Graf Engelbert von der Mark schließt am 28. Februar 1364 mit der Stadt Dortmund zu deren Schutz ein Bündnis auf Lebenszeit.

Wappen der Grafen von der Mark

Wortlaut

Die Urkunde ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Rübel (Band I, S. 571-574) zitiert: [1]

Wii Engelbrecht greve van der Marke doit kundich allen luden unde bekennet in diesen openen breyve, dat wii um gunst unde vrentschap hebt by raide unser vrende uns unde unse erven verbunden unde verbyndet mit der stad, mit dem raide unde mit den ghemeynen burgeren van Dortmunde also lange, alse wii greve Engelbreda vorscr. levet, unde lovet en in guden truwen. 1) Dat wii ere liif unde ere gud beschermen sulen unde welt, unde en truwelike helpen tyegen ab dey ghene, dey nu ere vyande sin unde binnen der tiit dat wii levet ere vyande werdet, op unsen schaden, eventure unde egene kost, uyt ghenomen in diesen verbunde unde vrentschap van unser wegene dem Romschen rike unde ersamen unde edelen heren hern Alve unsen brudere, ertsebyscope van Colne, heren Johanne byscope van Munstere, hern Engelbrechte byscope van Ludike, hern Wilhelme hertogen van Gulike, hern Wilhelme van dem Berghe, hern Johanne van Cleve, hern Goderde van Arnsbergh, hern Clawese van Tekeneborch, hern Diderike van Lymborgh den iungen greven, hern Bernde here van der Lyppe, Diderike van der Marke unsen broder, unde Symone van der Lippe unsen neven, unde uyt ghenomen van der van Dortmunde wegene dem Romschen rike, hern Alve ertsebysscope van Colne, hern Goderde greven van Arnsbergh unde den steden, alse Munstere. Osenbrucge unde Suyst. 2) Unde wii greve van der Marke vornompt verbyndet uns unde unse erven mit der stad, mit dem raide unde mit den ghemeinen burgeren van Dortmunde in wyse unde underschede, alse hir na ghescriven steit, dat dey van Dortmunde sulen eyme ytliken dun unde van eyme ytliken nemen van aller aensprake na vrentschap efte na rechte. Went we van dem raide unde van den burgeren van Dortmunde neyn recht nemen noch en neyn recht dun enwolde, des vyand sule wii und welt to hant wesen, mit al unsen amptluden, dey to der tiit sint it enwere sake, dat dey ghene dey dey van Dortmunde verunrechten wolde, er were ein efte meer, uns sunderlike vrentlich weren, den sule wii unde mogen unse vyantschap aighte daige to voren kundich dun. 3) Wert ock sake, dat tusschen den vornompden heren efte yenigen van den heren, dey wii in dieser vrentschap unde verbunde uyt ghenomen hebt, unde der stad, dem raide unde den burgeren van Dortmunde yenigerleye kunne, crich, uplop, tvist ef orloge opstonden binnen der tiit, dat wii levet, went wii der van Dortmunde mechtich sin to rechte, enwolden uns dan dey heren ef dey here des nycht horen, so ensule wii unde alle dey under uns in unserne lande gheseten sin, der heren sy eyn ef meer, nycht behelplich noch vorderlich wesen sunder arghelist, men wii unde dey unse sulen unde welt der stad , dem raide unde den ghemeynen burgeren van Dortmunde ghehengigh wesen sunder arghelist. 4) Vortmer, vellet, dat welich meynsche in unseme lande hedde yenigerleye sake wider yenigen burgere van Dortmunde, dey ensal noch liif noch gud anderer burgere van Dortmunde hyndern noch besetten, men allene des meynschen liif unde gud, dar dey sake tvegen gheit, unde van deme sal dey clegere nemen ein unvertoget recht. 5) Vart so welle wii unde lovet in diesen breyve stede unde vast to haldene, dat dey raid unde dey ghemeynen burgere van Dortmunde mogen mit eren gude unde mit eren ghesinne seker unde vry in unseme gheleyde, in unse land, stede unde veste komen, dar inne wesen unde dorch unse land unde herschap varen unde teyn unde widerkomen ane yenigerhande hynder, it enwere, dat wey breke, dat dey beterde na rechte ef na ghenade. 6) Vart welle wii. dat so wanner unde vu dicke dey burgere van Dortmunde ef er helpere eyne volgynge dun wellet up ere vyande, dat dey burgere unde ere helpere mogen also dicke seker teyn dorch unse land unde unse gherichte. Worden ock unse amptlude, dey to der tiit weren, unde unse undersaten dar umme gheeyschet van den burgeren van Dortmunde ef van eren helperen, so sulen sey mit ers selves lyven unde mit clockenslage mit unseme gantzen lande der van Dortmunde und eire helpere liif unde gud beschermen unde en truwelike helpen. 7) Vart worde der vornompden burgere van Dortmunde eyn ef meer ghevangen efte ere gud ghenomen, dat sulen unse amptlude, dey to der tiit sin unde unse untersaten mit unsen gantzen lande keren na al erre macht. 8) Ock ensal neyn van unsen undersaten der van Dortmunde vyande husen noch hoven. 9) Ock so verbynde wii uns unde lovet, dat so wanner unde wu dicke dey van Dortmunde reysen welt, dat dan so welk van unsen amptmannen gheeyschet wert van en, dat dey sal mit synes selves lyve mit also vele wapenden luden, alse hey hebben kan, ef mit unseme gantzen lande eyne navolgynge dun up ere vyande. Up dat alle diese vorscrevenen stucke deste beth bewart unde ghehalden werden, so welle wii, dat al unse amptlude, dey to der tiit sin, komen to Dortmunde in dey stad unde sulen loven in guden truwen, stede unde vast to haldene dem raide unde den burgeren van Dortmunde al diese vornompden puncte unde stucke na al erre macht, unde dat alle diese vornompden stucke deste vastere ghehalden werden, so hebbe wii van unser weghene ghesat unse leyven vrende Hermanne van Pentlyneg, ritter, unsen amptman to Unna unde Diderike van Wermynchusen unsen droesten to Wettere, wilke tve sulen mit tven burgermesteren, dey to der tiit to Dortmunde sin, vulle macht hebben to likene, to verslichtene unde to endene na rechte ef in vrentschap binnen der stad van Dortmunde alle dynch, dey to rechtverdigen sin van allen saken dey vornompt sin, unde wert, dat der tviger unser vrende vorgenant ein ef sey beyde, ef dey in er stiitde ghesat werdet, aifgengen, wo dicke dat ghesche, alse dicke sule wii, binnen nesten veyrtinnaichten dar na einen andern ef tve also gude an er stiitde widersetten sunder widersprake. Al arghelist uyt ghesait in alle diesen dyngen. To eime tuge der warheit unde vestynge alle dieser vorghenompden stucke hebbe wii Engelbrecht, greve van der Marke vorgenant, vor uns und vor unse erven unse grote seghel dun hangen an diesen breyf. Datum anno domini 1364 feria 4 proxima post festum beati Mathie apostoli.

