Lippepark Hamm: Unterschied zwischen den Versionen
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Unter dem Slogan „Im Westen was Neues“ entstand von [[2009]] bis [[2014]] auf dem Gelände des ehemaligen [[Schacht Franz|Schachtes Franz]] | Unter dem Slogan „Im Westen was Neues“ entstand von [[2009]] bis [[2014]] in [[Herringen]] auf dem Gelände des ehemaligen [[Schacht Franz|Schachtes Franz]] der [[Zeche Heinrich-Robert]] der '''Lippepark Hamm'''. Mit seinen Spazier- und Radwegen, einem Funpark für Kinder und Jugendliche, Aussichtspunkten sowie Grill- und Spielplätzen ist er heute ein beliebtes Ausflugsziel. | ||
Das Projekt ging aus einer Bewerbung der Stadt um die Austragung der Landesgartenschau 2014 hervor, bei der man sich nicht gegen Zülpich durchsetzen konnte. Der eigentliche Park wurde von 2009 bis 2014 in zwei Abschnitten (Nord und Süd) errichtet, bis 2016 fand | Das Projekt ging aus einer Bewerbung der Stadt um die Austragung der Landesgartenschau 2014 hervor, bei der man sich nicht gegen Zülpich durchsetzen konnte. Der eigentliche Park wurde von 2009 bis 2014 in zwei Abschnitten (Nord und Süd) errichtet, bis 2016 fand außerdem ein „Brückenschlag“ nach [[Bockum-Hövel]] zur dortigen [[Halde Radbod]] über [[Lippe]] und [[Datteln-Hamm-Kanal]] statt. Der Brückenbau löste aufgrund von Verzögerungen und hohen Kosten jedoch Kontroversen aus. | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
[[Bild:Schacht-Franz (1980).jpg|thumb|right|Schacht Franz – Luftbild, Mai 1980<br/>© RVR – [https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0 Datenlizenz Deutschland]]] | [[Bild:Schacht-Franz (1980).jpg|thumb|right|Schacht Franz – Luftbild, Mai 1980<br/>© RVR – [https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0 Datenlizenz Deutschland]]] | ||
Hamm | Hamm bewarb sich mit dem Projekt „Im Westen was Neues“ um die Austragung der Landesgartenschau 2014, den Zuschlag erhielt allerdings die Stadt Zülpich. Trotzdem wurde das Projekt in Hamm umgesetzt, da die notwendige Finanzierung trotz gescheiterter Bewerbung in weiten Teilen gewährt wurde.<ref>[http://web.pregocms.de/herringen/page.php?p=9756&n=9752|9756 „LaGa 2014 adé“ in: herringen.de (2009)]</ref> Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln der folgenden Institutionen:<ref>[http://www.hamm.de/planen-bauen-verkehr-wohnen/planen-und-entwickeln/stadtentwicklung/im-westen-was-neues-lippepark-hamm.html „Im Westen was Neues“ in: hamm.de (2009)]</ref> | ||
* Europäische Union über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung | * Europäische Union über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung | ||
* Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung | * Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung | ||
