Wiescherhöfen: Unterschied zwischen den Versionen
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== Geografische Lage == | == Geografische Lage == | ||
Wiescherhöfen liegt am östlichen Ende des Ruhrgebietes und südlich an der Grenze zum Kreis Unna. Es grenzt im Norden an den Stadtteil [[Westen]] im Bezirk Mitte sowie den Bezirk [[Herringen]], im Nordosten an [[Berge]] im Bezirk Rhynern | Wiescherhöfen liegt am östlichen Ende des Ruhrgebietes und südlich an der Grenze zum Kreis Unna. Es grenzt im Norden an den Stadtteil [[Westen]] im Bezirk Mitte sowie den Bezirk [[Herringen]], im Nordosten an [[Berge]] im Bezirk Rhynern und im Süden an [[Weetfeld]]. | ||
Der Stadtteil umfasst die Ortsteile [[Wiescherhöfen]], [[Selmigerheide]], [[Lohauserholz]] und [[Daberg]]. | |||
== Namensherkunft== | == Namensherkunft== | ||
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Zu Wiescherhöfen gehörten zu dieser Zeit die Ortsteile Kissingerhöfen, [[Daberg]], Geist, [[Lohauserholz]], [[Selmigerheide]] und die Harringholzsiedlung. | Zu Wiescherhöfen gehörten zu dieser Zeit die Ortsteile Kissingerhöfen, [[Daberg]], Geist, [[Lohauserholz]], [[Selmigerheide]] und die Harringholzsiedlung. | ||
Eine Privatschule wurde in der Selmigerheide schon im Jahre [[1762]] errichtet, um den kleineren Kindern aus Wiescherhöfen den weiten Weg zur Kirchspielschule nach Herringen zu ersparen.<ref>Datenchronik Stadtarchiv Hamm</ref> | Eine Privatschule wurde in der Selmigerheide schon im Jahre [[1762]] errichtet, um den kleineren Kindern aus Wiescherhöfen den weiten Weg zur [[Kirchspielschule]] nach Herringen zu ersparen.<ref>Datenchronik Stadtarchiv Hamm</ref> | ||
Insgesamt 17 Gemeinden wurden [[1797]] zum Amtsbezirk Pelkum zusammengefasst, weil die kleinen Gemeinden nicht alle Aufgaben aus eigener Kraft erledigen konnten. Die Hauptstelle des Amtes befand sich in Pelkum, der damals größten Gemeinde im Bezirk. | Insgesamt 17 Gemeinden wurden [[1797]] zum Amtsbezirk Pelkum zusammengefasst, weil die kleinen Gemeinden nicht alle Aufgaben aus eigener Kraft erledigen konnten. Die Hauptstelle des Amtes befand sich in Pelkum, der damals größten Gemeinde im Bezirk. | ||
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Der Brandschutz wurde [[1827]] per Vertrag geregelt. Dreißig Bauern und Kötter einigten sich auf eine Umlage, um den Transport der Druckspritze zum Brandort zu regeln und zu finanzieren. Das Spritzenhaus war an der heutigen [[Weetfelder Straße]] / Einmündung [[Baumhofstraße]]. Die Brandbekämpfung erfolgte durch freiwillige Helfer und Nachbarn. | Der Brandschutz wurde [[1827]] per Vertrag geregelt. Dreißig Bauern und Kötter einigten sich auf eine Umlage, um den Transport der Druckspritze zum Brandort zu regeln und zu finanzieren. Das Spritzenhaus war an der heutigen [[Weetfelder Straße]] / Einmündung [[Baumhofstraße]]. Die Brandbekämpfung erfolgte durch freiwillige Helfer und Nachbarn. | ||
Im Jahre [[1831]] betrug die Einwohnerzahl 454. | |||
Der [[Schützenverein Wiescherhöfen-Lohauserholz 1838 e.V.|Schützenverein Wiescherhöfen-Lohauserholz]] wurde im Jahre [[1838]] ins Leben gerufen. | Der [[Schützenverein Wiescherhöfen-Lohauserholz 1838 e.V.|Schützenverein Wiescherhöfen-Lohauserholz]] wurde im Jahre [[1838]] ins Leben gerufen. | ||
