen, de dar van unss und der stades weghene van Dorpmunde thoighevoyghet sint, nae ansprake und widerantwerde, so vyle as de wiset dat recht sy; und dat sal men den widerwaren lathen binnen den nesten dren veirthennachten dar nae, und wat de vorgheserivene vor recht wisen, en schee en des nicht bynnen dem nesten mande dar nae, so solen de van Dorpmunde twe van eren vrunden van dem rade dar thoi maken, de unverthoghet bynnen Dorpmunde in ene ersame herberghe komen, dar sei de ghene inwiset, dem de sake angheit, und lesten enen mand; und wan de mand ummekomen were, enwidervoyre em des dan nicht, so solen sei aver twe uythe dem rade van eren vrunden maken thoy den twen in de selven herberghe to lestene und de veire dan nicht uythe der herberghe thokomene nynigherleye wys, eme en sy widervaren so vile alse de van unss und der stades weghene van Dorpmunde darthoyghevoyghet sint, ghewiset hebbet, id ensy mit sinen willen. 6) Vort so wille wy, dat de rad und ghemeinen borghere van Dorpmunde und de in erer stad wonachtich sint, moyghen mit erem ghude und mit erem ghesinde off en ytlich bisunder siker und vry in unsen landen, stede und veste komen, dar ynne wesen und dor unse land und herschope varen und thein und widerkomen aene yrhande hinder, id enwere dat wey breke, dat de betherde nae rechte off nae ghenaden. 7) Vort wy, unse amptlude nogh neymant van unser weghene ensolen den ghinen, de dey stad van Dorpmunde vorsoyken willen,, aff of thoy tho voirene, nynigherleye wyss daran hinderen ofte letten, mer wy und de unse solen sei vredelichen aff und thoylathen thein; id en were dat unss selyen also gheleghen were, dat wy des karens, dat in unsme lande wesset, selber bedroften, sunder arghelist, off dat de ghine de Dorpmunde vorsochten, unse untsighede vyende weren off dat wey ghebroken hedde, dat he betherde, sunder arghelist. 8) Vort stonde yerleye sake op thuschen unss und unsen undersathen und den van Dorpmunde, de unbebreyvet weren, dar hebbe wy veire van unsen vrunden van unser weghene thoighevoighet, as binamen Johanne Weiten van dem Clyve, Wynemer Dukere, Goswin Holthei und Herman Wanthove, wilke veire solen myt veir borghermesteren tho Dorpmunde, nye und alt, vullemaght hebben, de sake tho likene, tho vorslichtene und tho eyndene bynnen Dorpmunde nae rechte off in vrunschopen bynnen den nesten dren veirthennachten, uythghesat wat an der van Dorpmunde gherichte dripet. 9) Vort wer ok dat ghebrek were an den aghten vorg., also dat sei alle aghte sementlike by een nicht enquemen, so solen dogh sesse off veire, allike vile van beiden siden, vulmaght hebben tho likene, tho vorslichtene und tho eyndene binnen Dorpmunde nae rechte off in vrunschopen as vorg. steit. 10) Vort wer ok dat der veyrer een off al aflivich worden, de wy darthoi voighet hebbet, off enen anderen in ere stede wolden setten: also dicke as dat gheschee, so sole wy enen anderen ghuden man wider in des stide setten binnen den nesten veirthennachten dar nae. Des ghelix in der selven wise moghen de van Dorpmunde ok doin. 11) Vort so wille wy, dat al unse amptlude, de nú thortyd sint ofte hirnamals bynnen unsen lefdaghen unse amptlude werden, solen komen tho Dorpmunde in de stad binnen den nesten veirthennachten, wanner de van Dorpmunde unss dat thoi eschet, und solen sikeren und sweren mit opgherichteden vingheren und mit ghestaffden eden dem rade van Dorpmunde, alle vorg. puntte und en ytlich bisunder Istede und vast thohaldene, de wile sei unse amptlude sint, as wy, unse burghmanne, undersathen und stede ghesworen hebbet in diesem breyve, sunder alle arghelist. 12) Vort so enkenne wy Engelbrecht greve tho der Marke vorg.. dat wy alle artikele und puntte und en ytlich bisunder in ghuden truwen ghesikert hebbet und vort mit opgherichteden liffliken vingheren und mit ghestaffden eden tho den hilghen ghesworen hebbet stede, vast und unverbreklich tho haldene in aller wys ind formen as de vor in diesem breye ghescriven stad. sunder alle argheliste. 