Urkunde 1521
Aus dem Jahr 1521 ist das Konzept einer Verteidigungsschrift Lamberts von Oer in seinem Streit mit Goddert von Harmen überliefert. Darin wiederholt er seine Anschuldigungen gegen Goddert von Harmen bezüglich dessen Überfall und das Anbringen des eisernen Halsbandes, das er als Angriff auf sein Leben erklärt. Andererseits weist er sämtliche Vorwürfe hinsichtlich der Erschleichung des angeblichen Erbes Godderts als Lüge und Erfindung ab.

Wortlaut
Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 177-179) auszugsweise zitiert: [1]
Mi kumpt geloflich voir, wo ein, de sik nompt Gordt Harmen, ein gedicht und figuer utschicket und angeslagen, dar inne weder godt, ere und recht utkundiget und beruchtiget, sins vermettens ick emme eine gefencknisse vor minen huis Kakesbecke gelovet, und mi einen halsbandt umb geslotten, er demna mi an mine behusinge mit sinen breven genannt to holden und georsaket, etliger erfguder ick mit minen tostendern an mi mit valscheit bedroggen, geworven und unrechten titel solle besitten, dar an he mit Hermans dochter von Ascheberg recht vermendt - mach ick nicht underlaten, min beswerunge an dach to brengen. … da heft de desperate verrethlige bosewicht sine witlige, ver twiwelte unrechtligen handlungen an mi begangen und mi mit sinen tostendern voer minen huse vorgeholden, unvervolgeder veheden, binnen sodaniger forstliger vortrostunge und gutligen angenommen dagen, weder alle keiser und koniglike rechte, reformen des hilligen Romischen rikes und alle privilegien duetscher Nation, mi angevallen, geslagen und gewundet, mines perdes berovet, dan mi geachtet und geholden als einen gebuer oder misdeder, mit einen uncristliken halsbande behaftet und beslotten, dar mede mi to Pathberge bescheiden, in welkem halsbande swerliges perikel und fair mins levens gewest, so ich dar inne benachtet, na miner personen und gestalt des halsbandes, inwendich van scharpen tacken und vlomen, hedde den morgen nicht affleven mogen, wolde mi so vorrethlich bozelich, ungeloflich nicht allene umme min guidt, dann umme lif und levendt gebracht. Nu emme sulx entstanden, dat emme des dennochtiger nicht heft willen gelingen, soll he mi gerne an min glimp und ere durch sin gedichte upfoirde smascrift besmitten, vormenende, ich mit der genompten wedewen unerlich gehandelt und geholden, welk mi ovel anerdicht, erdacht und gelogen und fall mi des to ginen tiden overbrengen mogen, dat ick se anders geholden, dan ein erbare frouwen van adel gebort Vermedt sick ock upgemelter Godert Harmen, na dem he mi so unerlike mit dem halsbande behaftet [ick] solde hebben einen vorgestaven eed to godt [und] sinen hilligen [mit] upgerichteden vingeren gesworen [und] gelobet, geiner losinge des halsbandes noch lettinge, wo de gescheen mochte, antonemen, sunder emme ... to Pathberge holden, dat he ock gelick sinen desperaten vermetten mi overdicht und lücht, dar he mi nicht angesunnen noch vorgeholden. Ick dorch loeßinge des halsbandz entleddiget, hebbe mi dusser mishandelunge beclaget und radz gebeden an den wordigen heren domdecken, capittel, eddelman, ritterschaft, stadt, gemeinen, landschap des stichts Munster.