Übersetzung

Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Urkundentext wie folgt:

Wir, Engelbert, Graf von der Mark, tun kund allen Leuten und bekennen in diesem offenen Brief:

Dass wir um Gunst und Freundschaft willen, nach dem Rat unserer Freunde, uns und unsere Erben verbunden haben und hiermit verbinden mit der Stadt, dem Rat und den gemeinen Bürgern von Dortmund, so lange wir, der vorgenannte Graf Engelbert, leben, und geloben ihnen in gutem Glauben:

Dass wir ihr Leib und Gut beschirmen sollen und wollen und ihnen getreulich helfen gegen all jene, die jetzt ihre Feinde sind oder während unserer Lebenszeit ihre Feinde werden, auf unseren Schaden, unser Risiko und unsere eigenen Kosten. Ausgenommen von diesem Bündnis sind unsererseits: das Römische Reich, unser Bruder Erzbischof Adolf von Köln, Bischof Johann von Münster, Bischof Engelbert von Lüttich, Herzog Wilhelm von Jülich, Wilhelm von dem Berg, Johann von Kleve, Gottfried von Arnsberg, Nikolaus von Tecklenburg, der junge Graf Dietrich von Limburg, Bernhard Herr zur Lippe, unser Bruder Dietrich von der Mark und unser Neffe Simon zur Lippe. Seitens der Stadt Dortmund sind ausgenommen: das Römische Reich, Erzbischof Adolf von Köln, Graf Gottfried von Arnsberg und die Städte Münster, Osnabrück und Soest.