13) Vort wy Rotgher van Ghalen, Rikert van Boynen de alde, Johan Weite van dem Clive, Hughe van der Horst, Wilhem Dobbe de alde, Diderich van Boyle de alde, Evert van Wickede, Wynemer Dukere, Herman Wanthoff, Herman van Wittene, Wernykens sone, Goswin Holthei, Lambert Hake, Godeke van Summeren, Heidenrich van Plettenbraght, Hinrich Clot van Nartholen, Otte Schule, Herbert van Mallinchrode und Daem Tolnere, borghmanne und undersathen unses lieven ghenedighen heren hern Engelbrechtes greven tho der Marke hebbet ghelovet, in guden truwen ghesikert und mit opgherichteden vingheren und mit ghestaffden eden thoi den hilghen ghesworen, dat wy, de wile unse ghenedighe here her Engelbrecht greve tho der Marke levet, der van Dorpmunde vyende nicht werden solen, ind solen en truweliken, stede und vast halden alle artikele und puntte und en ytlich bisunder, de en unse ghenedighe here her Engelbrecht greve tho der Marke vorg. in diesem yeghenwordighen breive ghesworen und besigelt heft. 14) Vort wy borghermestere, raed und de ghemeynen burghere der stad van dem Hamme, ind wy borghermestere, raed und de ghemeinen burghere der stad van Camene, ind wy borghermestere, raed und ghemeinen burghere der stad tho Unha, ind wy borghermestere, raet und ghemeinen borghere der stad von Yserenloen, enkennet dat der van Dorpmunde vyende nicht werden ensolen, de wile unse lieve ghenedighe here her Engelbrecht greve tho der Marke levet. Ind hir thoi hebbe wi, de raet van dem Hamme, van unser und unser ghemeiner borghere weghene thoy ghevoighet Everde Vrydaghe, gheheiten de ruthere, Gedeken den Richtere, Sandere Loringhe und Gherde Meineken. Ind wy, raet van Camene, van unser und van unser ghemeyner borghere weghene hebbet ghevoighet Gherde Copmanne, Gherde und Everde Lore broydere, und Dideriche Comes. Ind wy, raet van Unha, van unser und unser ghemeiner borghere weghene hebbet ghevoighet Hunolde van Berdinch, Tidden van Unha, Hinriche Rumpe und Frederiche Distele. Ind wy raet van Yserenlon van unser und unser ghemeinen borghere weghene hebbet ghevoighet Clawese Wasmoide, Bertholde vor der Porten, Tidemanne Wynmanne und Hinriche der Meghede den alden. Van wilken juwelike veire bisunder van eres stades und erer ghemeinen horghere weghene ghelovet, in ghuden truwen ghesikert und mit opgherichteden liffliken vingheren und mit ghestafden eyden tho den hilghen ghesworen hebbet, truweliken stede und vast thohaldene alle artikele und puntte und en ytlich bisunder, dat en unse ghenedighe here her Engelbrecht greve tho der Marke vorg. in diesem yegenwordighen breive ghesworen und besigelt heft. 15) Vort so enkenne wy Engelbrecht greve tho der Marke vorg., wert sake dat van unsen borghmannen und undersathen vorg. wilk affivich worde by unsen lefdaghen, de diesen breyff mit unss besigelt hebbet: wi dicke dat gheschee, so dicke sole wy enen anderen ghuden man uyth unsme lande in des doden stad setten binnen dem nesten mande darnae, wanner de van Dorpmunde unss dat eschet, de sikere und swere in eme transfixbreive, dorgh diesen breiff ghesteken, alle puntte und artikele stede und vast thohaldene, de in diesem breive ghescriven stad, as de ghine ghedan hadde de dar afflivich worden were; und dar myde ensal diese breyff nynigherleye wys ghevicieret off ghekrenket werden, mer hei sal allike wol in alsiner vullenkomene maght bliven. Ok so enkenne wy Engelbrecht greve tho der Marke vorg., also wert dat der sestine vorg., de unse stede van erer weghene ghevoighet hebbet, by namen Ham, Camene, Unha und Yserenlon, wilk aflivich worde bynnen unsen lefdaghen: wanner de van Dorpmunde unss dar um manen doyt, so sole wy dat also verwaren, dat de stad, dar des ghebrek an were, enen anderen ghuden man uyth erem rade darthoy voyghen also dicke as des noet were, de van erer stades weghene under dem selven der stades inghesighele sikere und swere al dese vorg. puntte as de ghine ghedan hadde de dar afflivich gheworden were. In orkunde, vestinghe und bekantnysse alle dieser vorg. artikele und puntte hebbe wy Engelbrecht greve tho der Marke vorg. unse grote inghesighel mit unser witschop van diesen breyff doin hanghen. Ind vort wy borghmanne und undersathen vorg. hebbet tho merer vestinghe und bekantnisse unse inghesighele an diesen breyff ghehanghen. Ind vort wy borghermestere und raet der stede vorg. hebbet tho merer vestinghe und bekantnysse unser stede inghesighele an diesen breyff ghehanghen. Datum anno domini millesimo trecentesimo nonagesimoprimo, in vigilia annunciacionis beatissime Marie virginis.

