Lambert von Oer berichtet in einem Brief vom 27. Juli 1520 von seiner Gefangennahme durch Goddert von Harmen und Hermann von Ascheberg. Darüber hinaus beschreibt er, dass er von Goddert von Harmen ein schweres eisernes Halsband umgelegt bekommen hat. Dieses Marterwerkzeug hat er sich in Münster entfernen lassen.

Das eiserne Halsband des Lambert von Oer

Wortlaut

Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 165-166) zitiert: [1]

Wo wall ock Goddert Harmen mi boven eins nicht vorclaget oder vervolget, heft deselve met sinen und Hermans van Ascheberge tostenderen up gudenstach naest verledden nemptlick up sunte Jacobs dach den morgen na der misse in und up i. f. G. forstendomp und freien strate mi geweltliken self achtede to perde angegrepen und aldar tor erden geslagen und vencklick geeischet, buten jeniger entsachter vede, siner eer und glimp dar anne unbewart und vergetten, mins perdes entweltliken bedrueth und afgenommen up einer keiserlicken vrien strate und dar alleine nicht bi gelaten, dan nicht bi mi (als riddermatigen erliken luden betemet und geboret) gehandelt, minen loeften und tosagen (so billick) geloift, dan dar en boven mi einen groten swaren isernen halsbant, mit boser list und kunst gemaket, umme den hals gelecht, vull van tacken und sprinck iseren und dar beneffen bevollen, ich sol up tokomen fundach tegen den avent to Patberch inholden in vermeininge, mi so dorch den halsbant van dem leven ton doit to brengen. Na dem ick in sodanen hachten und benden nicht konde rasten, noch wes to live doen, sin ick nochtan un dorch de gnade und hulpe des almechtigen godes und finer benedigeden moder Maryen, ock mit todaet frommer erlicken luden alhier binnen Munster sodaner bende und besweringe entleddiget. Geve darumme f. G. als minen landtfursten und heren solder geweltlicken overdadigen handels kenen bestant. Od gnedige f. u. h., es min beger, mi nicht mit ungnaden wellen afnemen, ick personlich bi j.. f. G. eschinge, dar ick gebrecks halver einer hant mi gequetschet nicht geriden kan, vorhindert werde.

Übersetzung

Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:

Obwohl Goddert Harmen mich zuvor niemals verklagt oder verfolgt hat, hat derselbe zusammen mit seinen und Herman van Aschebergs Helfern am vergangenen Dienstag – nämlich am St. Jakobstag – morgens nach der Messe, mich in Eurer Fürstlichen Gnaden (E.f.G.) Fürstentum auf freier Straße gewaltsam zu acht zu Pferde angegriffen. Dort haben sie mich zu Boden geschlagen und für gefangen erklärt, ohne jede zuvor angekündigte Fehde. Dabei hat er seine Ehre und sein Ansehen missachtet und vergessen. Er hat mich meines Pferdes gewaltsam beraubt und es mir auf kaiserlich freier Straße abgenommen. Doch dabei hat er es nicht bewenden lassen: Er hat nicht mit mir gehandelt, wie es sich für rittermäßige, ehrliche Leute geziemt und gehört, und hat meinen Gelöbnissen und Zusagen (wie es billig gewesen wäre) keinen Glauben geschenkt. Vielmehr hat er mir darüber hinaus ein großes, schweres eisernes Halsband, das mit böser List und Tücke gefertigt war, um den Hals gelegt – voll von Zacken und Springeisen. Zudem hat er befohlen, ich solle am kommenden Sonntag gegen Abend in Padberg einsitzen, in der Absicht, mich durch dieses Halsband vom Leben zum Tode zu bringen. Nachdem ich in solcher Haft und in diesen Banden weder ruhen noch Nahrung zu mir nehmen konnte, bin ich dennoch durch die Gnade und Hilfe des allmächtigen Gottes und seiner gebenedeiten Mutter Maria, sowie durch die Unterstützung frommer, ehrlicher Leute hier in Münster, von diesen Banden und dieser Beschwernis befreit worden. Ich bitte daher Eure Fürstliche Gnade als meinen Landesfürsten und Herrn, solchem gewaltsamen, übermäßigen Handeln keinen Bestand zu geben. Auch ist es mein Begehren, gnädiger Fürst und Herr, mir nicht in Ungnaden abzunehmen, dass ich durch das persönliche Erscheinen vor E.f.G. gehindert werde, da ich wegen eines Gebrechens an einer verletzten Hand nicht reiten kann.

Literatur

  • Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
  • Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142

Anmerkungen

  1. Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193