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Urkunde 1528 Mai 6 1529 Januar 5

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Das eiserne Halsband des Lambert von Oer

Am 5. Mai 1528 schließen alle beteiligten Parteien am Streit zwischen Goddert von Harmen und der Familie von Oer zu Kakesbeck einen Vergleich. Auf die Güter, um die der Streit ursprünglich entstanden ist, verzichtet Goddert Harmen vollständig, erhält dafür aber eine sehr hohe Entschädigungssumme vom Stift Münster zugesprochen. Diese wird ihm in zwei Raten ausgezahlt, die zweite Rate soll er in der Stadt Hamm übergeben bekommen. Zudem wird Franz von Ascheberg, der an Goddert Harmens Seite stand, in die Güter seines Vaters eingesetzt, allerdings ohne weitere Entschädigung. Allen Seiten wird mit dem Vertrag Amnestie gewährt. Der münsteraner Bischof stimmt dem Vertrag am 5. Januar 1529 abschließend zu.

Damit Ende die Fehde zwischen Goddert Harmen und der Familie von Oer.

Wortlaut

Die Urkunde ist in niederdeutscher Sprache verfasst und wird nach Offenburg (S. 185-187) zitiert: [1]

Int erst fall und will Godder Harmen aen einige beholtnisse alle siner ansprake, forderinge und angemaisder gerechticheit, so he besher jegen de van Oer der vorger. erfguder vor sick genomen, genslich und all vertegen, also dat he, edder sine erven of jemant van siner wegen nu vortmer in kraft dersulven de van Oer oft ere erven, sampt of besonders to ginen tiden wider to belangen of to belestigen sollen macht hebben. Et sall und will ock Goddert Harmen de van Oer vorger. mit genochsam versekeringe und warschap vor de van Ascheberge vort alle andere dusser sake und gebrecke vorger. mede verwant edder sake wolden, in wat gestalt ock desulven hierbevorens tegen de van Oer der guder halven enige forderinge vorgenommen, also dat de van Oer und oere erven van denselven ock wider anforderinge mogen gefriet sin und bliven, des sall genante Goddert Harmen wedderumb van den van Oer mit viftehalf dusent golden rynsche gulden erkandt werden, de gedachten Godderde Harmen dorch vorgevorte verordnete der lantschap sollen gehantreiket und overantwerdt werden, nemptlich vifhundert gulden up negstkumpstich sunte Johans misse to middesommer und de anderen veer dusent gulden up de negstvolgende hoichtit Midtwinter, edder ungeferlich in achte dagen darna negstvolgende. Dat wi verordnete der lantschap des stifts Munster hirmeden geschreven als vulmechtich to dusser sake, also loven sunder Goddert Harmens schaden ut to richten, und dat vorger. gelt des ersten und lesten termins binnen der stadt Hamme Goddert Harmen sinen erven edder vulmechtigen geschickeden up geborliche quitanzien und aen alle beswer to levernde in guden vulwichtigen, vulgeldende golden rynsche gulden. Und dewile dat ut vorger. gebrecken nicht alleine twischen den parthen, sunder ock Goddert Harmen und den stifte van Munster viantlich handel erwassen und geplegen, ist allenthalven der viantschaff ein vullenkommen sone gegeven und entfangen. Also dat gedachte verordente van wegen und als in dem falle vulmechtige des hoichwerdigen fursten unsen g. H. und der ganzen lantschap des stifts Munster Goddert Harmen und den sinen vort allen de ome in solcken veintligen handel jegen de Munsterschen mit rade of dade anhengich eder forderlich gewesen sint, ein vulkomen sone des vorger. viantligen vornements gegeven hebbet, solcker gestalt, dat nu vortmer Goddert Harmen und sine medebeschreven der vor gemelten orsaken des fursten und stifts, ock Berndes van Oer und siner verwanten unbefaert sin sollen. Dergelicken heft Goddert Harmen in aller mate, wo vorger. vor sick, sine deiners und alle de genne, de ome in dusser sake anhengich gewest tegen den fursten, lantschapp und parthe vorger. allen viantligen handel und verwaringe alinges und all afgedaen und gelavet, dat dorch em edder der sine vorger. oft yemants van sinetwegen de hoichgedachten fursten, lantschaff und parthe vorger. der vorgemelten gebrecke und orsake halven nu vortmer to neinen tiden belangt, beschediget edder in sennigen deil belastiget sall werden sunder argelist. Et is ock bedinget dat noch de van Oer, noch ock Goddert Harmen, edder to beiden deilen eins ideren verwanten nicht sollen belangt werden umb einigen schaden dem hoichgemelten fursten edder siner f. G. lantschapp edder undersaten vermits dussen viantligen handel benegent. Sunder was des solven gescheit, is dorch de verordente vorger. van wegen des fursten und gemeiner lantschap beiden parthen to gude nagelaten und quitgeschulden. So ock Hermen van Ascheberge dusses mangels halven sins gudes ein tidtlang entsath gewest, is men in dussen verdrage ock overkommen, dat vilgemelte verordente beschaffen willen, Franß van Ascheberge to sins vaders gude wedderumme gestadet und unvertochlich sall ingesath werden. Jdoch sunder erstadinge of reckenschop upgehavener früchte und muttinge der guder. Doch sallen genannten Franßen alle quitanzien der rente, so in midler tidt den schuldeners betalt, gehantreiket werden. Et sall ock Franß van Ascheberge mit einen sunderlingen breve van der lantschap des stichts Munster ock van den van Oer versorget werden, dusser verhandelinge to neinen tiden of sine erven besprocken of bededingt to werden. Und hiermede sullen alle und itliche gebrecke und mangel, wu sick de in maten vorgerort allenthalven besanher entholden, genslich und all gedempt und avesneden sin und bliven to ewigen dagen sunder argelist und gefeirde. Und want dit allent dorch uns hern Melchior van Bueren, kelner, Diderich van Messchede, Rotger Smisinck domhern, heren Gerde van der Recke, rytter, Hinricke van Munster, Johan van Ossenbrugge, Cordt Bolandt, Rotger Toß als verordente des stifts Munster und lantschap vorger. und van uns Johan, hern to Bueren, Joist Westphaill, Raven Westphaill, zeligen Hinricks sonn und Cordt van Brenden als van der frientschap Goddert Harmens mit bewillinge der parthen verhandelt bededingt und gesloten in dem jair na Christi, unses hern gboerth vifteinhundert acht und twintich am dage Philippi et Jacobi apostolorum. Bekennen derhalven dat wi sodanen verdrach van uns als den lantfursten und unse nakomelinge angenommen und bewilligt hebben, annemen und bewilligen in macht dusses breves. Im jar unses heren dusent vifhundert negen und twintich am avende trium regum.


