Urkunde 1374 Mai 3
Die Bischöfe Florenz von Münster und Heinrich von Paderborn, der Graf Engelbert von der Mark und die Städte Soest, Münster, Osnabrück und Dortmund schließen am 3. Mai 1374 einen Landfrieden.

Wortlaut
Die Urkunde ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Rübel (Band II, S. 35-38) zitiert: [1]
Wy Florens van godes ghenaden byschop to Munstere, ... Henrich van godes ghenade ... byschop to Paderborne unde marschalke to Westphalen ti dusser tiit und vortmer, wii hiir na marschalke were to Westphalen und Enghelbrecht, greve to der Marke, enkennen vor uns vor unse nakemelinghe unde vur unse erven, und dey borghermestere, raet unde meynheyt der stede Soest, Munstere, Osenbrugge unde Dorpmunde enkennen vor uns unde vor unse nakomelinge, dat wy sint overdregen na dem rechte unde ghenaden, dat unse here, her Karl ... keyser to Rome und ... koninch to Behem deme lande tho Westphalen umbe got unde umbe waeldaet heeft ghegheven,
also dat nu voirtmer na dusser tiit alle kerken, alle kerkhove, alle huyslude, ere liiff unde guet dair uppe velich wesen suelen, alle koeplude, alle pillegryme, er liiff unde guet uppe der straten velich wesen sulen ane argheliste, unde sonder underscheit, man orloghe ader nicht, mit beheltnisse der heren herrlicheit und rechtes, na uytwisinghe des keysers breyve, den he oppe den vrede ghegheven hevet.
2) Ok solen alle wilde perde velich siin.
3) Ok wey des anderen vyant wesen wil, de vruntschappe mit eme ghehat hedde, dey sal eme dat kontliken to voren wetten laten van eyner tiit to der andern, alzo dat eyn dach unde eyne nacht vorghangen syn, eyr dan he eme jenighen schaden do.
4) Ok so en sal neyman dem andern schaden doen ain name, an rove, eder an brande, dey vruntschap mit eme ghehadt hedde, hey en bewair sich, als vorschreven is.
5) Unde were dat dyt yemant verbreke ane vorsate unde ane argelist, dat he ware maken wolde aver den heylighen, dat he dat ane vorsate hedde ghedain sonder argheliste, dey sal dat wederdoen, wan he dair umbe anghespraken wirdet, binnen dey neesten veyrteyn daghen, dey volghet na dey ansprake unvertaghet, unde sal den kleghere wederdoen also veel als he self dyrde over den heylighen beholden wyl, mid redeme ghelde, eder mit der ware, dey he eme ghenommen heeft, et en were alos dat dey ghene, dey anspraken worde van dem kleghere, sesse to sych hedde overlegheder manne, dey den vrede to vorn hedden ghesworne, dey dat myt eme over den heylghen sweren wolden, dat hey der tycht unde der name unschuldich were.
6) Were ok, dat wey angegrepen worde mit blyke eft uppe dem blykenschiin, like wael sal dey clegere, dem dey schade ghescheyn is, twe to seck nemen, dey den vredee gesworen hebben, unde sweren over den heylghen, dat dey hantdedyghe eme den schaden ghedain hedde, uncl dair en solen und en moghen dey hantdedyghe neyn unscholt vur doen.
7.) Were ock, dat wey den anderen vorclaghen wolde, unde laden en vor den lantvoghet, dem en darf dey lantvoghet nicht richten, by en hebbe den vreden eyrst gesworen hadt eyr der tyt, dat dey schicht schee, dair he den anderen umbe verclagen wyl, unde dat sal he wysen mit deme lantvoghede eder mit dem amptmanne, dar he under gheseten is, eder mit dem burghermeystere in der stat, dair he ynne beseten is.
8.) Were ok wey, dey gheladen worde vor den lantvoghet, den men verclagen unde wynnen wolde, unde dey seek verantworden wolde, dey sal dat wyssen mit deme lantvoghede, eder mit deme amptmanne, dair he onder beseten is, eder mit dem burgermeystere iin der stat, dair hy inne beseten is, dat he den vrede swaren hebbe, eyr der tyt, dat dey schicht schee, dair men en umbe verclaghen unde wynnen wyl.
9.) Ok wen men van des vredes weghen vorbaden wyl, deme sal men dey sake kondighen, dair men ene umbe vorbadet, unde sal syn velich uppe der stede, dair he verbadet wyrt, unde weder van der stede eynen dach und eyne nacht vor deme ghenen, van des weghene vorbadet wyrt, he werde ghewonnen eder nicht.
10.) Ok were, dat dey heren eder stede to velde toghen efte leghen, schee van en schade, dat sal dey hantdedyghe richten van vredes weghen, efte dey here efte stat, mit dey hy dair were, dey solen dat richten van ere weghen und nicht van dusses vredes weghen.
11.) Were ock, dat wey verwonnen worde, dey eyghene slote hedde iin dusser heren lande, efte slote gheweddet hedde dair ynne efte dair by, eder wey dey hovede efte husede, dair sal man vorstallen, wanne dey landvoghet dat eysschet na rade der heren unde der stede, unde dat sal scheyn na mantael als men den lantvrede pleghet to holden.