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Die Arbeiten zur Anlage des Parks erstreckten sich zuerst auf das südliche Gelände von Schacht Franz. Der Endausbau des Abschnitts ''Schacht Franz Süd'' war für Ende 2012 geplant<ref name="wade120406">[http://www.wa.de/nachrichten/hamm/hamm-herringen/arbeiten-lippepark-schreiten-zuegig-voran%281%29-2268158.html „Arbeiten zum Lippepark schreiten zügig voran“] in: wa.de vom 6. April 2012</ref> und wurde mit der Eröffnung am [[30. November]] [[2012]] auch plangemäß abgeschlossen. Teile waren bereits früher fertig gestellt und nutzbar, z. B. der [[Funsportpark Herringen]] (2011), eine Freizeitsportanlage für Skater, Basketball, Streetball, Tischtennis, Hockey und Parkouring. Diese Anlage wurde in enger Zusammenarbeit mit den Nutzern geplant und erstellt. Auch der ''Bergbauspielplatz'' (September 2011) und der Barfuß- und Erlebnispfad (2012) waren eher nutzbar.<ref name="wade120406"/> | Die Arbeiten zur Anlage des Parks erstreckten sich zuerst auf das südliche Gelände von Schacht Franz. Der Endausbau des Abschnitts ''Schacht Franz Süd'' war für Ende 2012 geplant<ref name="wade120406">[http://www.wa.de/nachrichten/hamm/hamm-herringen/arbeiten-lippepark-schreiten-zuegig-voran%281%29-2268158.html „Arbeiten zum Lippepark schreiten zügig voran“] in: wa.de vom 6. April 2012</ref> und wurde mit der Eröffnung am [[30. November]] [[2012]] auch plangemäß abgeschlossen. Teile waren bereits früher fertig gestellt und nutzbar, z. B. der [[Funsportpark Herringen]] (2011), eine Freizeitsportanlage für Skater, Basketball, Streetball, Tischtennis, Hockey und Parkouring. Diese Anlage wurde in enger Zusammenarbeit mit den Nutzern geplant und erstellt. Auch der ''Bergbauspielplatz'' (September 2011) und der Barfuß- und Erlebnispfad (2012) waren eher nutzbar.<ref name="wade120406"/> | ||
Die Freigabe der Nordseite und somit das Ende der | Die Freigabe der Nordseite und somit das Ende der Schaffung des eigentlichen Parks war bis 2014 geplant und konnte ebenso eingehalten werden. Anschließend sollte im Jahr [[2014]] noch eine Anbindung an die [[Halde Radbod]] in Bockum-Hövel durch Errichtung von zwei Fußgänger- und Radfahrerbrücken über [[Lippe]] und [[Datteln-Hamm-Kanal]] erfolgen, die sich jedoch bis in den Mai 2016 verzögerte. | ||
=== Namensfindung (2011) === | === Namensfindung (2011) === | ||
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Da Horst Podzun seinen Vorsitz im Beirat des Projektes von dem Namen ''Westpark'' abhängig gemacht hatte, trat er nach der Entscheidung für den Namen ''Lippepark'' als Vorsitzender zurück. Anfang 2012 konnte er jedoch von den anderen Mitgliedern des Beirates überzeugt werden, die Position weiterhin zu bekleiden.<ref>[http://www.wa.de/nachrichten/hamm/stadt-hamm/lippepark-horst-podzun-bleib-beirats-vorsitzender-1577832.html?cmp=defrss „‚Lippepark‘: Horst Podzun bleibt Beirats-Vorsitzender“] in: wa.de vom 26. Januar 2012</ref> | Da Horst Podzun seinen Vorsitz im Beirat des Projektes von dem Namen ''Westpark'' abhängig gemacht hatte, trat er nach der Entscheidung für den Namen ''Lippepark'' als Vorsitzender zurück. Anfang 2012 konnte er jedoch von den anderen Mitgliedern des Beirates überzeugt werden, die Position weiterhin zu bekleiden.<ref>[http://www.wa.de/nachrichten/hamm/stadt-hamm/lippepark-horst-podzun-bleib-beirats-vorsitzender-1577832.html?cmp=defrss „‚Lippepark‘: Horst Podzun bleibt Beirats-Vorsitzender“] in: wa.de vom 26. Januar 2012</ref> | ||
=== Bau | === Bau des interkulturellen Gartens (bis 2012) === | ||