Na dem E. W. und E. Leyfden mi to dage geschreven, dem ic aen eniges weigern willich gehorsam volgich, wo wall na ritterrechte nicht verpflichtet west, mi binnen Ossenbrugge gestalt und minen g. F. u. H. van Munster mit flit ansoeken doen, sin f. G. mit furstlickem beger und andacht sampt den verdigen Domdecken, capittell, edelmann, ritterschop, stadt, gemeinen, landtschop sticht Munster entdeckunge dusses handels und mine hoge erbedinge an minen g. F. u. H. Erick, bischop to Ossenbrugge und Paderborne, siner f. G. broder, herttoch Philippus, beide fursten to Brunswich geschreven begert (der verclaringe to doen des hoichgemelten ere f. G. ein tidtland in berade gewest, tom lesten min g. H. van Ossenbrugge und Paderborne den wurdigen hern domdecken capittell, ritterschap stadt und landtschapp sticht Munster genslich afgeschreven - Sus overbodich, allen und deren to geborliken steden und tiden mine uprechte handelunge und schiltbordige miner older angeervede ere na erkenntnisse des ritter recht mit der hulp godz genochsam verantweren, einen ideren to bekennen, wu der genannte desperate bozewicht, verreder und mordtberner de lasterunge und smaheit over mi genot to beruchtigen, juw als loefhebber der rechte, ere, dogent und schiltbordige adels na rechte mit gnade und gunste, den vertwivelden, witlifen, erlosen, desperaten bosewicht, verreder, mordtberner, de sich nompt Gordt Harmen, sodanige lasterunge und smaheit, welke gemelte desperate, vertwiwelte bosewicht, verreder und mordtberner tegen mi mißhandelt, erdicht, erdacht, gelogen, figuret, utgedrucket und angeslagen, durch min waraftige entschuldunge und bewise to er- kennen, aver em solvest gewrocken und sich des unsprechlich laster angehangen, ock den vertwivelden mortberner und bozewicht, so billich na koninklicher reformation als einen vornemeden rechtsbrockigen to verfolgen, gines opentlickes verblives mit uprechten, frommen, erbaren christenlude noch erliker geselschopen to vergunnen, sinen witliken, morderschen desperaten saken weder godt und recht nicht stedigen, hoppens und getruwens, ju f. G. nicht anders to ervinden.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Mir kommt glaubhaft zu Ohren, dass einer, der sich Gordt Harmen nennt, eine Schmähschrift (ein Gedicht) und ein [Spott-]Bild herausgegeben und angeschlagen hat, worin er wider Gott, Ehre und Recht verkündet und berüchtigt, dass ich ihm in meiner Vermessenheit eine Gefangenschaft vor meinem Hause Kakesbeck gelobt (versprochen) und mir selbst ein Halsband umgelegt hätte. Zudem hat er mich an meinem Hause mit seinen Briefen bedrängt und behauptet, ich hätte etliche Erbgüter mit meinen Helfern durch Falschheit an mich betrügerisch herangezogen, erworben und besäße sie mit unrechtem Titel, worauf er doch durch Hermann von Aschebergs Tochter einen berechtigten Anspruch zu haben meint. [Darum] kann ich nicht unterlassen, meine Beschwerde an den Tag zu bringen. … Da hat der verzweifelte, verräterische Bösewicht seine offenkundigen, verzweifelten [und] unrechtmäßigen Handlungen an mir begangen und mir mit seinen Helfern vor meinem Hause aufgelauert – in unangekündigter Fehde, während einer solchen fürstlichen Zusicherung und gütlich angenommenen [Verhandlungs-]Tage, wider alle kaiserlichen und königlichen Rechte, die Reformen des Heiligen Römischen Reiches und alle Privilegien der Deutschen Nation. Er hat mich angefallen, geschlagen und verwundet, meines Pferdes beraubt, mich sodann geachtet und gehalten wie einen Bauern oder Missetäter und [mich] mit einem unchristlichen Halsband behaftet und eingeschlossen. Damit hat er mich nach Padberg geschafft. In welchem Halsband ich in schwerer Gefahr und Furcht um mein Leben gewesen bin; wenn ich darin übernachtet hätte, hätte ich angesichts meiner Person und der Gestalt des Halsbandes, das inwendig mit scharfen Zacken und Spitzen versehen war, den Morgen nicht überlebt. Er wollte mich so verräterisch, boshaft