12.) Were ock dat eyn vredebrekere, dey verwonnen were, dat lant rumede, efte bynnen deme lande bleve, so sal men setten uppe den vredebrekere eyn ghelt, eyntrechtliken, dat sal doen dey lantvoghet mit den veyr steden von Westphalen, by namen Soest, Münstere, 0ssenbrugge unde Dorpmunde. Dyt sal scheyn, als et dem lantvoghet und dey stede vorg. nutte dunket.
(13.) Ock so solen alle dey in dusser heren lande beseten synt, rittere, knechte, amptlude, stede und alle undersaten, dussen vredden sweren, wey des nicht doen en wolde, over den sal men richten, unde en sal deme neyn gherichte doen, uythgheseghet koepmanne unde pillegryme uppe der strate, unde huysmanne siin liif unde siin guet iin kerken, unde uppe kerkhoven, dey solen sonder underscheyt vrede hebben , als vorghescr. is, unde des keysers breyff uytwyset.
14.) Were ock dat jenich pillegrym, eder koepmanne anghegrepen worde uppe der strate eder eyn husman anghegrepen worde in kerken efte uppe kerchoven, wylker over den heylghen heholden wolde, dat he pillegrim, koepman eder huysman were, dey sal man mit der have unghehindert laten. Unde dusse sake vorgt. sal menrecht verdighen vor deme lnntvoghede, en mucht man aver des lautvoghedes nicht hebben, so sal man dat rechverdighen in des heren lande vor dem amptmanne, in des ampte dey schade ghescheyn were.
15) Vo1tmer weert, dat yemant werwonnen worde vor deme lantvoghede eder vor eme amptmanne, als verscr. is, dat sal eyn lantvoghet eder eyn amptman, dair dat vorscheyn is, unvertoghet to wetene doen allen heren unde steden, dey iin dusseme vrede beseten weren, und dey solen dair truweliken unde sonder argheliste to done, unde den vredebrekeren volghen na uythwysinghe des keysers, der heren unde der stede breyve, dey se uppe den vreden ghegeven hebbet.
16) Voirtmer, weer dat dissen vorgenanten heren yemant nutte duchte iin dussen vrede to nemen, et were here efte stede, dey mogen eyn transfix dor dey breyve, dey uppe dussen vrede ghegbeven sint, doen hanghen, unde loven alle dusse vorghenompte artikel to haldene iin aller wiis, als dusse breyf und andere breyve, dey uppe dussen vrede ghegheven sint, inne halden, dey in alle er macht sonder argheliste blyven solen stede und vaste.
To tughe aller disser vorghenanten artikel und punte, uppe dat dey stede unde eweliken unverbroken blyven, so hebbe wii Florens, van godes ghenaden bysschope to Münstere, .. Henrich, van godes ghenaden bisschope to Paderborne, .. Enghelbrechte, greve to der marke, umb eyn stede vaste unverbrokene sekerheyt unse inghesegele an dussen breyff ghehangen. Unde wii burgermestere, raet unde meynheyt der stede Soest, Münstere, Osenbrugge unde Dorpmunde enkennen, dat wii unse ingeseghele mit ingheseghelen unser heren vorscr. to tughe an dussen breyff gehangen hebben. Datum anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo quarto, ipso die inventionis sancte cruris nr.
Übersetzung
Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Urkundentext wie folgt:
Wir, Florenz, von Gottes Gnaden Bischof zu Münster, [...] Heinrich, von Gottes Gnaden Bischof zu Paderborn und Marschall von Westfalen zu dieser Zeit und fürderhin (wer auch immer nach ihm Marschall zu Westfalen sein möge), und Engelbert, Graf von der Mark, bekennen für uns, unsere Nachkömmlinge und für unsere Erben; und die Bürgermeister, der Rat und die Gemeinheit der Städte Soest, Münster, Osnabrück und Dortmund bekennen für uns und unsere Nachkömmlinge: Dass wir übereingekommen sind nach dem Recht und der Gnade, die unser Herr, Herr Karl, Kaiser zu Rom und König zu Böhmen, dem Lande Westfalen um Gottes und des Wohltuns willen gegeben hat:
1. Dass nun fortan alle Kirchen, alle Kirchhöfe, alle Hintersassen (Bauern), ihr Leib und Gut darauf sicher sein sollen; alle Kaufleute, alle Pilger, ihr Leib und Gut auf der Straße sicher sein sollen, ohne Arglist und ohne Unterschied, ob Krieg herrscht oder nicht; unter Beibehaltung der herrschaftlichen Rechte der Herren, nach Ausweisung des kaiserlichen Briefes, den er auf den Frieden gegeben hat.
2. Auch sollen alle Wildpferde sicher sein.
3. Auch wer des anderen Feind sein will, obwohl er zuvor Freundschaft mit ihm hatte, der soll ihm das kundtun und zuvor wissen lassen von einer Zeit zur anderen, sodass ein Tag und eine Nacht vergangen seien, bevor er ihm irgendeinen Schaden zufügt.
