Katholische Volksschule Wambeln: Unterschied zwischen den Versionen
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Aus einem Protokoll vom 05.01.1782 wissen wir, daß die Kirchspielschule von Scheidingen auch von Kindern aus Wambeln besucht wurde. Lehrer Wilhelm Raffenberg berichtet über die Lage vor der Gründung einer eigenen Schule in Wambeln: ''„Im ersten Viertel dieses Jahrhunderts besuchten sämtliche Schulkinder die Volksschule zu Sönnern […]. Weil die Schülerzahl groß und das Lokal sehr klein war, beschloß man 1828, eine neue Schule zu bauen, woran sich die Gemeinde Wambeln beteiligen sollte. Dieses wurde unter der Bedingung zugesagt, daß das Schulhaus in der Mitte zwischen beiden Gemeinden zu stehen komme. Die Gemeinde Sönnern lehnte dieses ab, und nun wurden die Schüler aus Wambeln in Sönnern ausgewiesen. Seit der Zeit besuchten die Kinder aus Wambeln die Schulen aller benachbarten Gemeinden, vor allem die in Scheidingen, [dann] aber auch [wieder] Sönnern. Anfang der 1870-er Jahre wurde in Scheidingen wie Sönnern wieder eine Ausweisung beschlossen. Nun wandten sich die hiesigen Familienväter um die Erbauung einer katholischen Schule innerhalb des Schulverbandes Rhynern an die Königl. Regierung zu Arnsberg. Diese kam dem Wunsche der hiesigen Einwohner nach und ordnete 1874 den Bau an, welcher dem Landwirt Ostermann hierselbst übertragen wurde. Am 22. Mai 1876 wurde die Schule eröffnet. Dieselbe ist einklassig und zerfällt in drei Stufen, Ober-, Mittel- und Unterstufe.“'' | Aus einem Protokoll vom 05.01.1782 wissen wir, daß die Kirchspielschule von Scheidingen auch von Kindern aus Wambeln besucht wurde. Lehrer Wilhelm Raffenberg berichtet über die Lage vor der Gründung einer eigenen Schule in Wambeln: ''„Im ersten Viertel dieses Jahrhunderts besuchten sämtliche Schulkinder die Volksschule zu Sönnern […]. Weil die Schülerzahl groß und das Lokal sehr klein war, beschloß man 1828, eine neue Schule zu bauen, woran sich die Gemeinde Wambeln beteiligen sollte. Dieses wurde unter der Bedingung zugesagt, daß das Schulhaus in der Mitte zwischen beiden Gemeinden zu stehen komme. Die Gemeinde Sönnern lehnte dieses ab, und nun wurden die Schüler aus Wambeln in Sönnern ausgewiesen. Seit der Zeit besuchten die Kinder aus Wambeln die Schulen aller benachbarten Gemeinden, vor allem die in Scheidingen, [dann] aber auch [wieder] Sönnern. Anfang der 1870-er Jahre wurde in Scheidingen wie Sönnern wieder eine Ausweisung beschlossen. Nun wandten sich die hiesigen Familienväter um die Erbauung einer katholischen Schule innerhalb des Schulverbandes Rhynern an die Königl. Regierung zu Arnsberg. Diese kam dem Wunsche der hiesigen Einwohner nach und ordnete 1874 den Bau an, welcher dem Landwirt Ostermann hierselbst übertragen wurde. Am 22. Mai 1876 wurde die Schule eröffnet. Dieselbe ist einklassig und zerfällt in drei Stufen, Ober-, Mittel- und Unterstufe.“'' | ||
Pastor Robert Quiskamp, seit 1924 mit der Verwaltung der Pfarrvikarie Wambeln beauftragt <ref>[https://www.tabularasamagazin.de/pfarrer-dr-dr-robert-quiskamp Lebenslauf von Dr. Dr. Robert Quiskamp] in tabularasa – Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur</ref>, notierte im Jahre 1926 zur ersten Schule in Wambeln: ''„Der 22. Mai 1876 wird für die Wambeler Gemeinde immer ein denkwürdiger Tag sein, weil damals die erste Schule eröffnet wurde. Hiermit wurde einer elenden Zeit und elenden Zuständen ein Ende gesetzt. Man muß es doch als ein Elend bezeichnen, wenn die Kinder einer Gemeinde Nachbarschulen besuchen, in denen sie so eben geduldet werden. Die Sache ist um so trauriger, wenn ein Teil der Kinder seinen Weg nach Süden, der andere nach Osten und ein dritter die Richtung nach Norden nimmt. Wie auf diese Weise ein Zusammengehörigkeitsgefühl aufkommen soll und ein einmütiges Gemeindeleben, das ist schwer zu verstehen. Unseres Erachtens hat der Gemeinde in damaliger Zeit jeder Mittelpunkt gefehlt, es sei denn, daß eine gewisse materielle Kraft alles beherrschte, von der aber ein geistiger Einfluß nicht ausgeübt werden kann.“'' | Pastor [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Quiskamp Robert Quiskamp], seit 1924 mit der Verwaltung der Pfarrvikarie Wambeln beauftragt <ref>[https://www.tabularasamagazin.de/pfarrer-dr-dr-robert-quiskamp Lebenslauf von Dr. Dr. Robert Quiskamp] in tabularasa – Zeitschrift für Gesellschaft und Kultur</ref>, notierte im Jahre 1926 zur ersten Schule in Wambeln: ''„Der 22. Mai 1876 wird für die Wambeler Gemeinde immer ein denkwürdiger Tag sein, weil damals die erste Schule eröffnet wurde. Hiermit wurde einer elenden Zeit und elenden Zuständen ein Ende gesetzt. Man muß es doch als ein Elend bezeichnen, wenn die Kinder einer Gemeinde Nachbarschulen besuchen, in denen sie so eben geduldet werden. Die Sache ist um so trauriger, wenn ein Teil der Kinder seinen Weg nach Süden, der andere nach Osten und ein dritter die Richtung nach Norden nimmt. Wie auf diese Weise ein Zusammengehörigkeitsgefühl aufkommen soll und ein einmütiges Gemeindeleben, das ist schwer zu verstehen. Unseres Erachtens hat der Gemeinde in damaliger Zeit jeder Mittelpunkt gefehlt, es sei denn, daß eine gewisse materielle Kraft alles beherrschte, von der aber ein geistiger Einfluß nicht ausgeübt werden kann.“'' | ||