und treulos nicht allein um mein Gut, sondern um Leib und Leben bringen. Nun, da ihm dies misslungen ist, sodass es ihm dennoch nicht hat gelingen wollen, will er mich nun gerne an meinem guten Ruf und meiner Ehre durch seine erdichtete, aufwieglerische Schmähschrift beschmutzen, indem er behauptet, ich hätte mit der genannten Witwe unehrenhaft gehandelt und verkehrt. Dies ist mir übel angedichtet, erdacht und gelogen, und er wird mir dies zu keinen Zeiten nachweisen können, dass ich sie anders behandelt habe, als es einer ehrbaren Frau von Adel gebührt. Es behauptet der obengenannte Godert Harmen auch, nachdem er mich so unehrenhaft mit dem Halsband behaftet hatte, ich soll einen vorgegebenen Eid zu Gott und seinen Heiligen mit aufgerichteten Fingern geschworen und gelobt haben, keinerlei Lösung des Halsbandes noch Befreiung, wie auch immer sie geschehen mochte, anzunehmen, sondern mich ihm gegenüber [...] zu Padberg zu halten. Darin dichtet er mir, ganz gemäß seiner verzweifelten Vermessenheit, etwas an und lügt, da er dies von mir weder gefordert noch mir vorgehalten hat. Ich habe mich, durch die Lösung des Halsbandes entledigt, über diese Misshandlung beklagt und um Rat gebeten bei dem würdigen Herrn Domdechanten, dem Kapitel, den Edelleuten, der Ritterschaft, der Stadt und der gemeinsamen Landschaft des Stifts Münster. Nachdem Eure Würden und Eure Liebden mir zu einem [Verhandlungs-]Tag geschrieben haben – welchem ich ohne jegliches Weigern willig und gehorsam Folge leiste, obwohl ich nach Ritterrecht dazu gar nicht verpflichtet gewesen wäre –, habe ich mich innerhalb von Osnabrück eingefunden und meinen gnädigen Fürsten und Herrn von Münster fleißig angerufen. Seine Fürstliche Gnade hat mit fürstlichem Begehren und Andacht, zusammen mit dem würdigen Domdechanten, Kapitel, Edelbann, Ritterschaft, Stadt und der gemeinsamen Landschaft des Stifts Münster, zur Aufdeckung dieses Handels an Seine Fürstliche Gnade, meinen gnädigen Fürsten und Herrn Erich, Bischof zu Osnabrück und Paderborn, [und] Seiner Fürstlichen Gnade Bruder, Herzog Philipp, beide Fürsten zu Braunschweig, geschrieben und darum gebeten [eine Erklärung abzugeben]. Über diese Erklärung zu befinden, waren die hochgemandten Eure Fürstlichen Gnaden eine Zeit lang im Berate. Zum Letzten haben mein gnädiger Herr von Osnabrück und Paderborn den würdigen Herren Domdechanten, Kapitel, Ritterschaft, Stadt und Landschaft des Stifts Münster gänzlich abgesagt (geantwortet). So bin ich erbötig, an allen gebührenden Stätten und Zeiten meine aufrechte Handlungsweise und die schildbürtige (adlige), von meinen Ahnen geerbte Ehre nach Erkenntnis des Ritterrechts mit der Hilfe Gottes zur Genüge zu verantworten und einen jeden erkennen zu lassen, wie der genannte verzweifelte Bösewicht, Verräter und Mordbrenner die Lästerung und Schmach über mich zu verbreiten pflegt. [Ich bitte] Euch als Liebhaber des Rechts, der Ehre, Tugend und des schildbürtigen Adels, nach Recht mit Gnade und Gunst durch meine wahrhaftige Entschuldigung und Beweise zu erkennen, dass der verzweifelte, offenkundige, ehrlose, desperate Bösewicht, Verräter und Mordbrenner, der sich Gordt Harmen nennt, solche Lästerung und Schmach gegen mich misshandelt, erdichtet, erdacht, gelogen, abgebildet, ausgedrückt und angeschlagen hat. Damit hat er sich selbst gerächt und sich diese unaussprechliche Schande selbst angehängt. Auch [bitte ich], den verzweifelten Mordbrenner und Bösewicht billigerweise nach königlicher Rechtserneuerung als einen offenkundigen Rechtsbrecher zu verfolgen, ihm keinen öffentlichen Aufenthalt bei aufrechten, frommen, ehrbaren Christenmenschen noch in ehrlichen Gesellschaften zu vergonnen und seine offenkundigen, mörderischen, verzweifelten Sachen wider Gott und Recht nicht zu bestätigen; hoffend und vertrauend, dass Eure Fürstliche Gnade es nicht anders befinden wird.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193