Übersetzung

Übertragen ins Hochdeutsche lautet der Urkundentext wie folgt:

Zuerst soll und will Goddert Harmen, ohne Vorbehalt all seiner Ansprüche, Forderungen und der Rechtsansprüche, die er bisher gegen die von Oer bezüglich der vorgenannten Erbgüter erhoben hat, gänzlich und gar verzichten. Dies bedeutet, dass weder er noch seine Erben oder jemand von seinetwegen nun fortan an Kraft derselben die von Oer oder deren Erben, weder gemeinsam noch im Einzelnen, zu keiner Zeit wieder belangen oder belästigen dürfen oder das Recht dazu haben sollen.

Es soll und will auch Goddert Harmen den vorgenannten von Oer eine ausreichende Versicherung und Gewährschaft leisten – sowohl vor den von Ascheberg als auch vor allen anderen, die mit dieser vorgenannten Sache und dem Streitfall verwickelt sind –, falls diese hierzuvor gegen die von Oer wegen der Güter irgendwelche Forderungen erhoben haben. So sollen die von Oer und ihre Erben von diesen Forderungen auch weiterhin befreit sein und bleiben.

Dafür soll der genannte Goddert Harmen wiederum von den von Oer mit viereinhalbtausend goldenen rheinischen Gulden entschädigt werden. Diese sollen dem gedachten Goddert Harmen durch die vorerwähnten Verordneten der Landschaft ausgehändigt und überantwortet werden, und zwar: fünfhundert Gulden am nächstfolgenden St. Johannistag zur Mittsommerzeit (24. Juni) und die anderen viertausend Gulden zum nächstfolgenden Weihnachtsfest oder innerhalb von acht Tagen direkt danach.

Dass wir, die Verordneten der Landschaft des Stifts Münster, hiermit als Bevollmächtigte in dieser Sache gezeichnet haben, geloben wir ohne Schaden für Goddert Harmen auszurichten: und das vorgenannte Geld des ersten und letzten Termins innerhalb der Stadt Hamm an Goddert Harmen, seine Erben oder bevollmächtigten Gesandten gegen gebührende Quittung und ohne jede Erschwernis in guten, vollgewichtigen, vollgültigen goldenen rheinischen Gulden zu liefern.