Wir, der vorgenannte Graf, verbinden uns und unsere Erben mit der Stadt Dortmund in der Weise, dass die Dortmunder jedem gegenüber bezüglich aller Ansprüche nach Freundschaft oder nach Recht verfahren sollen. Wenn jemand gegenüber dem Rat und den Bürgern von Dortmund weder Recht nehmen noch geben will, so wollen und werden wir sogleich dessen Feind sein, mitsamt all unseren Amtleuten. Es sei denn, die Person, die Dortmund Unrecht tut, ist uns besonders freundschaftlich verbunden; in diesem Fall dürfen wir unsere Feindschaft acht Tage zuvor ankündigen.

Sollte zwischen den oben ausgenommenen Herren und der Stadt Dortmund Krieg, Aufruhr oder Zwist entstehen, so werden wir – sofern wir über die Dortmunder zu Recht verfügen können – und alle unsere Untertanen diesen Herren nicht behilflich oder förderlich sein, sondern wir und die Unseren wollen der Stadt Dortmund ohne Arglist beistehen.

Weiterhin: Falls eine Person in unserem Land irgendeine Sache gegen einen Dortmunder Bürger hat, darf sie weder Leib noch Gut anderer Dortmunder Bürger behindern oder pfänden, sondern allein Leib und Gut derjenigen Person, gegen die sich die Sache richtet; und der Kläger soll dort unverzüglich Recht erhalten.

Wir versprechen, festzuhalten, dass der Rat und die Bürger von Dortmund mit ihrem Gut und Gefolge sicher und frei unter unserem Geleit in unser Land und unsere Städte kommen und ziehen können. Wer dagegen verstößt, muss nach Recht oder Gnade dafür büßen.

Wann immer die Dortmunder oder ihre Helfer eine Verfolgung (Nacheile) ihrer Feinde aufnehmen, dürfen sie sicher durch unser Land ziehen. Werden unsere Amtleute oder Untertanen von den Dortmundern um Hilfe gerufen, sollen sie mit ihrem eigenen Leib, durch Glockenschlag und mit unserem ganzen Land Leib und Gut der Dortmunder schützen.

Sollten einer oder mehrere Bürger gefangen oder ihr Gut geraubt werden, sollen unsere Amtleute und Untertanen dies mit aller Macht abwenden.

Keiner unserer Untertanen darf den Feinden Dortmunds Unterschlupf oder Hofstatt gewähren.

Sooft die Dortmunder ausziehen und unsere Amtmänner zur Hilfe anfordern, sollen diese mit so vielen Bewaffneten wie möglich oder mit dem ganzen Land die Verfolgung der Feinde unterstützen.

Damit alle diese Punkte besser gewahrt bleiben, sollen alle unsere jeweiligen Amtleute nach Dortmund kommen und in gutem Glauben geloben, diese Punkte nach Kräften einzuhalten. Um die Bestimmungen zu festigen, haben wir unsere lieben Freunde Hermann von Pentling (Ritter, Amtmann zu Unna) und Diederich von Werminghausen (Drost zu Wetter) eingesetzt. Diese beiden sollen zusammen mit zwei Dortmunder Bürgermeistern die volle Macht haben, alle Streitfälle innerhalb der Stadt Dortmund nach Recht oder in Freundschaft zu schlichten. Sollte einer dieser Schlichter sterben, werden wir innerhalb von 14 Tagen einen gleichwertigen Ersatz bestimmen.

Alles ohne Arglist. Als Zeugnis der Wahrheit haben wir, Graf Engelbert von der Mark, unser großes Siegel an diesen Brief gehängt.

Gegeben im Jahre des Herrn 1364, am Mittwoch nach dem Fest des seligen Apostels Matthias.

Literatur

  • Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band I. Zweite Hälfte. Dortmund 1885

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band I. Zweite Hälfte. Dortmund 1885