Übersetzung

Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Urkundentext wie folgt:

Hier ist die Übertragung dieser bedeutenden spätmittelalterlichen Urkunde (ein Bündnis- und Friedensvertrag zwischen dem Grafen von der Mark und der Reichsstadt Dortmund aus dem Jahr 1391 in mittelniederdeutscher Sprache) in modernes Hochdeutsch:

Bündnis- und Friedensvertrag zwischen Graf Engelbert von der Mark und der Stadt Dortmund (1391) Wir, Engelbert, Graf von der Mark, tun kund allen Leuten und bezeugen öffentlich in diesem offenen Brief [Urkunde], dass wir uns um Gunst und Freundschaft willen durch den Rat unserer Freunde verbunden haben und hiermit verbinden mit der Stadt, dem Rat und den gemeinen Bürgern zu Dortmund:

1. Dass wir in keinerlei Weise deren Feind werden sollen und ihr Leben und ihr Gut treulich beschützen sollen in unserem Lande, solange wir, Graf Engelbert vorgenannt, leben, nach all unserer Macht und ohne Arglist. Ausgenommen von unserer Seite sind in diesem Bündnis und dieser Freundschaft das Römische Reich: Das heißt, falls ein Römischer Kaiser oder ein Römischer König zum Feind derer von Dortmund würde und mit eigener Person nach Westfalen käme und uns dann um Hilfe gegen die Stadt Dortmund ersuchte, so dürfen wir ihm gegen die Stadt Dortmund helfen, solange er in Westfalen ist. Und damit [dadurch] sollen wir gegen dieses Gelöbnis und diesen Brief nicht verstoßen haben; und wenn er nicht in Westfalen ist, so soll dieser Brief in all seiner Kraft [Gültigkeit] bleiben.

2. Weiterhin: Wenn jemand von unseren Untertanen ein Feind derer von Dortmund würde oder Gewalt gegen die von Dortmund anwendete ohne Fehdeankündigung und von ihnen kein Recht annehmen wollte, und falls es dann zu einer Fehde zwischen denen von Dortmund und jenen käme: Sobald wir von den Dortmundern rechtmäßig angerufen werden, sollen wir ihnen treulich mit all unserer Macht auf unsere eigenen Kosten, Gewinn und Verlust ohne Arglist beistehen, und zwar innerhalb der nächsten vierzehn Tage danach, wenn die von Dortmund uns darum ersuchen, und zwar so lange, bis ihnen die Gewalt vergolten und Genugtuung geleistet wurde und sie [die Gegner] Recht von ihnen annehmen, es sei denn mit dem Willen derer von Dortmund. Auch sollen wir die Feinde derer von Dortmund mit unserem Wissen nicht beherbergen [hausen noch hoven] ohne Arglist; bezichtigen sie jemanden dessen, so mag dieser seine Unschuld beweisen; hätte dies aber jemand getan, so soll er ihnen dafür tun, wozu er ihnen von Rechts wegen verpflichtet ist. Hätten wir dazu keine Macht [die eigenen Untertanen zu zwingen], und die Dortmunder würden von diesen befehdet, so sollen wir ihnen mit all unserer Macht auf unsere eigenen Kosten, Gewinn und Verlust treulich beistehen innerhalb der nächsten vierzehn Tage danach, wenn die von Dortmund uns darum ersuchen, so lange, bis jene den Dortmundern tun, wozu sie von Rechts wegen verpflichtet sind, wie vorgenannt steht.

