Sandstraße: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Sandstraße, die es seit 1901 gab, hatte wie alle anderen Straßen in [[Heessen]] keine Asphaltdecke. Erst als die [[Zeche Sachsen|Zeche]] in Heessen ansässig wurde, also nach dem Jahre 1912, erhielt die Straße eine Aschendecke aus Kesselasche der Zeche. Diese Art der Straßenpflasterung hielt jedoch nie lange, weil der Untergrund der Straße, wie der Name schon sagt, aus Sand besteht. Als 1921 die Zechengesellschaft den Kanal, der die gesamte Zeche Sachsen entwässerte, unter der Sandstraße hindurch bis zur Lippe baute, gab es noch zusätzliche Schwierigkeiten. Bedingt durch Bergsenkungen in diesem Gebiet (1928), floss das Abwasser der Zeche nicht mehr in die Lippe, sondern in die Keller der Anwohner, die sich heftigst beschwerten. Die Zechengesellschaft sah jedoch zunächst keinen Anlass tätig zu werden, sondern wollte warten, bis der Rest der Straße auch abgesenkt sei und somit das Wasser wieder bis zur Lippe fließen könnte. Das rief jedoch den erbitterten Widerstand der Anwohner hervor, die auf Reparaturen am Kanal bestanden, die dann auch ab 1929 durchgeführt wurden.
Die Sandstraße, die es seit 1901 gab, hatte wie alle anderen Straßen in [[Heessen]] keine Asphaltdecke. Erst als die [[Zeche Sachsen|Zeche]] in Heessen ansässig wurde, also nach dem Jahre 1912, erhielt die Straße eine Aschendecke aus Kesselasche der Zeche. Diese Art der Straßenpflasterung hielt jedoch nie lange, weil der Untergrund der Straße, wie der Name schon sagt, aus Sand besteht. Als 1921 die Zechengesellschaft den Kanal, der die gesamte Zeche Sachsen entwässerte, unter der Sandstraße hindurch bis zur Lippe baute, gab es noch zusätzliche Schwierigkeiten. Bedingt durch Bergsenkungen in diesem Gebiet (1928), floss das Abwasser der Zeche nicht mehr in die Lippe, sondern in die Keller der Anwohner, die sich heftigst beschwerten. Die Zechengesellschaft sah jedoch zunächst keinen Anlass tätig zu werden, sondern wollte warten, bis der Rest der Straße auch abgesenkt sei und somit das Wasser wieder bis zur Lippe fließen könnte. Das rief jedoch den erbitterten Widerstand der Anwohner hervor, die auf Reparaturen am Kanal bestanden, die dann auch ab 1929 durchgeführt wurden.


Ein weniger rühmliches Kapitel der Geschichte der Sandstraße ist das Kriegsgefangenenlager II, das an der Bahnlinie ab 1941 errichtet wurde. Hier waren ab 1942 durchschnittlich 850 sowjetische Kriegsgefangene untergebracht, die auf der Zeche Sachsen Zwangsarbeit leisten mussten. Ihr Weg zum „Arbeitseinsatz“ führte durch die Hülseystraße, entlang der Ahlener Straße zum Dasbecker Weg, über die Eisenbahnbrücke zum Sachsenweg und zum Zecheneingang. Niemand in Heessen konnte diese ausgemergelten, verhungerten Gestalten übersehen, die zum größten Teil nicht länger als ein halbes Jahr in Heessen blieben, weil sie dann zum Sterben ins Stammlager Hemer geschickt wurden. Es war nationalsozialistische Politik, sowjetische Kriegsgefangene auszuhungern und ihre Arbeitskraft bis zum Ende auszubeuten. Sowjetische Soldaten wurden ausdrücklich nicht nach den Grundsätzen des „Genfer Abkommens über die Behandlung von Kriegsgefangenen“ aus dem Jahre 1929 behandelt, in dem unter anderem steht, dass „Kriegsgefangene nicht beleidigt, misshandelt und getötet“ werden dürfen und „die Gewahrsamsmacht sie so verpflegen und betreuen muss wie ihre eigene Truppe“. In Heessen - wie im übrigen Deutschland - starben die russischen Jungen und Männer an Unterernährung und durch Unterernährung hervorgerufenen Krankheiten praktisch unter den Augen der einheimischen Bevölkerung. Denn die zerlumpten Gestalten nicht zu bemerken war unmöglich, bildeten sie doch zeitweise 50% der Belegschaft der Zeche Sachsen. Das Lager an der Sandstraße ist wie vieles andere auch nach dem Kriege unter dem Mantel des Schweigens verschwunden, seit einigen Jahren erinnert eine Platte mit Gedenkinschrift der hier an Russen verübten Untaten.<ref>Nach [[Rita Kreienfeld]]</ref>
Ein weniger rühmliches Kapitel der Geschichte der Sandstraße ist das Kriegsgefangenenlager II, das an der Bahnlinie ab 1941 errichtet wurde. Hier waren ab 1942 durchschnittlich 850 sowjetische Kriegsgefangene untergebracht, die auf der Zeche Sachsen Zwangsarbeit leisten mussten. Ihr Weg zum „Arbeitseinsatz“ führte durch die Hülseystraße, entlang der Ahlener Straße zum Dasbecker Weg, über die Eisenbahnbrücke zum Sachsenweg und zum Zecheneingang. Niemand in Heessen konnte diese ausgemergelten, verhungerten Gestalten übersehen, die zum größten Teil nicht länger als ein halbes Jahr in Heessen blieben, weil sie dann zum Sterben ins Stammlager Hemer geschickt wurden. Es war nationalsozialistische Politik, sowjetische Kriegsgefangene auszuhungern und ihre Arbeitskraft bis zum Ende auszubeuten. Sowjetische Soldaten wurden ausdrücklich nicht nach den Grundsätzen des „Genfer Abkommens über die Behandlung von Kriegsgefangenen“ aus dem Jahre 1929 behandelt, in dem unter anderem steht, dass „Kriegsgefangene nicht beleidigt, misshandelt und getötet“ werden dürfen und „die Gewahrsamsmacht sie so verpflegen und betreuen muss wie ihre eigene Truppe“. In Heessen - wie im übrigen Deutschland - starben die russischen Jungen und Männer an Unterernährung und durch Unterernährung hervorgerufenen Krankheiten praktisch unter den Augen der einheimischen Bevölkerung. Denn die zerlumpten Gestalten nicht zu bemerken war unmöglich, bildeten sie doch zeitweise 50% der Belegschaft der Zeche Sachsen. Das Lager an der Sandstraße ist wie vieles andere auch nach dem Kriege unter dem Mantel des Schweigens verschwunden, seit einigen Jahren erinnert eine Platte mit Gedenkinschrift der hier an Russen verübten Untaten.<ref>Nach [[Rita Kreienfeld]], [[Heimatverein Heessen e.V.]]</ref>


== Haltestelle ==
== Haltestelle ==
{{Haltestelle|Sandstraße}}
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== Stele zur Stadtgeschichte ==
{{Stelen zur Stadtgeschichte|Thema=Gedenkstätte Russenlager|Standort=Hausnummer 50|Bild=Stele_Gedenkstaette_Russenlager.jpg}}


== Besonderheiten ==
== Besonderheiten ==
[[Datei:Verkehrsschild Zone 30.jpg]]
[[Datei:Verkehrszeichen 274.1.png|x100px]]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==