Und da aus dem vorgenannten Streitfall nicht allein zwischen den Parteien, sondern auch zwischen Goddert Harmen und dem Stift Münster feindliche Handlungen erwachsen und ausgeübt worden sind, ist allenthalben für die Feindschaft eine vollkommene Sühne gegeben und empfangen worden. So haben die gedachten Verordneten – im Namen und als Bevollmächtigte des hochwürdigen Fürsten, unseres gnädigen Herrn, und der ganzen Landschaft des Stifts Münster – Goddert Harmen und den Seinen, sowie allen, die ihm in solchen feindlichen Handlungen gegen die Münsteraner mit Rat oder Tat anhangen oder förderlich gewesen sind, eine vollkommene Sühne der vorgenannten feindlichen Unternehmungen gegeben. Dies in der Weise, dass nun fortan Goddert Harmen und seine Verbündeten wegen der vorgenannten Ursachen seitens des Fürsten und des Stifts, wie auch seitens Bernd von Oers und seiner Verwandten, unbehelligt sein sollen.

Gleichermaßen hat Goddert Harmen in aller Form, wie vorgenannt, für sich, seine Diener und all jene, die ihm in dieser Sache angehangen haben, gegen den Fürsten, die Landschaft und die vorgenannte Partei alle feindlichen Handlungen und Fehden gänzlich und gar beigelegt und gelobt, dass durch ihn oder die Seinen vorgenannt oder jemanden von seinetwegen die hochgedachten Fürsten, die Landschaft und die vorgenannte Partei wegen der vorgemerkten Streitigkeiten und Ursachen nun fortan zu keiner Zeit belangt, geschädigt oder in irgendeiner Weise belästigt werden sollen, ganz ohne Arglist.

Es ist auch vereinbart worden, dass weder die von Oer noch Goddert Harmen, oder auf beiden Seiten einer ihrer Verwandten, belangt werden sollen wegen irgendwelcher Schäden, die dem hochgemeldeten Fürsten oder Seiner Fürstlichen Gnaden Landschaft oder Untertanen mittels dieser feindlichen Handlungen widerfahren sind. Sondern was diesbezüglich geschehen ist, ist durch die vorgenannten Verordneten vonseiten des Fürsten und der gemeinsamen Landschaft beiden Parteien zugunsten erlassen und vergeben.

Da auch Herman von Ascheberg wegen dieses Streits seines Gutes eine Zeitlang beraubt gewesen ist, ist man in diesem Vertrag auch übereingekommen, dass die vielgenannten Verordneten veranlassen wollen, dass Franz von Ascheberg wieder zu seines Vaters Gut zugelassen und unverzüglich darin eingesetzt werden soll. Jedoch ohne Erstattung oder Rechnungslegung über die einbehaltenen Erträge und Nutzungen der Güter. Doch sollen dem genannten Franz alle Quittungen der Pachtzahlungen, die in der Zwischenzeit von den Schuldnern bezahlt wurden, ausgehändigt werden. Es soll auch Franz von Ascheberg mit einem besonderen Brief von der Landschaft des Stifts Münster wie auch von den von Oer abgesichert werden, wegen dieser Verhandlung zu keinen Zeiten oder seine Erben beschuldigt oder rechtlich belangt zu werden.

Und hiermit sollen alle und jegliche Gebrechen, Streitigkeiten und Mängel, wie sie sich in der vorgenannten Weise allenthalben im Besonderen abgespielt haben, gänzlich und gar beigelegt und beendet sein und bleiben zu ewigen Tagen, ohne Arglist und Gefährdung.

Und da dies alles durch uns: Herrn Melchior von Büren (Kellner), Diederich von Messchede, Rotger Smisinck (Domherren), Herrn Gerdt von der Recke (Ritter), Hinrick von Münster, Johan von Osnabrück, Cordt Bolandt, Rotger Toss als Verordnete des Stifts Münster und der vorgenannten Landschaft; und von uns: Johan, Herr zu Büren, Joist Westphaill, Raven Westphaill (des seligen Hinricks Sohn) und Cordt von Brenden als Vertreter der Unterstützer Goddert Harmens mit Einwilligung der Parteien verhandelt, vermittelt und geschlossen wurde, im Jahre nach Christi, unseres Herrn Geburt fünfzehnhundertachtundzwanzig [1528] am Tage der Apostel Philippus und Jacobus [1. Mai].

Bekennen derhalben, dass wir einen solchen Vertrag von uns als dem Landesfürsten und unseren Nachfolgern angenommen und bewilligt haben, annehmen und bewilligen in Kraft dieses Briefes. Im Jahre unseres Herrn tausendfünfhundertneunundzwanzig [1529] am Vorabend der Heiligen Drei Könige [5. Januar].

Literatur

  • Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
  • Werland, Peter: Der Ritter mit dem eisernen Halsband. In: Westfälischer Heimatkalender 1951. Münsterland. Münster 1950. S. 140-142

Anmerkungen

  1. Offenburg, Heinrich: Das Halsband Lamberts von Oer. Nach gedruckten Akten. In: Westfälische Zeitschrift – Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 55. 1897. S. 136-193
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