Urkunde 1520 August 20
Am 20. August 1520 schreibt Goddert von Harmen einen Brief an den Bischof von Münster, um sein Vorgehen gegen Lambert von Oer zu rechtfertigen. Er verweist darauf, dass Lambert von Oer sich unter Eid zur Gefangenschaft verpflichtet hatte, diesem Eid aber nicht nachgekommen ist, weshalb er – Goddert - zu den bekannten Mitteln gegriffen habe (Halsband).

Goddert von Harmen fordert den Bischof auf, Lambert an seinen Eid zu erinnern. Zudem droht er, Lambert öffentlich als Meineidigen bloß zu stellen.
Wortlaut
Die Urkunde ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 169) zitiert: [1]
Gnedige furst und her. Welcher mayssen ich Lambert van Oir uyß beswerunge und ungegrunden, upsettigen liftigen vürnemens bewegnis und orsache en gefendlich angenommen, so dat he mir uf sine deiner hoige lofte und eide gefencknis fur dat hus to Patberg bes an furder bescheit to holden heft geredt und dat mit liflichen fingeren furgestabts eides to godt und de hilligen geszworen, mir des vurbleven und gans vergessen, der halven ime durch mine waraftige botschaft und versegelde breve an sin hehüsunge und ander orde, dar ich siner vermoide, manen und furderen lassen, mir eine gefencknisse sinen heigen loiften und eiden nach, wie einen erbaren und frommen ritterman anesinnen, in und of dat huyß Patberge bis an furder bescheit holde, dat he dan allet ungeachtet und vergessen blivet, mich nicht versehen hette, is derhalven an j. f. G. min underdanige bitt, denselben Lambert van Oir als j. f. G. underdaen des landes willen doen anholden und vermogen, dat he mi eine gefencknisse sinen hoigen eiden und geloften nach holde. - Wan Lambert siner eide und hoige gelofte vergete und dar boven in j. f. G. furstendom entholden worde, konnen i. f. G. annemmen, dat ick dar ut georsaket worde, mich des an ander heren fursten und einen itlichen zu beclagen, und smeder schriven und schelden, dat im gantz verachtlick und sin eer up mannigen plazen furder medde gesmitzet wolde werden, dat ich, kennet got, nicht gerne doen wolde draigen ock geinen twivel, (dat) Lamberte van Oir na underwisinge siner frunde dair to trachten werden suslicks nablive.
Übersetzung
Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:
Gnädiger Fürst und Herr! Aus welchen Gründen und Ursachen ich Lambert von Oer – wegen der Bedrängnis und seines unbegründeten, böswilligen und listigen Vorhabens – gefangen genommen habe, [ist bekannt]. Er hat mir daraufhin bei seinen treuen, hohen Gelübden und Eiden versprochen, sich vor dem Haus zu Padberg bis auf weiteren Bescheid in Gefangenschaft zu halten. Dies hat er mit leiblichen Fingern [beim Schwur] und erhobenem Eid vor Gott und den Heiligen geschworen. Nun ist er dem jedoch ferngeblieben und hat es ganz vergessen. Deshalb habe ich ihn durch meine wahrhaftige Botschaft und versiegelte Briefe an seinem Wohnhaus und an anderen Orten, wo ich ihn vermutete, mahnen und auffordern lassen, dass er mir die Gefangenschaft gemäß seinen hohen Gelübden und Eiden – wie es einem ehrbaren und frommen Rittermann ansteht – auf dem Haus Padberg bis auf weiteren Bescheid halte. Da er dies alles jedoch ungeachtet lässt und vergisst, was ich nicht von ihm erwartet hätte, ist deshalb an Eure Fürstliche Gnade (E. f. G.) meine untertänige Bitte:
Wollt denselben Lambert von Oer als E. f. G. Untertanen des Landes wegen anhalten und dazu bewegen, dass er mir die Gefangenschaft gemäß seinen hohen Eiden und Gelübden hält.
Wenn Lambert seine Eide und hohen Gelübde vergisst und darüber hinaus in E. f. G. Fürstentum Unterschlupf gewährt bekommt, können E. f. G. sich ausmalen, dass ich mich dadurch veranlasst sähe, mich bei anderen Herren und Fürsten sowie jedermann darüber zu beklagen. Ich müsste Schmähschriften verfassen und ihn öffentlich anprangern („smeder schriven und schelden“), was für ihn ganz verächtlich wäre und wodurch seine Ehre an vielen Orten weiter beschmutzt würde – was ich, Gott weiß es, nicht gerne tun würde. Ich zweifle auch nicht daran, dass Lambert von Oer nach der Zurechtweisung durch seine Freunde danach trachten wird, dass so etwas [der Eidbruch] unterbleibt.
Literatur
- Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
- Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142
Anmerkungen
- ↑ Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193