Zwei Halden der ehemaligen [[Zeche Heinrich-Robert]], zu der auch Schacht Franz in Herringen gehört, befinden sich südlich unweit des Lipepparks: Die Halden [[Halde Humbert|Humbert]] und [[Kissinger Höhe]]. Sie bilden als Bergbaufolgelandschaft den Übergang zwischen dem Lippepark und den Wohngebieten von Herringen und Pelkum. Während die ''Halde Humbert'' noch unter Bergaufsicht stand, war die ''Kissinger Höhe'' seinerzeit bereits längere Zeit frei zugänglich und wurde vom neuen Eigentümer, der Regionalverband Ruhr (RVR) als „Walking-Halde“ ausgebaut. | Zwei Halden der ehemaligen [[Zeche Heinrich-Robert]], zu der auch Schacht Franz in Herringen gehört, befinden sich südlich unweit des Lipepparks: Die Halden [[Halde Humbert|Humbert]] und [[Kissinger Höhe]]. Sie bilden als Bergbaufolgelandschaft den Übergang zwischen dem Lippepark und den Wohngebieten von Herringen und Pelkum. Während die ''Halde Humbert'' noch unter Bergaufsicht stand, war die ''Kissinger Höhe'' seinerzeit bereits längere Zeit frei zugänglich und wurde vom neuen Eigentümer, der Regionalverband Ruhr (RVR) als „Walking-Halde“ ausgebaut. | ||
Zwischen beiden Halden wurde im Rahmen des Projekts | Zwischen beiden Halden wurde im Rahmen des Projekts der 280 Meter lange ''[[Barfuß- und Sinneserlebnispfad]]'' mit einem ''interkulturelle Garten'' erweitert, der am 17. Juni 2012 eingeweiht wurde. Der Barfuß-Erlebnispfad verfügt neben einem intensiven Bereich am Fuß der Halde auch über einen barfußtauglichen Weg rund um die Halde. | ||
Der zwischen den Halden verlaufende [[Herringer Bach]] soll nach der geplanten Renaturierung bzw. ökologischen Aufwertung durch den [[Lippeverband]] eine attraktive Wasserlandschaft zwischen den Halden darstellen. Der parallel zum Bach verlaufende Weg stellt die direkte Verbindung in Richtung Pelkum dar,<ref>[http://www.hamm.de/planen-bauen-verkehr-wohnen/planen-und-entwickeln/stadtentwicklung/im-westen-was-neues/entwicklungsbereich-suedliche-halden.html „Im Westen was Neues, südliche Halden“] in: hamm.de</ref> existierte aber schon vor dem Projekt Lippepark. | Der zwischen den Halden verlaufende [[Herringer Bach]] soll nach der geplanten Renaturierung bzw. ökologischen Aufwertung durch den [[Lippeverband]] eine attraktive Wasserlandschaft zwischen den Halden darstellen. Der parallel zum Bach verlaufende Weg stellt die direkte Verbindung in Richtung Pelkum dar,<ref>[http://www.hamm.de/planen-bauen-verkehr-wohnen/planen-und-entwickeln/stadtentwicklung/im-westen-was-neues/entwicklungsbereich-suedliche-halden.html „Im Westen was Neues, südliche Halden“] in: hamm.de</ref> existierte aber schon vor dem Projekt Lippepark. | ||
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Die Gestaltung der Nordfläche erfolgte in großen Teilen im Rahmen des sogenannten ''Abschlussbetriebsplans'' durch die [[RAG]] selbst, die zuletzt die [[Zeche Heinrich-Robert]] und den dazugehörigen Schacht Franz betrieben hatte. | Die Gestaltung der Nordfläche erfolgte in großen Teilen im Rahmen des sogenannten ''Abschlussbetriebsplans'' durch die [[RAG]] selbst, die zuletzt die [[Zeche Heinrich-Robert]] und den dazugehörigen Schacht Franz betrieben hatte. | ||