Nachdem die Königliche Regierung zu Arnsberg im Jahre 1874 den Bau einer Schule angeordnet hatte, ist ein passendes Gebäude von dem Landwirt Friedrich Ostermann auf eigene Kosten errichtet worden, weil er auf diese Weise, wie erzählt wird, den katholischen Charakter der Schule sichern wollte. So ist die Gemeinde zu ihrer ersten Schule gekommen. Im übrigen scheint die ganze Schulangelegenheit damals von den Wambelner Bürgern allein in die Hand genommen worden zu sein. Ohne deren Initiative hätte sich an der unzureichenden Versorgung nicht viel geändert. | Nachdem die Königliche Regierung zu Arnsberg im Jahre 1874 den Bau einer Schule angeordnet hatte, ist ein passendes Gebäude von dem Landwirt Friedrich Ostermann auf eigene Kosten errichtet worden, weil er auf diese Weise, wie erzählt wird, den katholischen Charakter der Schule sichern wollte. So ist die Gemeinde zu ihrer ersten Schule gekommen. Im übrigen scheint die ganze Schulangelegenheit damals von den Wambelner Bürgern allein in die Hand genommen worden zu sein. Ohne deren Initiative hätte sich an der unzureichenden Versorgung nicht viel geändert. | ||
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== Erster Weltkrieg == | == Erster Weltkrieg == | ||
Ereignisse des 1. Weltkriegs spiegeln sich reichlich in örtlichen Chroniken. Pastor Quiskamp notierte: ''Während die Männer draußen waren, um das Land zu verteidigen, haben die Frauen die Wirtschaft weitergeführt, meistens mit Kriegsgefangenen, entweder Franzosen oder Russen. Von den Russen muß gesagt werden, daß sie ein gutes Andenken hinterlassen. Wo ein solcher Russe auf dem Hof gewesen ist, hat man sich auf ihn unbedingt verlassen können.'' Der Kriegsbeginn mit seinen frühen Siegesmeldungen, Sondermeldungen und den Maßnahmen, die mit dem Krieg zusammenhingen, vielleicht auch eine Anordnung der Schulaufsichtsbehörde, veranlassten auch den Lehrer Schulte, in der Wambelner Schulchronik ein Kapitel „Krieg und Schule“ anzulegen und detailliert einzutragen, was ihm erwähnenswert schien. Die Notizen vermitteln ein Bild von der Begeisterung der Menschen bei Kriegsausbruch. Die Schulchronik berichtet aber auch von der Not jener Jahre. Ein kleiner Teil davon wird hier exemplarisch wiedergegeben. | Ereignisse des 1. Weltkriegs spiegeln sich reichlich in örtlichen Chroniken. Pastor [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Quiskamp Quiskamp] notierte: ''Während die Männer draußen waren, um das Land zu verteidigen, haben die Frauen die Wirtschaft weitergeführt, meistens mit Kriegsgefangenen, entweder Franzosen oder Russen. Von den Russen muß gesagt werden, daß sie ein gutes Andenken hinterlassen. Wo ein solcher Russe auf dem Hof gewesen ist, hat man sich auf ihn unbedingt verlassen können.'' Der Kriegsbeginn mit seinen frühen Siegesmeldungen, Sondermeldungen und den Maßnahmen, die mit dem Krieg zusammenhingen, vielleicht auch eine Anordnung der Schulaufsichtsbehörde, veranlassten auch den Lehrer Schulte, in der Wambelner Schulchronik ein Kapitel „Krieg und Schule“ anzulegen und detailliert einzutragen, was ihm erwähnenswert schien. Die Notizen vermitteln ein Bild von der Begeisterung der Menschen bei Kriegsausbruch. Die Schulchronik berichtet aber auch von der Not jener Jahre. Ein kleiner Teil davon wird hier exemplarisch wiedergegeben. | ||
* Am 2. August 1914 brach der Weltkrieg aus, in den das Deutsche Reich mit Österreich-Ungarn gegen sechs europäische und einen asiatischen Feind kämpften mußte. An der nun einsetzenden Liebestätigkeit für die ausrückenden Krieger beteiligte sich auch unser Heimatort. Zwei Wagen mit Lebensmitteln, wie Schinken, Rauchwürste, Brot, Butter, 1.000 Eier, Kaffee, Käse wurden zum Bahnhof Welver geliefert. Später kochte man reichlich Äpfel, Birnen und Pfirsiche als Labung für die Verwundeten. | * Am 2. August 1914 brach der Weltkrieg aus, in den das Deutsche Reich mit Österreich-Ungarn gegen sechs europäische und einen asiatischen Feind kämpften mußte. An der nun einsetzenden Liebestätigkeit für die ausrückenden Krieger beteiligte sich auch unser Heimatort. Zwei Wagen mit Lebensmitteln, wie Schinken, Rauchwürste, Brot, Butter, 1.000 Eier, Kaffee, Käse wurden zum Bahnhof Welver geliefert. Später kochte man reichlich Äpfel, Birnen und Pfirsiche als Labung für die Verwundeten. | ||