3. Weiterhin: Falls ein Mensch aus unseren Landen oder sonst jemand irgendeine Sache [Streitigkeit] gegen einen Bürger von Dortmund hätte, so soll er weder Leib noch Gut anderer Bürger von Dortmund durch unser Gericht behindern, bekümmern [pfänden] noch besetzen [beschlagnahmen], sondern allein Leib und Gut desjenigen Menschen, gegen den sich die Sache richtet; und von diesem soll der Kläger ein unverzügliches Recht erhalten.

4. Weiterhin: Sollte darüber hinaus jemand in unseren Landen besetzt oder bekümmert [gepfändet] werden, der an der Sache unschuldig ist: Sobald uns die von Dortmund das kundtun, so soll die Besetzung oder Pfändung frei sein ohne jeglichen Verzug innerhalb der nächsten vierzehn Tage danach, ohne Arglist.

5. Weiterhin: Wäre jemand, der eine eigene Gerichtsbarkeit innerhalb unserer Herrschaften oder Lande hätte und die von Dortmund mit seinem Gericht ungerecht behandeln wollte: Wenn wir dann von den Dortmundern rechtmäßig angerufen werden, so sollen wir ihnen treulich dabei helfen ohne Fehde, dass ihnen das Unrecht vergolten werde. Hätten wir dazu keine Macht und die von Dortmund wendeten sich an das Gericht, so sollen weder wir noch sonst jemand von unserer Seite sie darin in irgendeiner Weise behindern oder hindern ohne Arglist, sondern wir und die Unseren sollen und wollen ihnen darin beipflichten [sie gewähren lassen] ohne Arglist.

Hätte zudem irgendein Mensch in unserem Lande eine Klage gegen die Stadt Dortmund vorzubringen, die niemanden im Besonderen betrifft, so soll er deswegen keinen Bürger und niemanden, der darin wohnhaft ist, an Leib oder Gut besetzen noch bekümmern, sondern er soll Klage erheben binnen Dortmund vor denjenigen, die dazu von uns und der Stadt Dortmund wegen eingesetzt sind, nach Anspruch und Erwiderung, so viel wie das Recht es weist. Und das soll man den Gegenparteien gewähren lassen innerhalb der nächsten drei vierzehn Tage [sechs Wochen] danach. Und was die Vorgenannten als Recht weisen: geschieht ihnen dies nicht innerhalb des nächsten Monats danach, so sollen die von Dortmund zwei ihrer Freunde aus dem Rat dazu bestimmen, die unverzüglich in Dortmund in eine ehrbare Herberge einziehen, in die sie denjenigen einweisen, den die Sache angeht, und dort einen Monat verbleiben. Und wenn der Monat umgekommen wäre und ihm bis dahin keine Gerechtigkeit widerfahren ist, so sollen sie wiederum zwei aus dem Rat ihrer Freunde zu den zweien in dieselbe Herberge schicken, um dort zu verbleiben. Und die vier dürfen dann aus der Herberge in keinerlei Weise herauskommen, bis ihm so viel widerfahren ist, wie die von uns und der Stadt Dortmund wegen Eingesetzten gewiesen haben, es sei denn mit seinem Willen.

6. Weiterhin wollen wir, dass der Rat und die gemeinen Bürger von Dortmund und jene, die in ihrer Stadt wohnhaft sind, mit ihrem Gut und mit ihrem Gesinde oder ein jeder im Einzelnen sicher und frei in unsere Lande, Städte und Festungen kommen, darin sein und durch unser Land und unsere Herrschaft fahren, ziehen und wiederkommen dürfen ohne jegliches Hindernis; es sei denn, dass jemand ein Verbrechen begeht, das er nach Recht oder nach Gnaden büßen muss.

7. Weiterhin: Weder wir, unsere Amtleute noch jemand von unserer Seite sollen denjenigen, welche die Stadt Dortmund aufsuchen wollen, um Waren ab- oder zuzuführen, in irgendeiner Weise daran hindern oder sie stören, sondern wir und die Unseren sollen sie friedlich ab- und zuziehen lassen; es sei denn, dass es uns selbst so gelegen wäre, dass wir des Korns, das in unserem Lande wächst, selbst bedürften, ohne Arglist, oder dass diejenigen, welche Dortmund aufsuchten, unsere abgesagten [erklärten] Feinde wären oder dass jemand ein Verbrechen begangen hätte, das er büßen müsste, ohne Arglist.