Die RAG übergab die Fläche | Die RAG übergab die Fläche daher in gestaltetem Zustand an die Stadt Hamm. Dabei wurden die von Bürgern eingebrachten Ideen berücksichtigt oder später durch die Stadt Hamm ergänzt, z. B. ein ''Mountainbike-Parcours'' und ein ''Rodelhang''.<ref>[http://www.hamm.de/planen-bauen-verkehr-wohnen/planen-und-entwickeln/stadtentwicklung/im-westen-was-neues/entwicklungsbereich-schacht-franz/schacht-franz-nordflaeche.html „Im Westen was Neues, Schacht Franz Nord“] in: hamm.de</ref> | ||
Die offizielle Eröffnung fand am [[27. April]] [[2014]] statt. | Die offizielle Eröffnung fand am [[27. April]] [[2014]] statt. | ||
=== | === Brückenschlag nach Bockum-Hövel (bis 2016) === | ||
[[Bild:20121130_WA_Anzeige_Stadt_Hamm_Brueckenschlag_Lippepark.jpg|thumb|right|Anzeige der Stadt Hamm zur Ankündigung des Brückenschlages, [[WA]] vom 30. November 2012]] | [[Bild:20121130_WA_Anzeige_Stadt_Hamm_Brueckenschlag_Lippepark.jpg|thumb|right|Anzeige der Stadt Hamm zur Ankündigung des Brückenschlages, [[WA]] vom 30. November 2012]] | ||
Der südlich an die | Der südlich an die alten Lippeauen angrenzende Bereich wird von der begradigten [[Lippe]] und dem [[Datteln-Hamm-Kanal]] geprägt. Zwischen Lippe und Kanal erstreckt sich ein Mitteldamm, auf dem unter anderem überregionale Radwanderrouten verlaufen. Bis 2016 wurde durch einen Brückenschlag nach [[Bockum-Hövel]] die Anbindung der [[Halde Radbod]] sowie der auf dem Damm verlaufenden Radrouten an den Lippepark ermöglicht. | ||
Durch seine Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Siedlungsbereich von Bockum-Hövel kam dem ''Entwicklungsbereich Radbod'' eine besondere Rolle bei der Anbindung dieses Stadtteils an den Lippepark zu. Dabei sollte das | Durch seine Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Siedlungsbereich von Bockum-Hövel kam dem ''Entwicklungsbereich Radbod'' eine besondere Rolle bei der Anbindung dieses Stadtteils an den Lippepark zu. Dabei sollte das „passive Landschaftserleben“ im Vordergrund stehen, bei dem sich dem Besucher die vielgestaltige Auenlandschaft erschließt, die durch die jüngere Industriegeschichte geprägt worden ist und in großen Teilen Landschafts- und Naturschutzstatus genießt. Der Aussichtspunkt auf der [[Halde Radbod|Halde Radbod]] ist zudem ein geeigneter Ort zur Information über die Auenlandschaft mit ihrer unter FFH-Schutz<ref>Flora-Fauna-Habitat, die höchste europäische Schutzkategorie</ref> stehenden Fauna und Flora und darüber hinaus über das Flussgebietsmanagement im [[Lippe|Lipperaum]]. | ||
In einem Kooperationsprojekt sollte auf dem Gelände der ehemaligen [[Zeche Radbod|Kokerei Radbod]] im Zuge der Errichtung des Umlagerungsbauwerkes die von Bürgern angeregte Trainingsstrecke für Radfahrer in Zusammenarbeit mit der RAG MI realisiert werden. Die Bauarbeiten sollten Ende 2011 abgeschlossen sein. | In einem Kooperationsprojekt sollte auf dem Gelände der ehemaligen [[Zeche Radbod|Kokerei Radbod]] im Zuge der Errichtung des Umlagerungsbauwerkes die von Bürgern angeregte Trainingsstrecke für Radfahrer in Zusammenarbeit mit der RAG MI realisiert werden. Die Bauarbeiten sollten Ende 2011 abgeschlossen sein. | ||
==== Verzögerungen beim Brückenbau ==== | ==== Verzögerungen beim Brückenbau ==== | ||