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Am [[1. April]] [[1884]] wurde vom Amtsbezirk Pelkum die Amtsparkasse eröffnet, welche auch in der Selmigerheide und Lohauserholz Zweigstellen besaß. | Am [[1. April]] [[1884]] wurde vom Amtsbezirk Pelkum die Amtsparkasse eröffnet, welche auch in der Selmigerheide und Lohauserholz Zweigstellen besaß. | ||
Der [[MGV Harmonie Wiescherhöfen|Männergesangverein Harmonie Wiescherhöfen]] gründete sich [[1899]]. | |||
=== 20. Jahrhundert === | === 20. Jahrhundert === | ||
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Auf dem Gemeindegebiet befand sich später der größte [[Rangierbahnhof|Verschiebebahnhof Europas]]. Von insgesamt elf Bauern wurden ca. 75 Hektar Land erworben, um diesen Bahnhof zu errichten. Das [[Haus Lohausen|Rittergut Lohaus]] (Namensgeber des Ortsteiles Lohauserholz) verschwand durch den Verschiebebahnhof vollständig. | Auf dem Gemeindegebiet befand sich später der größte [[Rangierbahnhof|Verschiebebahnhof Europas]]. Von insgesamt elf Bauern wurden ca. 75 Hektar Land erworben, um diesen Bahnhof zu errichten. Das [[Haus Lohausen|Rittergut Lohaus]] (Namensgeber des Ortsteiles Lohauserholz) verschwand durch den Verschiebebahnhof vollständig. | ||
Als dritte Eisenbahnstrecke wurde die '''Osterfelder Bahn''' (vom [[Hauptbahnhof]] über [[Bahnhof Pelkum|Pelkum Bahnhof]] nach Oberhausen-Osterfelde) im Jahre [[1905]] in Betrieb genommen. Sie diente vor allem dem Abtransport der Erzeugnisse der Zeche de Wendel. | Als dritte Eisenbahnstrecke wurde die '''Osterfelder Bahn''' (vom [[Hauptbahnhof]] über [[Bahnhof Pelkum|Pelkum Bahnhof]] nach Oberhausen-Osterfelde) im Jahre [[1905]] in Betrieb genommen. Sie diente vor allem dem Abtransport der Erzeugnisse der Zeche de Wendel. | ||
Im selben Jahr wurde der Turnverein „TV Deutsche Treue Wiescherhöfen“ ins Leben gerufen. Die Freiwillige Feuerwehr Wiescherhöfen wurde am [[9. Januar]] [[1909]] gegründet und erhielt ein Feuerwehrhaus mit Steigerturm neben der Dorfschule. Die heutige [[Schützengesellschaft Wiescherhöfen-Weetfeld]] nahm am [[28. Februar]] [[1909]] ihre Tätigkeit auf. Am [[10. Juni]] [[1910]] gründete sich der [[SC Wiescherhöfen|Sport-Club Wiescherhöfen]]. | |||
Die Einwohnerzahl stieg, bedingt durch die Eisenbahn und Zeche, weiter: Im Jahre [[1900]] betrug sie 1298 Einwohner, [[1914]] waren es bereits 4515. | Die Einwohnerzahl stieg, bedingt durch die Eisenbahn und Zeche, weiter: Im Jahre [[1900]] betrug sie 1298 Einwohner, [[1914]] waren es bereits 4515. | ||
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Durch den Steinkohlenbergbau kam es im Stadtteil wiederholt zu Bergsenkungen. Die Straße [[Wasserfall]] zeugt beispielsweise noch heute von einem solchen Vorfall. | Durch den Steinkohlenbergbau kam es im Stadtteil wiederholt zu Bergsenkungen. Die Straße [[Wasserfall]] zeugt beispielsweise noch heute von einem solchen Vorfall. | ||
Am [[ | Am [[17. September]] [[1950]] wurde das neu erbaute Feuerwehrhaus Wiescherhöfen mit einem Schlauchturm an der Straße [[Auf der Horst]] seiner Bestimmung übergeben. Das Löschfahrzeug stand im Erdgeschoss. Im ersten Obergeschoss und im Dachgeschoss befand sich jeweils eine Wohnung. | ||