8. Weiterhin: Sollten irgendwelche Streitigkeiten zwischen uns und unseren Untertanen und denen von Dortmund bestehen, die noch unverbrieft [ungeklärt] sind, so haben wir von unserer Seite vier unserer Freunde dazu ernannt, namentlich: Johann Weite von dem Cleve, Wynemer Dukere, Goswin Holthei und Hermann Wanthove. Diese vier sollen mit vier Bürgermeistern zu Dortmund, neuen und alten, Vollmacht haben, die Sachen zu schlichten, beizulegen und zu beenden innerhalb Dortmunds nach Recht oder in Freundschaft innerhalb der nächsten drei vierzehn Tage [sechs Wochen], ausgenommen das, was die Gerichtsbarkeit derer von Dortmund betrifft.

9. Weiterhin: Wenn es an den acht Vorgenannten mangeln sollte, so dass sie alle acht nicht zusammenkämen, so sollen dennoch sechs oder vier (jeweils zu gleichen Teilen von beiden Seiten) Vollmacht haben, die Sachen zu schlichten, beizulegen und zu beenden innerhalb Dortmunds nach Recht oder in Freundschaft, wie vorgenannt steht.

10. Weiterhin: Wenn einer der vier oder alle versterben sollten, die wir dazu ernannt haben, oder wenn wir einen anderen an ihre Stelle setzen wollten: Sooft das geschieht, sollen wir einen anderen guten Mann wieder an seine Stelle setzen innerhalb der nächsten vierzehn Tage danach. Desgleichen in derselben Weise dürfen die von Dortmund auch tun.

11. Weiterhin wollen wir, dass all unsere Amtleute, die es jetzt zur Zeit sind oder hiernach zu unseren Lebzeiten unsere Amtleute werden, nach Dortmund in die Stadt kommen sollen innerhalb der nächsten vierzehn Tage, wenn die von Dortmund uns darum ersuchen, und sollen sichern und schwören mit aufgerichteten Fingern und mit Stabeiden [feierlichen Eiden] dem Rat von Dortmund, alle vorgenannten Punkte und einen jeden im Besonderen stetig und fest einzuhalten, solange sie unsere Amtleute sind, so wie wir, unsere Burgmänner, Untertanen und Städte es in diesem Brief geschworen haben, ohne alle Arglist.

12. Weiterhin bekennen wir, Graf Engelbert von der Mark vorgenannt, dass wir alle Artikel und Punkte und einen jeden im Besonderen in gutem Glauben zugesichert haben und zudem mit aufgerichteten leiblichen Fingern und mit Stabeiden zu den Heiligen [auf Reliquien] geschworen haben, stetig, fest und unverbrüchlich einzuhalten in aller Weise und Form, wie es vorstehend in diesem Brief geschrieben steht, ohne alle Arglist.

13. Weiterhin: Wir, Rotger von Galen, Rikert von Boynen der Ältere, Johan Weite von dem Clive, Hughe van der Horst, Wilhelm Dobbe der Ältere, Diderich von Boyle der Ältere, Evert von Wickede, Wynemer Dukere, Herman Wanthoff, Herman von Wittene (Wernykens Sohn), Goswin Holthei, Lambert Hake, Godeke von Summeren, Heidenrich von Plettenbracht, Hinrich Clot von Nartholen, Otte Schule, Herbert von Mallinchrode und Daem Tolnere, Burgmänner und Untertanen unseres lieben gnädigen Herrn, Herrn Engelbert, Grafen von der Mark, haben gelobt, in gutem Glauben zugesichert und mit aufgerichteten Fingern und mit Stabeiden zu den Heiligen geschworen, dass wir, solange unser gnädiger Herr, Herr Graf Engelbert von der Mark lebt, der von Dortmund Feinde nicht werden sollen, und sollen ihnen treulich, stetig und fest halten alle Artikel und Punkte und einen jeden im Besonderen, die ihnen unser gnädiger Herr, Herr Graf Engelbert von der Mark vorgenannt, in diesem gegenwärtigen Brief geschworen und besiegelt hat.