Die Finanzierung der Lippe- und Kanalbrücken und deren Fertigstellung bis 2014 galt laut Pressebericht vom 30. | Die Finanzierung der Lippe- und Kanalbrücken und deren Fertigstellung bis 2014 galt laut Pressebericht vom 30. November 2012 als gesichert,<ref>[[Datei:20121130_WA_Lippepark_Finanzierung_Brueckenschlag.jpg Westfälischer Anzeiger vom 30. November 2012]]</ref> geriert aber anschließend aufgrund von Verzögerungen, hohen Gesamtkosten und Zwischenfällen zur Lokalposse. | ||
Von den taxierten sechs Millionen Euro Baukosten sollten 4,8 Mio. Euro durch Förderung gedeckt werden. Auf die Brücken inklusive aller Rampen entfielen hervor jedoch nur ca. 3,43 Mio. Euro. Durch „Wege, Zäune, Hundeauslauf, Hundeserviceplätze, ein Aussichtspodest, Amphibienquerungshilfen, Bäume, Bänke, Infosystem, Gutachten, eine ökologische Bauleitung, ein Naturschutzmonitoring“ und andere Maßnahmen | Von den taxierten sechs Millionen Euro Baukosten sollten 4,8 Mio. Euro durch Förderung gedeckt werden. Auf die Brücken inklusive aller Rampen entfielen hervor jedoch nur ca. 3,43 Mio. Euro. Durch „Wege, Zäune, Hundeauslauf, Hundeserviceplätze, ein Aussichtspodest, Amphibienquerungshilfen, Bäume, Bänke, Infosystem, Gutachten, eine ökologische Bauleitung, ein Naturschutzmonitoring“ und andere Maßnahmen um die Brücken herum erhöhte sich die Gesamtsumme gleichwohl auf mehr als 6 Mio. Euro. Der Bund des Steuerzahler nahm das Projekt daher 2015 in sein „Schwarzbuch“ für Steuerverschwendung auf. Unter anderem sollten die Brücken laut Planfeststellungsbeschluss auch durch ein Tor gesperrt werden, wenn die Altarme der Lippe vereisen und überwinternde Wasservögel auf die industriell erwärmte Lippe ausweichen.<ref name="wade150930">[https://www.wa.de/hamm/lippepark-bruecke-bockum-hoevelherringen-hamm-eintrag-schwarzbuch-2015-bund-steuerzahler-bdst-5578302.html „Lippepark-Brückenschlag hat Eintrag im Schwarzbuch 2015“] in: wa.de vom 30. September 2015</ref> | ||
Die hohen Kosten riefen auch das RTL-Unterhaltungsmagazin „Mario Barth deckt auf“ auf den Plan. In der Sendung vom [[28. Oktober]] [[2015]] kritisierte Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek unter anderem eine Marathon-Strecke in Hamm, die über die Lippebrücken verläuft. Zum Abschluss des Beitrags widmete man sich dann auch den Brücken. Sedlaczek verwies unter anderem auf die Kritik des Steuerzahlerbundes an den hohen Kosten, der dabei auch selbst zu Wort kam. Der [[Westfälischer Anzeiger|Westfälische Anzeiger]] veröffentlichte daraufhin eine Gegendarstellung, in der bemängelt wurde, dass der Eindruck erweckt worden sei, dass die Brücken nur wegen der Marathonstrecke gebaut worden seien. Zudem seien die Kosten für die Brücken in einen direkten Zusammenhang mit der Erhöhung der Grundsteuer B gesetzt worden, was jedoch falsch sei.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/mario-barth-deckt-hamm-rtl-beitrag-lippebruecken-steuerschwendung-ohne-details-5702234.html „RTL deckte auf in Hamm - doch Details blieben auf der Strecke“] in: wa.de vom 30. Oktober 2015</ref> | |||