Am [[13. Februar]] [[1965]] wurde der Grundstein für die neue Fahrzeughalle der freiwilligen Feuerwehr an der [[Selmigerheideschule]] gelegt, die bis heute genutzt wird. Sie wurde am [[27. November]] des gleichen Jahres in Betrieb genommen. Das Gebäude verfügt auch über eine Alarmsirene. Zeitgleich ginf das erste Drehleiterfahrzeug (Magirusleiter auf Klöckner-Humboldt-Deutz Fahrgestell) in den Einsatzdienst. | |||
==== Kommunale Neuordnung ==== | ==== Kommunale Neuordnung ==== | ||
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Das Amt Pelkum wurde mit Wirkung vom [[1. Januar]] [[1968]] aufgelöst. Bei der [[Münster-Hamm-Gesetz|2. kommunalen Neuordnung]] [[1975]] wurde der Rest von Wiescherhöfen schließlich ebenfalls der Stadt Hamm zugeordnet. | Das Amt Pelkum wurde mit Wirkung vom [[1. Januar]] [[1968]] aufgelöst. Bei der [[Münster-Hamm-Gesetz|2. kommunalen Neuordnung]] [[1975]] wurde der Rest von Wiescherhöfen schließlich ebenfalls der Stadt Hamm zugeordnet. | ||
Die beiden Gemeindevertreter der Gemeinden Wiescherhöfen und Weetfeld einigten sich [[1971]] darauf, das Weetfelder Feuerwehrfahrzeug im Feuerwehrhaus Wiescherhöfen unterzustellen. Die Nutzung der Gebäude wurde der Feuerwehr Weetfeld ebenfalls gestattet. Das alte Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Weetfeld an der heutigen Kreuzung [[Wilhelm-Lange Straße]]/[[Weetfelder Straße]] wurde in Eigenarbeit abgerissen. | |||
Heftige Regenfälle am [[20. Mai]] [[1978]] waren der Beginn einer Überflutung des [[Wiescherbach|Wiescherbachs]]. Am [[24. Mai]] wurde Katastrophenalarm ausgerufen. Mit Hilfe von Einsatzkräften der Bundeswehr konnten schließlich 31 Hektar überflutete Flächen wieder freigepumpt werden.<ref> vgl. Dotter, Hans-Karl; Beeck, Anneliese: Bilder-Chronik. Aus 25 Jahren Hammer Stadtgeschichte 1965–1990, S. 81</ref> | |||
1978 war auch das Jahr, in dem der [[Bahnhof Wiescherhöfen|Bahnhof]] für immer geschlossen wurde. Die Züge aus und nach Bönen, Unna und Hagen fahren seitdem ohne Halt durch den Stadtteil. | |||
Am [[31. März]] [[1987]] wurde die Kokerei der Zeche Heinrich-Robert geschlossen. Im Herbst wurde mit dem Abriss der Gebäude begonnen. Er dauerte bis zum Frühjahr [[1988]]. Gegen Ende mussten die beiden Kamine weichen. Durch die Stilllegung der Kokerei änderte sich das Ortsbild entsprechend: Nachdem das Feuer in den Öfen erloschen war, blieben auch die Löschwasserdampfwolken und Abgasfackeln aus. Nach dem Abriss wollte man ein Industriedenkmal in Form einer Koksofentür aufstellen, allerdings wurde bereits alles entsorgt. Die auf dem [[Wiescherhöfener Markt|Wiescherhöfener Marktplatz]] ausgestellte Ofentür stammt von der Kokerei Hansa in Dortmund. | |||
=== 21. Jahrhundert === | === 21. Jahrhundert === | ||
