Totschlag an Hannah S.: Unterschied zwischen den Versionen
RaWen (Diskussion | Beiträge) K Ergänzung Reportage Lahme 2025 |
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== Gedenken der Familie == | == Gedenken der Familie == | ||
Unter einem Baum an der Fundstelle des Leichnams ist eine provisorische Gedenkstätte eingerichtet, an der Kerzen, Kreuze und Blumen abgelegt werden. | Die Beisetzung fand Anfang Oktober 2021 auf einem Friedhof in Hamm statt.<ref name="wasystem25"/> Unter einem Baum an der Fundstelle des Leichnams ist eine weitere, provisorische Gedenkstätte eingerichtet, an der Kerzen, Kreuze und Blumen abgelegt werden. | ||
Nach Aussagen der Familie wurde die Gedenkstätte um den Geburtstag der Verstorbenen im Jahr 2023 von Unbekannten geplündert. Die von der Familie dort platzierten Devotionalien seien verschwunden, darunter ein Kreuz mit Namen aus Plexiglas, eine Tulpe aus Metall und Holz sowie ein Panda.<ref>Frank Lahme: [https://www.wa.de/hamm/gepluenderte-gedenkstelle-das-traurige-treiben-von-vandalen-am-olg-teich-92354586.html ''Geplünderte Gedenkstelle: Das traurige Treiben von Vandalen am OLG-Teich'']. In: wa.de vom 21. Juni 2023.</ref> | Nach Aussagen der Familie wurde die Gedenkstätte um den Geburtstag der Verstorbenen im Jahr 2023 von Unbekannten geplündert. Die von der Familie dort platzierten Devotionalien seien verschwunden, darunter ein Kreuz mit Namen aus Plexiglas, eine Tulpe aus Metall und Holz sowie ein Panda.<ref>Frank Lahme: [https://www.wa.de/hamm/gepluenderte-gedenkstelle-das-traurige-treiben-von-vandalen-am-olg-teich-92354586.html ''Geplünderte Gedenkstelle: Das traurige Treiben von Vandalen am OLG-Teich'']. In: wa.de vom 21. Juni 2023.</ref> | ||
Bereits ihrer Traueranzeige erhob die Familie den Vorwurf, dass „Behörden, Institutionen und selbst die Gastronomie“ versagt hätten. | |||
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Datei:Traueranzeige zu Hannah - Mordfall am OLG.png|Traueranzeige der Familie (2021) | Datei:Traueranzeige zu Hannah - Mordfall am OLG.png|Traueranzeige der Familie (2021) | ||
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== Kritik an Polizei, Justiz und Öffentlichkeit == | |||
Nach Abschluss der Verfahren im Jahr [[2025]] veröffentlichte Frank Lahme vom Westfälischen Anzeiger eine ausführliche Reportage. Hierin äußerten die Eltern des Opfers scharfe Kritik am Umgang mit Opferfamilien im deutschen Rechtssystem. Bereits die erste Benachrichtigung über den Tod ihrer Tochter auf einem Campingplatz am Walchensee in Oberbayern, wo sie zu dieser Zeit mit ihrem Wohnmobil Urlaub machten, sei unsensibel erfolgt. Bspw. hätten Rettungskräfte das Wohnmobil der Eltern mit ihren Fahrzeugen eingekeilt, um eine Wegfahrt zu verhindern. Begründet hätten die Beamten dies mit einem psychischen Ausnahmezustand der Angehörigen. Erst gegen 22 Uhr sei der Weg freigegeben worden.<ref name="wasystem25">Frank Lahme: [https://www.wa.de/hamm/versagt-der-fall-hannah-wie-das-system-bei-einem-mord-93851029.html ''Der Fall Hannah: Wie ein System bei Mord versagt'']. In: wa.de vom 12. Januar 2026.</ref> | |||
Zudem beklagten die Angehörigen mangelnde Kommunikation der Mordkommission. Ein Ermittler habe zugesagt, sich bei ihnen zu melden, dies jedoch unterlassen. Informationen zum Fall seien jedoch vorzeitig an die Presse sowie an den Arbeitgeber von Hannah S. weitergegeben worden. Konkret habe eine Ermittlerin Hannahs Tod bereits am Tattag einem Bekannten mitgeteilt, der im selben Betrieb wie das Opfer arbeitete. Eine Rundmail an die Belegschaft sei die Folge gewesen, woraufhin die Nachricht in sozialen Medien Verbreitung fand. „Alle, jeder in der Stadt, wusste da schon, dass es Hannah war“, so die Mutter.<ref name="wasystem25"/> | |||
Die Indiskretion der Beamtin führte zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde. [[Thomas Kubera|Polizeipräsident Thomas Kubera]], erst seit dem [[1. Oktober]] [[2021]] im Amt, suchte das Ehepaar persönlich auf, um sich für den Vorfall zu entschuldigen. Die Eltern würdigten diese Geste, betonten jedoch, dass das Geschehene dadurch nicht rückgängig zu machen sei.<ref name="wasystem25"/> | |||
Auch die Ermittlungsarbeit selbst wurde kritisiert. Erst die Vermieterin des Täters soll nach Darstellung in der Reportage die Ermittlungen nach der ersten Festnahme und der anschließenden Freilassung von Simon S. wieder ins Rollen gebracht haben. Am Telefon hätte die Vermieterin sinngemäß mit den Worten „Ihr wisst doch wohl, dass der ein vorbestrafter Sexualtäter ist …“ den notwendigen Hinweis gegeben. | |||
Die Angehörigen beklagten außerdem eigenmächtige Schritte der Hammer Öffentlichkeit. Ein „Crowdfunding“ für die Beerdigungskosten, das ein ehemaliger Schulkamerad initiiert hatte, wurde als übergriffig empfunden. Rund 3.000 € der 11.000 € Spenden habe die Crowdfunding-Plattform als Provision einbehalten, der Rest wurde an den Weißen Ring gespendet. Der habe sich jedoch nie bei ihnen bedankt. | |||
Auch sei die Atmosphäre in den Gerichtsverfahren, in dem die Eltern als Nebenkläger auftraten, als unmenschlich empfunden worden. Nach ihrer Einschätzung priorisiere das System den Schutz des Täters gegenüber der Unterstützung der Hinterbliebenen: „Es geht in diesem System nicht um Recht und Schuld. Es geht nur darum, wer sich am besten verkaufen kann.“ Durch die lange Verfahrensdauer konnten sich zahlreiche Zeugen, darunter auch Polizisten, offenbar in der Revision nicht mehr an Details erinnern. Auch das Urteil wurde als zu mild wahrgenommen. Der Täter sei therapieerfahren und könne mit einer vorzeitigen Entlassung aus der unbefristeten Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik rechnen: „[...] Er weiß genau, was er anstellen muss, um Ärzte und Pflegekräfte auf seine Seite zu ziehen“.<ref name="wasystem25"/> | |||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||