Der Versuch, die Lippe-Brücke am [[9. Dezember]] [[2015]] auf die vorgesehenen Positionen einzuschwenken, scheiterte an einem unerwartet hohen Gewicht. Kalkuliert war eine Masse von rund 135 Tonnen, die Waage des Krans zeigte dann jedoch 166 t an, wofür die Anschlagseile und die Gegengewichte nicht dimensioniert waren. Die Brücke wurde wieder auf dem Kohlehafen abgesetzt, wo sie gelagert worden war. Die Verschwenkung der zweiten Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal am 10. Dezember wurde aus diesem Grund ebenso verschoben.<ref>Stefan Gehre, Marc Borgmann, Maike Geißler: [https://www.wa.de/hamm/posse-hamm-brueckenschlag-lippepark-zwischen-herringen-bockum-hoevel-gescheitert-5943715.html „Brückenschlag im Lippepark gescheitert - Video mit Drohnenbildern“] in: wa.de vom 9. Dezember 2015</ref> | Nachdem beide Brückenteile fristgerecht im Sommer 2014 angeliefert wurden, verzögerte sich das Aufsetzen der Brücken mehrfach: Der für Ende 2014 vorgesehene Einbau musste verschoben werden, da die dafür nötigen Gutachten nicht vorlagen. Die Brücken wurden daher im [[Stadthafen|Kohlehafen]] eingelagert.<ref name="wade150930"/> Die Stadt entzog der Firma Rohlfing, die den Einbau verantworten sollte, Anfang 2015 den Auftrag. Als Grund gab man an, dass Rohlfing das vom Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine geforderte statische Gutachten für die Montage noch immer nicht eingereicht habe. Zwischen dem Prüfstatiker und Rohlfing kam es schließlich zu einem Schiedsverfahren vor der Ingenieurkammer-Bau NRW. Ergebnis des Verfahrens war, dass (Zitat) „Einvernehmen darüber besteht, dass statische Nachweisefür Maschinen oder Teile nicht erforderlich“ gewesen seien.<ref name="wade170619"/> | ||
Ein neuer Bauunternehmer wurde erst nach dem Sommerferien 2015 in Gestalt der Firma ''Stahlbau Magdeburg'' gefunden.<ref name="wade151211">Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/hamms-prestigeprojekt-pannen-chronik-lippepark-bruecken-kruecke-bruecke-5948364.html „Hamms Prestigeprojekt: Die Pannen-Chronik der Lippepark-Brücken“] in: wa.de vom 11. Dezember 2015</ref><ref name="wade170619">Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/herringen-ort370529/gerichte-werden-sich-pannen-bruecken-lippepark-hamm-herringen-beschaeftigen-8413079.html „Pannen-Brücken im Lippepark ein Fall fürs Gericht“] in: wa.de vom 19. Juni 2017</ref> Dann passierte lange nichts. | |||
Im November 2015 musste der für diesen Monat geplante Termin für das Einschwenken der Brücken per Kran erneut um einen Monat auf 9. und 10. Dezember vertagt werden. Grund waren nicht abgeschlossene Arbeiten am Mitteldamm.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/brueckenschlag-lippepark-hamm-herringen-einmal-mehr-verschoben-5790500.html „Brückenschlag im Lippepark einmal mehr verschoben“] in: wa.de vom 8. November 2015</ref> Der erste tatsächliche Versuch, die Lippe-Brücke am [[9. Dezember]] [[2015]] auf die vorgesehenen Positionen einzuschwenken, scheiterte dann an einem unerwartet hohen Gewicht. Kalkuliert war eine Masse von rund 135 Tonnen, die Waage des Krans zeigte dann jedoch 166 t an, wofür die Anschlagseile und die Gegengewichte nicht dimensioniert waren. Die Brücke wurde wieder auf dem Kohlehafen abgesetzt, wo sie gelagert worden war. Die Verschwenkung der zweiten Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal am 10. Dezember wurde aus diesem Grund ebenso verschoben.<ref>Stefan Gehre, Marc Borgmann, Maike Geißler: [https://www.wa.de/hamm/posse-hamm-brueckenschlag-lippepark-zwischen-herringen-bockum-hoevel-gescheitert-5943715.html „Brückenschlag im Lippepark gescheitert - Video mit Drohnenbildern“] in: wa.de vom 9. Dezember 2015</ref> 2016 würde sich dann herausstellen, dass die Brücke gar nicht zu schwer gewesen war. | |||