4. Auch soll niemand dem anderen Schaden zufügen durch Festnahme (Pfändung), durch Raub oder durch Brand, der mit ihm Freundschaft gehabt hat, es sei denn, er bewahre sich (durch rechtzeitige Absage), wie oben geschrieben steht.
5. Sollte jemand dies ohne Vorsatz und ohne Arglist brechen und wollte er bei den Heiligen beteuern, dass er dies ohne Vorsatz getan habe, der soll den Schaden wiedergutmachen, wenn er daraufhin angesprochen wird, und zwar innerhalb der nächsten 14 Tage unverzüglich. Er soll dem Kläger so viel erstatten, wie er selbst mit zwei Eideshelfern („selbdritt“) auf die Heiligen schwören will, in bar oder mit der Ware. Es sei denn, der Angesprochene hätte sechs ehrbare Männer bei sich, die den Frieden zuvor geschworen haben und mit ihm auf die Heiligen schwören, dass er an der Tat und der Pfändung unschuldig ist.
6. Würde jemand auf frischer Tat („mit Blicke“) ertappt, so soll der geschädigte Kläger zwei Eideshelfer nehmen, die den Frieden geschworen haben, und auf die Heiligen schwören, dass der Täter ihm den Schaden zugefügt hat; dagegen soll und darf der Täter keinen Unschuldsbeweis führen.
7. Wer einen anderen vor dem Landvogt verklagen und laden will, dem darf der Landvogt kein Recht sprechen, es sei denn, der Kläger hätte den Frieden bereits geschworen, bevor die Tat geschah. Das soll er durch den Landvogt, den Amtmann oder den Bürgermeister seiner Stadt nachweisen.
8. Wer vor den Landvogt geladen wird, soll ebenfalls nachweisen, dass er den Frieden bereits geschworen hatte, bevor die Tat geschah, um sich verantworten zu können.
9. Wenn jemand aufgrund des Friedens vorgeladen wird, soll man ihm den Grund nennen. Er soll an dem Ort der Vorladung sicher sein und auch bei der Abreise für einen Tag und eine Nacht vor demjenigen geschützt sein, der ihn vorgeladen hat, egal ob er verurteilt wird oder nicht.
10. Wenn die Herren oder Städte ins Feld ziehen und dabei Schaden entsteht, so soll der eigentliche Täter dafür nach Friedensrecht geradestehen; wenn jedoch der Herr oder die Stadt (als Ganzes) dort war, sollen diese das nach ihrem Recht richten und nicht nach diesem Landfrieden.
11. Wenn jemand verurteilt wird, der eigene Schlösser im Land dieser Herren hat oder Schlösser darin verpfändet hat, so soll man diese Schlösser „vorstallen“ (beschlagnahmen/besetzen), wenn der Landvogt dies nach Rat der Herren und Städte fordert.
12. Wenn ein verurteilter Friedbrecher das Land räumt oder darin bleibt, sollen der Landvogt und die vier Städte (Soest, Münster, Osnabrück, Dortmund) einhellig ein Kopfgeld auf ihn aussetzen, so wie es ihnen nützlich erscheint.
13. Alle, die im Land dieser Herren ansässig sind – Ritter, Knechte, Amtleute, Städte und alle Untertanen – sollen diesen Frieden schwören. Wer das nicht will, über den soll man richten und ihm kein Recht gewähren. Ausgenommen sind Kaufleute, Pilger und Bauern, die ohnehin (wie oben genannt) Schutz genießen.
14. Wenn Pilger, Kaufleute oder Bauern angegriffen werden und per Eid beteuern, dass sie diesen Stand innehaben, soll man sie mit ihrer Habe freilassen. Der Fall soll vor dem Landvogt (oder dem zuständigen Amtmann) verhandelt werden.
15. Wird jemand vor dem Landvogt oder Amtmann überführt, muss dies unverzüglich allen beteiligten Herren und Städten mitgeteilt werden, damit diese den Friedbrecher gemeinsam nach den Bestimmungen des Kaisers und der Herren verfolgen.
16. Sollte es den Herren nützlich erscheinen, weitere Herren oder Städte in diesen Frieden aufzunehmen, so können diese mittels eines „Transfixes“ (Zusatzurkunde) an den Brief gehängt werden und geloben, alle Artikel einzuhalten.
Zum Zeugnis all dieser vorgenannten Artikel haben wir – Bischof Florenz von Münster, Bischof Heinrich von Paderborn und Graf Engelbert von der Mark – unsere Siegel an diesen Brief gehängt. Und wir, Bürgermeister, Rat und Gemeinheit der Städte Soest, Münster, Osnabrück und Dortmund bekennen, dass wir unsere Siegel ebenfalls angehängt haben.
Gegeben im Jahre des Herrn 1374, am Tag der Auffindung des heiligen Kreuzes.
Literatur
- Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band II. Erste Hälfte. Dortmund 1890
Anmerkungen
- ↑ Rübel, Karl: Dortmunder Urkundenbuch. Band II. Erste Hälfte. Dortmund 1890