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Anfang der 2000er-Jahre verlor außerdem der [[Rangierbahnhof]] erhebliche Teile seiner Aufgaben an den neuen Rangierbahnhof in Hagen-Vorhalle, weshalb Anlagen in Hamm stillgelegt wurden und weitere Industriearbeitsplätze verloren gingen. Teile des Rangierbahnhofs dienen seither als Anlagen des Stillstandsmanagements der Deutschen Bahn AG, also nur noch zur Abstellung nicht benötigter Eisenbahnfahrzeuge. Eine Revitalisierung als ''[[Multi-Hub Westfalen]]'' ist seit Oktober zumindest 2021 wieder beabsichtigt. | Anfang der 2000er-Jahre verlor außerdem der [[Rangierbahnhof]] erhebliche Teile seiner Aufgaben an den neuen Rangierbahnhof in Hagen-Vorhalle, weshalb Anlagen in Hamm stillgelegt wurden und weitere Industriearbeitsplätze verloren gingen. Teile des Rangierbahnhofs dienen seither als Anlagen des Stillstandsmanagements der Deutschen Bahn AG, also nur noch zur Abstellung nicht benötigter Eisenbahnfahrzeuge. Eine Revitalisierung als ''[[Multi-Hub Westfalen]]'' ist seit Oktober zumindest 2021 wieder beabsichtigt. | ||
Im Jahre [[2013]] wurde die unter Denkmalschutz stehende ehemalige Dorfschule der Feuerwehr Wiescherhöfen/Weetfeld und der Jugendfeuerwehr für ihren Schulungsbetrieb zur Verfügung gestellt, welche die Räumlichkeiten in Eigenleistung renovierten und umbauten. | |||
==== Nachnutzung des Bergwerks Ost ==== | ==== Nachnutzung des Bergwerks Ost ==== | ||
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Das das Bild des Stadtteils prägende Hammerkopf-Gebäude des Bergwerks sowie weitere Gebäude bleiben hiervon unberührt und stehen inzwischen unter Denkmalschutz.<ref>[https://www.wa.de/hamm/berlin-steckt-millionen-in-hammer-creativrevier-heinrich-robert-90113653.html Wa.de vom 27.11.2020]</ref> | Das das Bild des Stadtteils prägende Hammerkopf-Gebäude des Bergwerks sowie weitere Gebäude bleiben hiervon unberührt und stehen inzwischen unter Denkmalschutz.<ref>[https://www.wa.de/hamm/berlin-steckt-millionen-in-hammer-creativrevier-heinrich-robert-90113653.html Wa.de vom 27.11.2020]</ref> | ||
=== Einwohnerentwicklung === | |||
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! Jahr | |||
! Einwohner | |||
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| 1831 || align=right | 454 | |||
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| 1849 || align=right | 499<ref> [[Literatur|Essellen 1851]], S. 166 (Bauerschaft Wiescherhöfen).</ref> | |||
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| 1876 || align=right | 782<ref> ''Adreß-Buch für den Regierungs-Bezirk Arnsberg 1877'', Arnsberg 1876, S. 35 (Wiescherhöfen).</ref> | |||
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| 1931 || align=right | 6152<ref> | |||
↑ Handbuch der Ämter und Landgemeinden in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen, Preußischer Landgemeindetag West, Berlin 1931.</ref> | |||
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| 1956 || align=right | 8567<ref>Lucas, Otto: Kreis-Atlas Unna. Unna/Münster 1957.</ref> | |||
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| 1961 || align=right | 9223<ref>Bünermann, Martin/Köstering, Heinz: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 267.</ref> | |||
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== Bekannte Persönlichkeiten == | |||
* [[Karl Isenbeck]] (1904–1945), Pflanzenzuchtwissenschaftler | |||
* [[Walther Lipphardt]] (1906–1981), Musik- und Theaterwissenschaftler, Kirchenmusiker und Gymnasiallehrer | |||
== Öffentliche Einrichtungen == | == Öffentliche Einrichtungen == | ||