Der zweite Versuch am [[11. Dezember]], der zuvor von einem Prüfstatiker aufgrund neuer Berechnungen genehmigt worden war, wurde aufgrund starker Winde abgebrochen. Die Vorhersage deutete auf Winde mit einer Geschwindigkeit von bis zu 14 Metern pro Sekunde, möglich waren die Arbeiten jedoch nur bis maximal 10,8 m/s.<ref>Lars Becker, Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/zweiter-versuch-brueckenschlag-lippepark-freitag-5948490.html „Wind zu stark: Zweiter Versuch für Brückenschlag fällt am Freitag aus“]</ref> | Der zweite Versuch am [[11. Dezember]], der zuvor von einem Prüfstatiker aufgrund neuer Berechnungen genehmigt worden war, wurde aufgrund starker Winde abgebrochen. Die Vorhersage deutete auf Winde mit einer Geschwindigkeit von bis zu 14 Metern pro Sekunde, möglich waren die Arbeiten jedoch nur bis maximal 10,8 m/s.<ref>Lars Becker, Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/zweiter-versuch-brueckenschlag-lippepark-freitag-5948490.html „Wind zu stark: Zweiter Versuch für Brückenschlag fällt am Freitag aus“]</ref> | ||
Schließlich konnten beide Brücken am [[15. Dezember]] in 14 Stunden Arbeit erfolgreich abgesetzt werden, blieben aber noch für den Publikumsverkehr gesperrt.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/brueckenschlag-zwischen-bockum-hoevel-herringen-lippepark-hamm-ueber-kanal-lippe-erfolgreich-5962470.html „Brückenschlag im Lippepark erfolgreich“] in: wa.de vom 15. Dezember 2015</ref> Die endgültige Freigabe der 6 Millionen Euro teuren Brücken durch Oberbürgermeister [[Thomas Hunsteger-Petermann]] konnte erst am [[20. Mai]] [[2016]] | Schließlich konnten beide Brücken am [[15. Dezember]] in 14 Stunden Arbeit im dritten Anlauf erfolgreich abgesetzt werden, blieben aber noch für den Publikumsverkehr gesperrt.<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/brueckenschlag-zwischen-bockum-hoevel-herringen-lippepark-hamm-ueber-kanal-lippe-erfolgreich-5962470.html „Brückenschlag im Lippepark erfolgreich“] in: wa.de vom 15. Dezember 2015</ref> Die endgültige Freigabe der 6 Millionen Euro teuren Brücken durch Oberbürgermeister [[Thomas Hunsteger-Petermann]] konnte erst am [[20. Mai]] [[2016]] erfolgen,<ref>Stefan Gehre: [https://www.wa.de/hamm/bockum-hoevel-ort370528/lippepark-bruecken-hamm-herringen-bockum-hoevel-werden-freigegeben-6407880.html „Lippepark-Brücken werden am Freitag freigegeben“ in: wa.de vom 18. Mai 2016]</ref> auch danach war allerdings ein Übergang auf den Mitteldeich zunächst noch nicht möglich, da der Bodenbelag erst wenig später fertiggestellt werden konnte. | ||
Damit war die Posse um die Brücke gleichwohl nicht beendet. Stahlbau Magdeburg verklagte die Stadt, weil aufgrund der verschobenen Montagetermine Ende 2015 Baugerät länger als geplant vor Ort gebunden war. Ihrerseits verklagte die Stadt die Arbeitsgemeinschaft Rohlfing/Scheidt auf Kosten, die nach der Neuvergabe der Montagearbeiten entstanden waren – ein siebenstelliger Betrag.<ref name="wade170619"/> | |||
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