14. Weiterhin: Wir, Bürgermeister, Rat und die gemeinen Bürger der Stadt Hamm, und wir, Bürgermeister, Rat und die gemeinen Bürger der Stadt Kamen, und wir, Bürgermeister, Rat und gemeinen Bürger der Stadt Unna, und wir, Bürgermeister, Rat und gemeinen Bürger der Stadt Iserlohn, bekennen, dass wir der von Dortmund Feinde nicht werden sollen, solange unser lieber gnädige Herr, Herr Graf Engelbert von der Mark lebt.

Und hierzu haben wir, der Rat von Hamm, von unserer und unserer gemeinen Bürger wegen beigeordnet: Evert Vrydag, genannt der Reiter, Godeke den Richter, Sander Loring und Gerd Meineken. Und wir, der Rat von Kamen, von unserer und von unserer gemeinen Bürger wegen haben beigeordnet: Gerd Copman, Gerd und Evert Lore (Brüder) und Diderich Comes. Und wir, der Rat von Unna, von unserer und unserer gemeinen Bürger wegen haben beigeordnet: Hunold von Berdinch, Tidde von Unna, Hinrich Rumpe und Frederich Distel. Und wir, der Rat von Iserlohn, von unserer und unserer gemeinen Bürger wegen haben beigeordnet: Klaus Wasmoid, Berthold vor der Pforte, Tideman Wynman und Hinrich der Meghede den Älteren.

Von welchen jeweils vier im Besonderen von ihrer Stadt und ihrer gemeinen Bürger wegen gelobt, in gutem Glauben zugesichert und mit aufgerichteten leiblichen Fingern und mit Stabeiden zu den Heiligen geschworen haben, treulich stetig und fest einzuhalten alle Artikel und Punkte und einen jeden im Besonderen, die ihnen unser gnädiger Herr, Herr Graf Engelbert von der Mark vorgenannt, in diesem gegenwärtigen Brief geschworen und besiegelt hat.

15. Weiterhin bekennen wir, Graf Engelbert von der Mark vorgenannt: Sollte es vorkommen, dass von unseren vorgenannten Burgmänneren und Untertanen, die diesen Brief mit uns besiegelt haben, einer zu unseren Lebzeiten verstünde [verstürbe]: Sooft das geschieht, sooft sollen wir einen anderen guten Mann aus unserem Lande an des Toten Stelle setzen innerhalb des nächsten Monats danach, wenn die von Dortmund uns darum ersuchen, welcher zusichern und schwören soll in einem Transfixbrief [einer angehefteten Urkunde], durch diesen Brief gestochen, alle Punkte und Artikel stetig und fest einzuhalten, die in diesem Brief geschrieben stehen, so wie derjenige getan hatte, der verstorben ist; und damit soll dieser Brief in keinerlei Weise ungültig gemacht oder gekränkt [geschmälert] werden, sondern er soll gleichermaßen in all seiner vollkommenen Kraft bleiben.

Auch bekennen wir, Graf Engelbert von der Mark vorgenannt: Falls von den sechzehn Vorgenannten, welche unsere Städte von ihrer wegen beigeordnet haben – namentlich Hamm, Kamen, Unna und Iserlohn –, einer zu unseren Lebzeiten versterben sollte: Wenn die von Dortmund uns deswegen mahnen, so sollen wir dafür Sorge tragen, dass die Stadt, an der es mangelt, einen anderen guten Mann aus ihrem Rat dazu ordnet, sooft es nötig ist, der von ihrer Stadt wegen unter demselben Insiegel der Stadt alle diese vorgenannten Punkte zusichert und schwört, so wie derjenige getan hatte, der verstorben war.

Zur Urkunde, Bekräftigung und Anerkennung all dieser vorgenannten Artikel und Punkte haben wir, Graf Engelbert von der Mark vorgenannt, unser großes Insiegel [Hauptsiegel] mit unserem Wissen an diesen Brief hängen lassen. Und weiterhin haben wir, Burgmänner und Untertanen vorgenannt, zu größerer Bekräftigung und Anerkennung unsere Insiegel an diesen Brief gehängt. Und weiterhin haben wir, Bürgermeister und Rat der Städte vorgenannt, zu größerer Bekräftigung und Anerkennung unserer Städte Insiegel an diesen Brief gehängt.

Gegeben im Jahre des Herrn 1391, am Vorabend der Verkündigung der allerseligsten Jungfrau Maria [24. März 1391].

Literatur

  • Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band II. Erste Hälfte. Dortmund 1890

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band II. Erste Hälfte. Dortmund 1890, S. 281-286